Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 11.05.

Von | 11. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Montag der 5. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  14, 5-18
Evangelium: Johannes 14, 21-26

Jesus gibt den frustrierten Jüngern den Befehl: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr wer­det etwas fangen.“ (Joh 21,6)

Die rechte Seite gilt in vie­len Religionen als die bessere und glückhafte Seite. Da man in der Antike mit dem rechten Arm die Waffe trägt, war die rechte Seite Bild von Kraft und Erfolg.

In der Psy­chologie gilt die rechte Seite als bewusster Bereich, wäh­rend die linke mit dem Unbewussten assoziiert wird.

Je­sus gibt den erfahrenen Fischern sicher keinen Rat, wie sie mit besserer Technik mehr fangen könnten. Jesus zeigt vielmehr, wie das Leben wirklich gelingen kann.

Die Jün­ger sollen nicht nur ihrer eigenen Erfahrung trauen. Sie sollen auf den hören, der ihnen vom Ufer aus entgegen­tritt, der aus einer anderen Welt zu ihnen spricht. Jesu Stimme erklingt in ihren Herzen in den leisen Impulsen, die ihnen aber sicherer den Weg weisen als die bekann­ten Methoden. Wer auf seine innere Stimme hört, der ver­nimmt die Stimme Jesu, die vom Ufer aus in die Nacht seines Unbewussten hineinreicht. Wir sind oft betriebs­blind und erkennen die Wege nicht, die zum wirklichen Leben führen.

Die Jünger sollen das, was sie tun, bewusst tun. Sie sollen sich bewusst werden, was sie tun. Bewusst handeln heißt auch, achtsam sein, ganz in dem sein, was sie gerade tun. Wenn sie keine Nebenabsichten haben, etwa: mög­lichst viel Geld zu verdienen oder möglichst schnell fer­tig zu sein oder die andern zu übertreffen, sondern ein­fach nur im Tun sind, dann wird es Frucht tragen.

Unbe­wusst handeln heißt, sich einfach treiben lassen, tun, was man immer getan hat. Bewusstes Tun verlangt eine Entscheidung. Ich entscheide mich für das, was ich tue. Und ich übernehme die Verantwortung dafür. Ich bin dann auch verantwortlich für die Stimmung, mit der ich an die Aufgabe herangehe. Ich kann nicht irgendwelche Men­schen oder Umstände für meine Resignation oder Fru­stration verantwortlich machen. Ich lasse mich bewusst auf das ein, was ich tue.

Obwohl die Jünger doch genügend Erfahrung beim Fisch­fang haben, werfen sie auf Jesu Wort hin das Netz noch­mals aus. Und tatsächlich, sie können es kaum wieder einholen, so voller Fische war es. „Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!“ (Joh 21,7) Da der Fang auf Jesu Wort hin glückt, erkennt der Lieblings­jünger, dass es der Herr selbst ist, der da am Ufer steht und zu ihnen gesprochen hat. Aber erfahren wir nur dort Auferstehung, wo uns das Leben glückt, wo wir Erfolg haben? Sind dann die Erfolglosen von Auferstehungs­erfahrungen ausgeschlossen? Johannes will mit seiner Auferstehungsgeschichte gerade denen Mut machen, die an der Vergeblichkeit leiden und in denen es Nacht ge­worden ist. Auch für sie ist Auferstehung möglich. Auch bei ihnen wird eines Tages das Netz voll werden. Dann werden sie mit dem Lieblingsjünger bekennen: „Es ist der Herr.“

Aber nicht erst dann, wenn mein Leben gelingt, kann ich dieses Bekenntnis des Lieblingsjüngers ablegen. Für mich heißt Ostern, gerade dann, wenn ich am Schreibtisch sit­ze und nicht weiß, wie ich die Probleme meiner Arbeits­welt lösen soll, wenn ich in Sitzungen bin, bei denen nichts herauskommt, mir vorzusagen: „Es ist der Herr.“

Wenn ich dieses Wort konkret in alle Situationen meines Lebens hineinhalte, dann verklärt sich für mich der graue Morgen. Dann wird der Schleier der Vergeblichkeit, der sich auf alles gelegt hat, weggezogen. Es geschieht für mich Auferstehung. Wenn ich glaube, dass der Auferstan­dene dort ist, wo ich bin, wo ich mich abmühe, oft genug erfolglos, wird mein Herz weit. Ich ahne, dass auch in meiner Erfolglosigkeit und Vergeblichkeit Auferstehung möglich wird.

Du kannst es heute einmal versuchen, bei allem, was Du tust und was Dir begegnet, innerlich zu sagen: „Es ist der Herr.“ Wenn Du spazieren gehst, sage Dir: „Es ist der Herr.“ Wenn Du in der Arbeit bist und mit Deinen Kollegen Pro­bleme hast, halte Dir dieses Wort vor Augen! Vielleicht verklärt sich dann auch für Dich das trostlose Grau Dei­nes Lebens. Und Du erkennst, dass am Ufer Deines Le­bens der Herr steht, der aus einer anderen Welt in Dein Leben tritt, um es zu verwandeln. Du wirst Dein Leben mit anderen Augen ansehen und in allem die Gegenwart des Auferstandenen erahnen. Das wird Deine Zerrissen­heit und Hoffnungslosigkeit, Deine Vergeblichkeit und Resignation heilen.