Gedanken zu den Lesungen des Tages, 06.06.

Von | 6. Juni 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Gedanken zu den Lesungen des Tages“ jeden Tag einen neuen Impuls vor.

Samstag der 9. Woche im Jahreskreis

Lesung: 2. Timotheusbrief (4, 1-8)
Evangelium: Markus (12, 38-44)

Wie sieht das aus, wenn man Christi Wiederkunft liebt?

Die Heilige Schrift macht es uns in Bildern klar. Da ist die Braut, die sich schmückt für den Bräutigam; da sind die Jungfrauen, die aufgebrochen sind, um dem nächtlichen Hochzeitszug mit Lichtern festlichen Glanz zu geben und so mit einzugehen in die Freude des Bräutigams; die treuen Knechte, die sich, gegürtet und mit brennenden Lampen in den Händen, für die nächtliche Heimkehr ihres Herrn von der Hochzeit bereit halten …

Gemeinsam ist all diesen Gleichnissen eines: dass da Menschen sind, die auf eine kommende Wirklichkeit hin leben, an der ihr ganzes Dasein sich orientiert und um die beständig ihr Denken kreist.

Noch ist das Ziel nicht in Sicht, aber dem inneren Auge ist es gewährt, es ist verbürgt durch ei­nen, auf den sie Herz und Leben gesetzt haben und der nicht trügen kann – das Ziel ist identisch mit ihm; immer wieder neu tritt es hin vor die Seele, tröstend, aufrichtend, wegweisend, kräftigend, nährend wie das Le­ben selbst und Distanz gebend zum gegenwärtigen, so dass seine Bewältigung möglich, Widriges in Geduld ertragen, Unwichtiges aus den Händen gelassen wird.

– Heinrich Spaemann