Herbstzeit – Endzeit? Gedanken zum November

Von | 28. Oktober 2020

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Blick in die Natur, er zeigt uns: Es ist Herbst – das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Der Spätherbst, der Monat November, er ist seit alters her der Totenmonat, der Monat, in dem wir unserer Verstorbenen gedenken.

Unsere christliche Überzeugung sagt uns ganz klar: Das Leben geht nach dem Tod weiter. Auch wenn der Körper gestorben ist, der Mensch, den ich her auf Erden gekannt habe, seine Seele, sie bleibt dieselbe und sie lebt weiter in einer neuen Art des Lebens, in einem Leben, das nicht mehr den Wechselfällen unserer Körperlichkeit unterworfen ist, das keine Krankheit, keinen Schmerz kein Leiden mehr kennt, sondern nur tiefe, innere Erfüllung und inneren Frieden, ein Leben, das nicht mehr enden wird.

Jesus Christus selber sagt uns im Evangelium: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt und jeder, der an mich glaubt wird in Ewigkeit nicht sterben Glaubst du das?“ (Joh 11,25.)

Ja, wir dürfen daran glauben: Der Tod, er ist zwar das Ende unseres Körpers, aber nicht das Ende unseres Lebens. Die Wirklichkeit unseres Lebens ist viel größer und weiter, als das, was wir mit den Augen unseres Leibes und den Sinnen unseres Körpers sehen und erfassen können. Die Welt, die wir wahrnehmen, die Jahre, die wir in ihr haben, sie sind sozusagen nur die sichtbare Vorderseite des Lebens. Es gibt eine Zeit unseres Lebens jenseits der Pforte des Todes. Im Haus des neuen und ewigen Lebens. In dem uns Gott mit offenen Armen empfängt, in dem er unserer Seele der Sterblichkeit abnimmt und uns das Festgewand des ewigen Lebens umlegt. Daran dürfen wir glauben, darauf dürfen wir hoffen und darin dürfen wir Trost, Kraft, Hoffnung und Mut schöpfen.

Viele von  kennen wahrscheinlich die Geschichte vom Kleinen Prinzen, der von einem fremden Stern auf die Erde kam. In seinem Abschiedswort angesichts seines Todes sagt der kleine Prinz zu seinem Freund, dem Fuchs.

„Es wird aussehen, als wäre ich tot, aber das wird nicht wahr sein…“

„Du verstehst. Es ist zu weit. Ich kann diesen Leib da nicht mitnehmen. Er ist zu schwer. Er wird daliegen, wie eine alte verlassene Hülle.“

„Wenn Du dich einmal getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben….Und wenn du dann bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als leuchten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du wirst immer mein Freund sein.“

Eine mit mir befreundete schwerkranke  Schriftstellerin, die ich kurz vor ihrem Tod gebeten hatte, mir etwas zu schreiben, was ich bei ihrem Begräbnis anstelle der Predigt vorlesen könnte, schrieb mir die folgenden Zeilen zurück:

„Du hast zu mir gesagt: Schreibe etwas, um „Auf Wiedersehn“  zu sagen.

Ich habe gesagt: Ich kann nicht. (Denn) du sagst niemals „Auf Wiedersehn“ zu einem Freund. Ein Freund ist immer bei dir. Er kommentiert und ermahnt dich, er klagt und manchmal lacht er. Wenn ich in der neuen Stille zuhöre, ich kann meinen Freund immer noch reden hören.“

Und so wünsche ich uns, dass wir spüren und erfahren dürfen, dass unsere Verstorbenen weiterhin nahe sind mit ihrer Liebe, mit ihren guten Gedanken, und oftmals auch mit ihrer Hilfe und ihrem Schutz. Dass sie uns nahe sind in einer ganz neuen Art und Weise.

Ihr Hans-Jürgen Eck, Pfarrer