Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 15.05.

Von | 15. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Freitag der 5. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  15, 22-31
Evangelium: Johannes 15, 12-17

Es ist ein seltsames Gespräch zwischen Petrus und Je­sus, das Johannes im Anschluss an die dreifache Frage nach der Liebe berichtet. Jesus belohnt den Petrus nicht dafür, dass er ihn liebt, sondern er traut ihm ein Schicksal zu, das dem seinen gleicht.

Er traut ihm zu, dass er aus Liebe zu ihm in den Tod gehen wird, dass er bereit ist, sich Gottes Händen zu überlassen, von denen er nicht weiß, wohin sie ihn führen. Petrus ist offensichtlich be­reit, für Jesus zu sterben, wie sein geliebter Meister ans Kreuz geschlagen zu werden. Der Ruf „Folge mir nach“ (Joh 21,19) fordert Petrus auf, ihm ins Martyrium zu fol­gen. Petrus sagt ja zu seinem gewaltsamen Tod. Doch als er den Lieblingsjünger Jesus folgen sieht, möchte er ger­ne wissen, was mit ihm geschehen werde. Diese Frage weist Jesus schroff zurück: „Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?“ (Joh 21,22) Der Weg jedes einzelnen ist ein Geheimnis. Petrus steht es nicht zu, das Schicksal der ändern zu kennen. Er soll Jesus nicht nachfolgen, weil alle es tun, sondern weil er Jesus liebt. Die Liebe vergleicht nicht. Sie rechnet nicht mit dem Verhalten der ändern. Sie liebt, weil sie liebt.

Auferstehung heißt nicht, dass wir nun aufrecht und frei hingehen können, wohin wir wollen. Auferstehung be­währt sich erst, wenn wir bereit sind, uns von Gott gür­ten und führen zu lassen, wohin wir nicht wollen. Der Glaube an die Auferstehung befreit uns vom krampfhaf­ten Festhalten an unserem Leben und von der Fixierung auf den Weg, den wir unbedingt gehen möchten. Die Lie­be, die Petrus dem Auferstandenen gegenüber bekannt hat, folgt dem Geliebten, wohin er auch gehen wird. Ent­scheidend ist, dass ich beim Geliebten bin, im Leben oder im Tod, in der Freude wie im Leid, in der Freiheit und in den Fesseln, die mich binden. Petrus muss diese Liebe erst noch lernen. Dass er sich mit Johannes, dem Lieblings­jünger, vergleicht, kann ich gut verstehen. Als zu Beginn der siebziger Jahre viele Mitbrüder austraten, habe ich mich auch gefragt, ob ich nur bleibe, weil der oder jener Mitbruder noch aushielt. Wir möchten Jesus gerne nach- folgen. Aber wir wollen unsere Nachfolge auch an Bedin­gungen knüpfen. Nur wenn die, die wir lieben, den glei­chen Weg gehen, sind wir bereit, Jesus überallhin zu fol­gen. Nur weil der Mitbruder täglich meditiert, bleibe ich auf dem inneren Weg. Nur weil mein Freund bei der Bür­gerinitiative ist, mache ich auch mit, obwohl mich vieles dabei ärgert. Allein wäre ich schon längst ausgestiegen. Jesus fordert nicht nur den Petrus, sondern jeden einzel­nen von uns heraus, unseren persönlichen Weg zu ge­hen, ohne nach rechts und links zu schielen, ob die än­dern es auch tun. Die Liebe sieht nur auf den Geliebten und nicht darauf, wie es mir im Vergleich mit ändern geht. Gehe heute mit dem Wort Jesu „Was geht das dich an?“ durch den Tag! Beobachte Dich genau, wo Du Dich mit ändern vergleichst, wo Du das Gefühl hast, zu kurz ge­kommen zu sein oder besser zu sein als die ändern! Wie oft denkst Du über andere nach, machst Dir Gedanken über ihr Schicksal? „Was geht das Dich an?“ Nimm Deine Gedanken immer wieder zurück zu Dir und gehe Deinen Weg. Der Satz Jesu wird zu einem „Koan“ werden, das Dir das Geheimnis Deines Lebens aufschließt. Wenn Du Dir verbietest, Dich mit ändern zu vergleichen, dann wirst Du eins werden mit Dir, einverstanden mit Deinem Weg. Dann erst wirst Du fähig, achtsam jeden Schritt zu ge­hen. Und jeder Schritt wird Dich zum Leben und zur Lie­be führen. Du gehst, weil Du gehst. Du gehst, weil Du liebst. Du gehst Deinen eigenen Weg, der Dich in die Ge­stalt hineinführt, mit der Du allein Gott auf dieser Erde zum Ausdruck bringen kannst.