Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 16.05.

Von | 16. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Samstag der 5. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  16, 1-10
Evangelium: Johannes 15, 18-21

Lukas erzählt in der Apostelgeschichte, wie Petrus die Liebe, die in Jesus Christus offenbar geworden ist, den Menschen gegenüber bezeugt. Es ist eine Auferstehungs­geschichte, wie Petrus auf einmal die Grundsätze seines jüdischen Gesetzesdenkens über Bord wirft, wie sein Herz sich weitet und er auch den Heiden die Frohe Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung verkündet. Bei Johannes führt Jesus selbst den Petrus ein in sein Leitungsamt. Petrus kann die Kirche nur dann leiten, wenn er Jesus liebt. Lukas berichtet uns, dass Gott seinen Engel zu Pe­trus sendet und ihm in einer Vision zeigt, wie er diese Liebe konkret leben soll. Er soll sie allen Menschen er­weisen. Er soll keinem die Botschaft von der Auferste­hung vorenthalten und keinem, der an Jesus glaubt, die Taufe verweigern. Aber der Engel fordert Petrus nicht nur zur Liebe auf, sondern er befähigt ihn auch zu dieser Liebe. Er weitet sein Herz durch einen Traum. Im Traum werden die engen Denkstrukturen des Petrus aufgebro­chen und neue Gedanken hervorgelockt.

Gott schickt dem frommen römischen Hauptmann Corne­lius einen Engel, der ihm den Auftrag gibt, er solle einige Männer nach Joppe zu einem gewissen Simon schicken. Am nächsten Tag hat Petrus um die Mittagszeit, als er ge­rade betet, eine Vision. Er sieht den Himmel offen. Und es kommt ein großes Leinentuch herab, in dem alle mögli­chen Vierfüßler, Kriechtiere und Vögel liegen. Den Juden ist es verboten, Fleisch von diesen Tieren zu essen. Doch eine Stimme ruft dem Petrus zu: „Steh auf, Petrus, schlachte und iss!“ (Apg 10,13) Petrus wehrt sich dagegen. Doch die Stimme spricht zu ihm: „Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!“ (Apg 10,15) Während Petrus noch über die Vision nachdenkt, kommen gerade die Männer aus Jop­pe und fragen nach ihm. Er geht mit ihnen zum Haupt­mann Cornelius und hält dort vor dessen Verwandten und Freunden eine Ansprache, in der er die Botschaft von Je­sus Christus so verkündet, dass auch die Römer und Grie­chen sie verstehen können. Er erzählt von Jesus in der typischen Sprache und Denkweise der Griechen, „wie die­ser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.“ (Apg 10,38) Obwohl Jesus Gutes tat, wurde er getötet. „Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen las­sen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen.“ (Apg 10,40f) Während Petrus noch predigt, kommt der Heilige Geist auf die Zuhörer herab. Das ist für die Juden ein unfassbares Wunder, dass der Heilige Geist auch auf die Heiden ausgegossen wird. Petrus gibt den Befehl, alle im Namen Jesu Christi zu tau­fen, mit der Begründung: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ (Apg 10,47)

Auferstehung geschieht für Lukas, wenn Menschen, die engem Gesetzesdenken verhaftet sind, auf einmal ein weites Herz bekommen und Gottes Gnade allen Menschen anbieten. Petrus hätte von sich aus wohl nie den engen Rahmen jüdischen Glaubens verlassen. Gott selbst hat ihn durch eine Vision, durch einen Engel, in diese Weite geführt. In solch inneren Bildern, in Träumen und Visio­nen und in der Begegnung mit dem Engel kann auch für uns Auferstehung geschehen, können in uns neue Mög­lichkeiten und Verhaltensweisen wachgerufen werden, kann auch unser Herz sich weiten.

Vielleicht kennst Du auch Träume, die Dich innerlich ge­weitet und zu einem neuen Verhalten befähigt haben. Auf einmal konntest Du auf einen Menschen zugehen, mit dem Du bisher nichts zu tun haben wolltest. Auf einmal konntest Du eine Aufgabe anpacken, der Du bisher im­mer ausgewichen bist. Überlege, wo in Deinem Leben schon Auferstehung geschehen ist, wo Du Dein enges Gesetzesdenken loslassen konntest, wo Deine Hemmun­gen von Dir abfielen, wo Du auf einmal angstfrei mit Dei­nen Leidenschaften umgegangen bist, wo Du Deine alten Muster und Denkstrukturen losgelassen hast!

Vertraue darauf, dass Gott Dir immer wieder seinen Engel senden wird, damit Dein Herz sich weitet und die Liebe aus dem offenen Herzen zu allem strömt, was Dir begegnet, zu den Menschen, aber auch zu den Dingen in Deinem Zim­mer und zu den Blumen in Deinem Garten! Du kannst im Einatmen die Liebe Gottes in Dein Herz strömen lassen und Dir vorstellen, wie es dabei weit wird, und wie alles um Dich herum von der göttlichen Liebe berührt wird.