Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 13.05.

Von | 13. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Mittwoch der 5. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  15, 1-6
Evangelium: Johannes 15, 1-8

Es ist eine eigenartige Atmosphäre, in der Jesus mit sei­nen Jüngern ein Frühmahl hält. „Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, daß es der Herr war.“ (Joh 21,12)

Jesus selbst lädt die Jünger zum Mahl ein. Er spricht zu ihnen. Aber es entsteht kein Zwiege­spräch. Man spürt der kurzen Beschreibung des Johan­nes an, das die Jünger eigentlich fragen möchten: Wer bist du? Aber keiner wagt es. Keiner traut sich, überhaupt Jesus anzusprechen und mit ihm zu reden. Es ist eine Haltung von Ehrfurcht und Betroffenheit, aber auch von stiller Freude. Sie spüren alle das Geheimnis, das man nicht erklären kann. Worte würden es nur plattreden. Die Jünger erleben, dass ihr grauer Morgen sich wandelt, dass da auf einmal eine Atmosphäre von Liebe und Intimität entstanden ist. Sie fühlen sich in ihrem Herzen angerührt, geheimnisvoll bewegt.

Mit knappen Worten beschreibt Johannes das Mahl: „Je­sus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.“ (Joh 21,13) Es ist eine eucharistische Szene, die hier beschrieben wird. Es sind die gleichen Worte, mit denen Johannes die Brotvermehrung beschrieben hat. (Vgl. Joh 6,11) Allerdings fehlt hier das Wort „euchari- stesas – er sagte Dank“. Manche Exegeten meinen, das sei der Beweis dafür, dass das Frühmahl am See von Tiberias nicht eucharistisch zu verstehen sei. Doch für mich be­deutet das Fehlen dieses Wortes etwas anderes. Die Brot­vermehrung war die Verheißung der Eucharistie. Nach ihr hielt Jesus die große Brotrede, in der er den Jüngern das Geheimnis der Eucharistie erklärte. Jetzt nach seiner Auferstehung hält er selbst Eucharistie mit den Jüngern. Statt des Wortes „sagte Dank“ steht hier „erchetai – er kommt, er tritt heran“. Eucharistie heißt, dass der Aufer­standene in unsere Mitte tritt, dass er vom ändern Ufer her zu uns kommt, um mit uns Mahl zu halten. Da ver­binden sich Himmel und Erde. Die Jünger, die aus dem Boot aussteigen, in dem sie die ganze Nacht vergeblich gearbeitet haben, sind ein Bild für uns, wie wir aus der Nacht unseres Lebens kommen, die auf dem Meer oft ziel­los dahintreiben, die von den Wellen und Wogen oft hin und her geschüttelt werden. Aber zu uns tritt Jesus und hält mit uns Mahl. Da verklärt sich unser Leben. Da ge­schieht an uns und in uns Auferstehung.

Jesus gibt den Jüngern Brot und Fisch. Es ist das Brot vom Himmel, von dem Jesus in der eucharistischen Rede gesprochen hat: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6,51) Fisch ist ein Bild für die Unsterblichkeit. Schon die frühe Kirche hat im Fisch ein Symbol für Christus gesehen, nicht nur weil die Buch­staben 1CHTYS eine Abkürzung für Jesus Christus, Sohn Gottes und Retter, sind, sondern weil Christus selbst im Bild des Fisches dargestellt wurde. Fisch war für die An­tike Totenspeise und Symbol für Leben und Glück. Augustinus sieht in dem gebratenen Fisch ein Bild für Christus, der für uns gelitten hat: „piscis assus Christus est passus“.

In der frühen Kirche war der Fisch ein weit verbreitetes eucharistisches Symbol. Eucharistie heißt dann, dass Christus, der für uns gestorben und auferstan­den ist, die Speise der Unsterblichkeit reicht. Er pflanzt in der Eucharistie den göttlichen Keim der Unsterblich­keit in unsere vergängliche Natur und schenkt uns so Anteil an seiner unsterblichen Göttlichkeit.

Wenn wir vom Frühmahl am See von Tiberias auf unsere Eucharistiefeiern schauen, dann heißt es: In jeder Eucha­ristie tritt Jesus vom ändern Ufer her in unsere Mitte. Er verwandelt die graue Vergeblichkeit unseres Lebens in eine Atmosphäre von Intimität und Liebe. Der Auferstan­dene selbst tritt in jeder Eucharistie auf uns zu. Er lädt uns ein: „Kommt her und esst!“ Wir essen das Brot, das vom Himmel kommt, um unseren tiefsten Hunger zu stil­len, das lebendige Brot, das uns mit der Lebendigkeit er­füllt, nach der wir uns alle sehnen. Und wir trinken in seinem Blut den Trank der Unsterblichkeit, wie er im Sym­bol des Fisches dargestellt ist, den Trank, der uns selbst unsterblich macht.

Wenn Du Eucharistie mitfeierst, dann stelle Dir die inti­me und liebevolle Atmosphäre vor, die das Frühmahl am See von Tiberias auszeichnet. Stelle Dir vor, dass der Auf­erstandene vom Ufer der Ewigkeit aus in diese bunt zu­sammengewürfelte Gemeinde tritt, dass Er die enttäuschten und traurigen Gesichter liebevoll anschaut und je­dem das Brot des Lebens und den Wein der Liebe reicht, damit auch in ihm Auferstehung geschieht, Aufhellung, Aufrichtung und Aufstehen hinein in das wahre Leben, in das göttliche Leben.