Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 26.05.

Von | 26. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Dienstag der 7. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  20, 17-27
Evangelium: Johannes 17, 1-11a

Das zweite Bild, mit dem Lukas das Pfingstgeheimnis beschreibt, ist das des Feuers: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.“ (Apg 2,3) Während der Sturm hörbar ist, sind die Feuerzungen sichtbar. Der Hl. Geist kann also gesehen werden.

Das ist das Geheimnis von Pfingsten, dass das Unsichtbare sichtbar wird. Das Bild der Feuerzungen ist durchaus in der rabbinischen Lite­ratur bekannt. Das Wort Gottes kann sich in Feuerzungen auf die einzelnen niederlassen. In dem Bild der sich zer­teilenden Feuerflammen beschreibt Lukas, dass jeder ein­zelne mit Hl. Geist erfüllt wird, dass jeder persönlich vom Geist Gottes entflammt wird.

Feuer gilt in vielen Kulturen als etwas Heiliges. Während das Wasser aus der Erde entspringt, kommt das Feuer vom Himmel. Feuer ist etwas Göttliches. Nicht umsonst gibt es in vielen Kulturen Feuergötter. Feuer kann reini­gen und erneuern. Es brennt das Unvollkommene rein.

Gold wird im Feuer geläutert. Alle Schlacken werden aus­gebrannt, damit das reine Gold übrig bleibt. Der Hl. Geist möchte auch in uns alles verbrennen, was das Leben in uns behindert. In uns sind viele Trübungen, trübe Gei­ster wie Bitterkeit, Unzufriedenheit, Kränkungen, Belei­digungen. All diese trüben Geister hindern uns am Le­ben. Wir können keine klaren Entscheidungen treffen. Sie sind getrübt durch unseren Ärger, unsere Eifersucht, unsere Minderwertigkeitsgefühle. Da sehnen wir uns nach dem Feuer des Hl. Geistes, das all das Getrübte und Ver­färbte in uns ausbrennt, damit wir uns mit geläutertem und reinem Herzen entscheiden können. Feuer bereitet eine Neugeburt auf höherer Ebene vor. Wenn das Alte in uns ausbrennt, kann neues Leben in uns entstehen. Feuer ist auch ein Bild für die Lebendigkeit. Menschen können feurige Augen haben. Von ihnen geht etwas aus.

Da springt ein Funke über auf andere. Sie strahlen Le­ben, Freude, Wachheit aus. Man kann sich ihrer Ausstrah­lung nicht entziehen. Es gibt aber nicht nur das wärmen­de Feuer, das aus manchen Augen spricht, sondern auch das flackernde Feuer, vor dem man zusammenzuckt. Da ahnen wir, dass etwas Böses und Unberechenbares in die­sem Menschen ist. Wenn wir um das Feuer des Hl. Gei­stes bitten, dann bitten wir um das Feuer, das Leben weckt, das die verloschene Glut in uns wieder entflammt. Viele fühlen sich heute leer und ausgebrannt. Das Burn- out-Syndrom grassiert vor allem bei Menschen aus so­zialen Berufen, die sich für andere verausgaben. Nur wer brennt, kann ausbrennen. Aber diese Menschen haben vergessen, das innere Feuer zu hüten, wie Henry Nouwen das als Aufgabe des geistlichen Lebens versteht. Sie ha­ben ständig die Türe ihres Ofens offen. So ist in ihnen nur noch Asche. Es geht nichts mehr aus von ihnen. Sie sind resigniert und enttäuscht, ohne Kraft und ohne Glut. Pfingsten will uns sagen, dass in der Tiefe unseres Her­zens nicht verbrannte Asche ist, sondern eine Glut, die Leib und Seele von neuem zu entflammen vermag. Wir tragen nicht umsonst an Pfingsten rote liturgische Ge­wänder, um uns gegenseitig an die innere Glut zu erin­nern. Wir feiern Pfingsten, damit die Glut in uns wieder neu zu einem Feuer entbrennt, an dem sich andere wär­men und erfreuen, an dem sie ihre eigene Lebendigkeit entdecken.

In meiner Jugend haben wir uns gerne um ein Lagerfeuer gesetzt und Lieder gesungen. Gemeinsam in das Feuer zu schauen, hat etwas Faszinierendes. Feuer verbindet. Um das Feuer schart sich Gemeinschaft. So bitten wir in der Pfingstnovene, dass das Feuer nicht nur in den ein­zelnen komme, sondern dass das Feuer des Hl. Geistes die Mitte wird, um die sich die Menschen scharen, dass die Kirche zu einem Ort wird, an dem man sich gemein­sam um das Feuer setzt, um die Lieder unserer Sehnsucht zu singen, die unser Herz zu Gott erheben.

Was sind Deine Feuererfahrungen? Was verbindest Du mit dem Feuer? Was löst es in Dir aus? Vertraue darauf, dass in Dir das Feuer des HL Geistes brennt, das Feuer der Liebe, das Feuer der Lebendigkeit, der Phantasie und der Kraft! Hüte dieses Feuer in Dir, damit es nicht ausgeht! Schon die Germanen mussten das Herdfeuer hüten. Wer es ausgehen ließ, wurde hart bestraft. Lass das Feuer in Deinem Ofen brennen, damit es alles in Dir wärmt, rei­nigt und erneuert, damit alles in Dir von Gottes Liebe durchdrungen wird! Wenn Du das Feuer in Dir bewachst und bewahrst, können sich auch andere an Deinem Feu­er wärmen. Ihre Augen beginnen zu leuchten, und neue Lebendigkeit strahlt in ihnen auf.