Gedanken zu den Lesungen des Tages, 22.06.

By | 22. Juni 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Gedanken zu den Lesungen des Tages“ jeden Tag einen neuen Impuls vor.

Montag der 12. Woche im Jahreskreis

Lesung: 2. Buch der Könige (17, 5-8.13-15a.18)
Evangelium: Matthäus (7, 1-5)

Vom Richten und vom Zurechtweisen handelt das heutige Evangelium. Mit welchem Recht und nach welchem Maß kann ein Mensch den anderen richten, über ihn urteilen, ihn verurteilen?

Was weiß er von ihm in Wirklichkeit? Er kennt nicht einmal sich selbst; weiß er, wie das Gericht über ihn selbst ausfallen wird – nicht das Gericht der Menschen, sondern das Gericht Gottes?

Vor Gott sind wir alle schuldig, aber er gibt uns eine Chance: er richtet uns nach dem Maß, mit dem wir selbst den Mitmenschen, den Bruder gemessen haben.

Aber gibt es nicht objektive Normen und Maßstäbe, z. B. das Evange­lium selbst? Ganz sicher. Doch das Evangelium verstehen wir genau so weit, als wir es leben; im gleichen Maß werden wir auch begreifen, was die Sünde ist: die eigene und die fremde. Dann aber vergeht uns die Lust, zu richten und zu verurteilen, und wir begreifen, dass wir etwas ganz anderes zu tun haben: uns selbst nach dem Evangelium ’richten‘ und dem Bruder in seiner Not helfen.