Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 28.05.

Von | 28. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Donnerstag der 7. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 22, 30; 23, 6-11
Evangelium: Johannes 17, 20-26

Im Johannesevangelium verheißt Jesus an fünf Stellen seinen Jüngern den Hl. Geist als Beistand. Das griechi­sche Wort „parakletos“ meint den Herbeigerufenen, den „Advokaten“, der bei Gericht einem beisteht und einen verteidigt. Aber der Beistand ist auch der, der tröstet und ermutigt. Jesus verheißt den Jüngern einen Beistand, der für immer bei ihnen bleiben soll. (Vgl. Joh 14,16f) Er nennt den Beistand den Geist der Wahrheit. Seine Aufgabe be­steht darin, dass er sie alles lehren und an alles erinnern soll, was Jesus ihnen gesagt hat. (Joh 14,26) Und der Bei­stand soll Zeugnis für Jesus ablegen. (Joh 15,26) Er soll den Jüngern beistehen, wenn sie vor Gericht gestellt wer­den. Und er wird ihnen die richtigen Worte eingeben. So hat es Jesus uns schon im Matthäusevangelium verhei­ßen: „Der Geist eures Vaters redet in euch.“ (Mt 10,20) Der Hl. Geist ist aber nicht nur Anwalt, sondern auch Ankläger. Er überführt die Welt und deckt auf, „was Sün­de, Gerechtigkeit und Gericht ist.“ (Joh 16,8)

Die wichtig­ste Aufgabe des Beistands aber besteht darin, dass er die Jünger in die ganze Wahrheit einführt. (Joh 16,13) Er wird den Jüngern nichts Neues sagen, sondern die Worte Jesu in ihrer wahren Bedeutung erschließen. „Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, neh­men und es euch verkünden.“ (Joh 16,14)

Den Gemeinden, denen Johannes sein Evangelium gewid­met hat, bedeutete das Bild des Beistandes sehr viel. Es half ihnen, in der feindlichen Atmosphäre der römischen Religionspolitik zu bestehen. Aber welche Bedeutung kann es für uns heute haben? Für mich ist es wichtig, zu wis­sen, dass ich nicht allein bin mit meinem Glauben.

Ich ste­he nicht allein gegen eine Welt, die sich dem Glauben ge­genüber verschließt. Auch wenn ich mir manchmal so vor­komme, dass ich als Mönch ein Relikt früherer Zeiten bin, so bin ich doch im Tiefsten überzeugt, dass der geistliche Weg der eigentliche Weg zum Leben ist. Auf meinem Weg steht mir der Hl. Geist bei.

Er schenkt mir die Gewissheit, dass mein Weg stimmt. Teilnehmer an meinen Kursen er­zählen mir manchmal, dass sie sich in der Welt oft verlo­ren Vorkommen mit ihrem Glauben. An ihrem Arbeitsplatz wird nur über die Kirche gespottet. Christliche Vorstel­lungen werden lächerlich gemacht. Da fühlen sie sich oft allein auf verlorenem Posten. Das Bild des Beistands hilft mir, bei aller Infragestellung dem zu trauen, was mir mein Herz sagt. In meinem Herzen spricht der Hl. Geist. Er steht mir bei. Er steht zu mir. Er stärkt mir den Rücken. Ich kann und darf anders denken als die Menschen um mich her­um. Ich darf anders sprechen und anders leben. Mit dem Hl. Geist im Rücken fühle ich mich authentisch und frei. Der Hl. Geist will uns in die ganze Wahrheit führen. Er hebt den Schleier hinweg, der über allem liegt. Oft genug tappen wir im Dunkeln. Wir sprechen über die Wirklich­keit, aber letztlich sprechen wir nur über unsere Vorstel­lungen, die wir uns über die Wirklichkeit gemacht haben.

Wenn der Hl. Geist den Schleier lüftet, können wir die gan­ze Wahrheit erkennen.

Wir blicken durch. Wir schauen auf den Grund. Alles wird auf einmal klar. Erst durch den Hl. Geist kann ich die Worte Jesu so verstehen, dass sie meine konkrete Situation betreffen, dass sie für mich Worte des Lebens werden, Worte, die mich zum Leben führen. Manch­mal stehe ich vor den Worten der Bibel, ohne sie zu ver­stehen.

Sie bleiben mir fremd, sperrig, oft genug ärger­lich. Da bete ich zum HI. Geist, dass er diese Worte für mich auslegt, so dass sie mir gelten und mich ansprechen. Dann darf ich manchmal erleben, dass mir nicht nur der Sinn der Worte aufgeht, sondern dass die Worte wirklich Träger des Lebens und der Liebe werden, dass die Worte mich hineinführen in das Geheimnis Gottes.

Gehe heute mit dem Bild des Beistandes durch den Tag! Stelle Dir vor, dass Du nicht allein auf Dich gestellt bist, wenn Du einen Konflikt durchstehen musst, wenn andere von Dir Rechenschaft fordern, wenn Du vor einer schwierigen Aufgabe stehst, wenn Du Dich mit Deiner religiö­sen Einstellung allein gelassen fühlst! Der Hl. Geist steht Dir bei. Er steht neben Dir, schaut Dir zu und gibt Dir die Gedanken und Worte ein, die Dir weiterhelfen.