Gedanken zu den Lesungen des Tages, 11.07.

By | 11. Juli 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Gedanken zu den Lesungen des Tages“ jeden Tag einen neuen Impuls vor.

Samstag der 14. Woche im Jahreskreis

Lesung: Jesaja (6, 1-8)
Evangelium: Matthäus (10, 24-33)

Die Heiligkeit stellt Gott in einen unendlichen Abstand auch von den höchsten Geschöpfen, aber sie isoliert ihn nicht, er schätzt seine Ge­schöpfe nicht gering und steht ihnen nicht gleichgültig gegenüber: die Herrlichkeit des Herrn erfüllt die ganze Erde …

Wenn die Lippen des Jesaja unrein sind, wenn er zitternd fürchtet, durch seinen Atem die göttliche Heiligkeit zu entweihen, so deshalb, weil er bei der Begegnung mit ihr mit furchtbarem Entsetzen die Verderbtheit spürt, die aus seinem Herzen aufsteigt.

Diese Reaktion des Jesaja, dieses Bewusstsein seiner Unwürdigkeit vor Gott, ist die Zerknirschung, die wir so schwer in unserem Herzen zu­stande bringen. Wir können keine Schau dieser Art erwarten, dass sie in uns das Bedauern über unsere Sünden wecke, aber wir können eine kost­bare Lehre daraus ziehen. Wir werden daran erinnert, dass die Reue nicht von uns, sondern von Gott kommt, und dass wir sie nicht erhalten werden, indem wir uns eifrig bemühen, uns in einen Zustand des Bedauerns zu versetzen, sondern indem wir uns vor Gott hinstellen und ihn bitten, seine Macht und Herrlichkeit möge über uns kommen und uns reinigen.

Jac­ques Guillet