Gedanken zu den Lesungen des Tages, 04.06.

Von | 4. Juni 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Gedanken zu den Lesungen des Tages“ jeden Tag einen neuen Impuls vor.

Donnerstag der 9. Woche im Jahreskreis

Lesung: 2. Timotheusbrief (2, 8-15)
Evangelium: Markus (12, 28b-34)

Alle guten Worte und Taten, welche Menschen füreinander vollbringen, münden in den einen Dienst ein: sie machen sich gegenseitig Hoffnung, indem sie sich lieben. „Der Ehe ist es dabei eigentümlich, dass jeder der beiden Partner nicht nur für den anderen da sein will, sondern auch für sich auf ihn hofft. Gerade dadurch, dass er ihn braucht, bestätigt er ihn aber auch in seinem Sein. Jeder Mensch will ja im Grunde nicht nur für sich, sondern auch für andere da sein. Dem anderen zu sagen, ‚ich bin zwar für dich da, brauche dich aber meinerseits nicht‘, wäre ja eine ei­gene Art von Hochmut.

Zur ehelichen Liebe gehört noch ein weiteres Mo­ment. Es ist der Wille, für immer miteinander vereint zu sein. Diese Einheit drückt sich in den vielen Gemeinsamkeiten des alltäglichen Lebens, dem Schicksal, das die Ehepartner miteinander erfahren, in der gemeinsamen Aufgabe der Kindererziehung, aber auch in der Gemeinsamkeit von Interessen und einem gemeinsamen geistigen Besitz aus. Die Liebe zwischen Mann und Frau sucht ihrem innersten Verlangen nach das, worin das Miteinander der beiden Menschen geborgen ist und sie doch zugleich ins Grenzenlose übersteigt. Man kann das an zwei Urworten der Liebe deutlich machen. Das eine lautet: ‚Ich möchte dir alles schenken, ich wünsche dir die ganze, umfassende, unüberbietbare Vollendung deiner selbst, für die ich selber den Namen nicht weiß, weil sie alles Denken übersteigt.‘

Das zweite lautet: ‚Ich mit dir im Unendlichen —für immer.‘

In beiden Worten spricht sich das innerste Geheimnis der menschlichen Person aus, ihre Verwiesenheit auf Gott.

– Georg Scherer