Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 25.05.

Von | 25. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Montag der 7. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 19, 1-8
Evangelium: Johannes 16, 29-33

Lukas hat in seiner Schilderung des Pfingsterlebnisses den Hl. Geist in verschiedenen Bildern beschrieben. Das wohl eindrücklichste Bild ist das des heftigen Sturmes. Als die Jünger sich alle am gleichen Ort befanden, „da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.“ (Apg 2,2) Die Jünger hören ein Geräusch wie von einem daherfahrenden starken Wind. Der Hl. Geist zeigt sich also hörbar und spürbar.

Denn das Brausen des Windes nehmen die Ohren wahr. Aber den Sturm spüren wir auch mit unserer Haut. Er durch­weht uns, bringt uns in Bewegung, schüttelt uns durch. Seit jeher hat die Bibel den Geist Gottes als Hauch, Atem und Sturm beschrieben. Der Hauch Gottes schwebte bei der Schöpfung über den Wassern.

Für mich ist das Bild des Windes wichtig, um den Hl. Geist auch zu erfahren.

Viele meinen, der Hl. Geist sei etwas Ungreifbares, Ab­straktes. Daher tun sich so viele schwer mit ihm. Sie versuchen, an ihn zu glauben, aber sie können sich un­ter ihm nichts vorstellen. Wenn ich mich aber in den Wind stelle und mit allen meinen Sinnen wahrnehme, wie der Wind über meine Haut streicht, dann kann ich den Hl. Geist in verschiedener Qualität wahrnehmen. Der Hl. Geist kann mich im zarten Windhauch zärtlich strei­cheln. Im heftigen Sturm durchweht er mich, weht alles Verstaubte aus mir heraus.

Oder er kann mich in Bewe­gung bringen und nach vorne treiben, so dass ich mich gegen den Sturm nicht wehren kann. Der Hl. Geist ist in meinem Atem spürbar.

Ich atme nicht nur Luft ein, son­dern Gottes heiligen und heilenden Geist.

Und in diesem Geist Gottes atme ich Seine Liebe ein, die mich durchdringt.

Elija musste lernen, dass Gott nicht im Sturm war, sondern im sanften zarten Säuseln. Pfingsten aber kommt der Hl. Geist als starker Sturm. Wir dürfen den Geist Gottes nicht festlegen auf den Sturm. Er kann auch ganz leise zu uns kommen, so dass wir ihn nur in der Stille wahrnehmen. Aber er kann uns auch zu stürmischer Begeisterung mit­reißen, so dass wir alle Hemmungen ablegen und den Menschen einfach erzählen müssen, was wir erlebt ha­ben.

Am Pfingsttag waren die Jünger gemeinsam versam­melt und bildeten die Urzelle der Kirche. Es geht also nicht nur um unsere individuelle Gotteserfahrung, son­dern um die Bewegung, die der Hl. Geist in die Kirche bringt. 

Papst Johannes XXIII hat dieses pfingstliche Bild treffend beschrieben, wenn er vor dem Konzil die Chri­sten aufforderte, die Fenster weit zu öffnen, damit der Hl. Geist neues Leben in die Kirche bringe, damit der stickige Geruch aus den alten Gemäuern weiche und frischer Wind in den Gemeinden zu wehen beginnt.

An jedem Pfingstfest bitten wir Gott, dass Er Seinen Heiligen Geist senden möge, damit die Kirche nicht verzagt, nur um sich kreist und ihre eigenen Wunden leckt, sondern dass sie den Mut hat, aus sich herauszugehen und Stürme der Begeisterung auch in den Menschen zu wecken vermag. Nimm die verschiedene Qualität des Windes wahr, wie er Dich manchmal zärtlich streichelt, wie er die Gräser hin- und herwiegt, wie er aber auch Bäume umwerfen kann, wie er über die Erde peitscht, mit einer unwiderstehli­chen Kraft. Wenn Du im Wald dem Wind zuhörst, kannst Du manchmal eine geheimnisvolle Atmosphäre spüren und darin das Geheimnis des Hl. Geistes erahnen. Stelle Dir vor, dass im Wind der Hl. Geist selbst Dich umweht und in Dich eindringt. Sei ganz in Deinem Atem und spü­re Dich da hinein, wie im Atem Gottes heiliger und lie­bender Geist in Dich einströmt und alles in Dir durch­dringt und verwandelt.

Dann wird der Hl. Geist für Dich nicht mehr abstrakt und weltlos. Du wirst ihn genauso spüren wie den Wind, den Du auch nicht siehst, sondern nur an seinen Wirkungen erkennst, am Rauschen, am Wiegen der Gräser, am aufgewirbelten Staub. Vertraue darauf, dass der Hl. Geist auch in Dir die gleiche Kraft hat wie der Wind, dass er Dich zu neuem Leben bewegen kann.