Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 30.05.

By | 30. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Ostermontag

Lesung: Apostelgeschichte 28, 16-20.30-31
Evangelium: Johannes 21, 20-25

Lukas schildert in der Apostelgeschichte einige Szenen, in denen sich das Pfingstwunder in der Gemeinde wie­derholt. Pfingsten ist nicht nur ein einmaliges Ereignis, sondern es kann immer wieder geschehen, wenn die Ge­meinde sich miteinander um Jesus Christus schart und gemeinsam mit ihrem auferstandenen Herrn zum Vater betet. Das zeigt die Szene in Apg 4,23-31. Petrus und Johannes gingen nach ihrer Freilassung durch die Hohen­priester zu den Ihren und berichteten ihnen alles. Die Reaktion der Gemeinde war, dass sie „einmütig“ ihre Stim­me zu Gott erhoben und beteten. Sie priesen Gottes gro­ße Taten, wie sie in Jesus Christus offenbar geworden sind, und schlossen mit der Bitte: „Doch jetzt, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten die Kraft, mit allem Freimut dein Wort zu verkünden. Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder ge­schehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Je­sus.“ (Apg 4,29f)

Inmitten der Bedrohung bat die Gemein­de vor allem um die parresia, die Freiheit, das zu reden, was der Geist eingibt. An den Heiligen Geist glauben heißt, ohne Menschenfurcht in Freiheit die Worte zu verkün­den, die von Gott kommen. Und ein Zeichen des Heili­gen Geistes ist es, dass Heilungen, Zeichen und Wunder geschehen.

Gott wirkt auf das Gebet der Gemeinde hin ein pfingstliches Wunder: „Als sie gebetet hatten, bebte der Ort, an dem sie versammelt waren, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie verkündeten freimütig das Wort Gottes.“ (Apg 4,31) Ähnlich wie an Pfingsten erbebt der Ort. Bei den Griechen galt das Beben als Zeichen der Gebetserhörung. Lukas übernimmt hier offensichtlich ein hellenistisches Motiv, um die christliche Botschaft auch für die Griechen zu übersetzen und für sie anziehend zu machen. Die Wirkung des Heiligen Geistes beschreibt Lu­kas mit dem griechischen Wort „saleuo“. Es bedeutet: „be­wegen, schwingen, schütteln, erschüttern, schwanken, wanken“. Der HL Geist erzeugt in der Gemeinde eine Schwingung. Die Herzen werden miteinander eins, sie schwingen zusammen. Sie werden geschüttelt und erschüt­tert. Der ganze Mensch gerät in innere Bewegung. Von dieser Bewegung geht eine Kraft aus. Und diese Kraft zeigt sich darin, dass nun alle mit Freimut das Wort Gottes ver­künden, dass sie ihre Menschenfurcht ablegen und ohne Bedenken das sagen, was ihnen Gott eingibt.

Sowohl nach dem Pfingstereignis im 2. Kapitel als auch nach der pfingstlichen Erfahrung im 4. Kapitel beschreibt Lukas jeweils das Leben der Gemeinde. Für ihn ist der Heilige Geist der, der die Kirche bildet, der es ermöglicht, dass Menschen auf neue Weise Zusammenleben. Es ist ein Wunder, dass Menschen mit verschiedenen Charakteren und aus vielfältiger Herkunft miteinander eins werden können: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigen­tum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.“ (Apg 4,32f)

Ein Zeichen der Gemeinschaft ist die Bereitschaft, auch die Güter miteinander zu teilen. Von der Gemein­schaft geht eine große Kraft aus. Es ist die Kraft des Gei­stes, aus der heraus Jesus seine großen Taten vollbracht hat. Lukas will mit der Beschreibung des Pfingstwunders in der Gemeinde und des neuen Miteinanders in ihr auch uns ermutigen und aufbauen. Auch heute ist solches Pfingstwunder möglich.

Wir müssen nur immer wieder einmütig beten und bereit sein, uns aufeinander einzulas­sen und unser Leben miteinander zu teilen. Dann könnte auch von der Kirche heute wieder eine große Kraft ausge­hen, eine Atmosphäre von Freiheit und Freimut. Und dann könnten auch heute immer wieder Zeichen und Wunder geschehen, dass Menschen, die entmutigt sind, sich auf­richten, dass Kranke geheilt werden und Hoffnungslose neue Hoffnung schöpfen.

Vielleicht vermisst Du heute in der Kirche solche Pfingst­wunder. In vielen Gottesdiensten entsteht keine gemein­same Schwingung. Die Kirche scheint nicht der Hort der Freiheit und der Ermutigung zu sein. Aber inmitten der oft müde gewordenen Kirche kannst Du auch immer wie­der Aufbrüche des Geistes entdecken. Da gibt es Orte, an denen die Erde bebt, an denen Zeichen und Wunder ge­schehen. Vertraue darauf, dass der Hl. Geist auch Deine Gemeinde in Schwingung versetzen kann, dass auch dort Menschen Heilung ihrer Wunden finden und innere Frei­heit erfahren! Vielleicht möchte der Hl. Geist heute gera­de durch Dich Menschen zusammenführen, befreien und heilen.