Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 10.05.

Von | 10. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

5. Sonntag der Osterzeit

1. Lesung: Apostelgeschichte 6, 1 – 7
2. Lesung: 1. Petrusbrief 2, 4 – 9
Evangelium: Johannes 14, 1 – 12

Die Erscheinung Jesu am See von Tiberias ist eine Auf­erstehungsgeschichte mitten in unserem Alltag. Die Jün­ger sind wieder bei ihrer alltäglichen Arbeit. Es sind sie­ben Jünger. Sieben ist die Zahl der Verwandlung. Sieben bedeutet immer, dass Irdisches sich mit Himmlischem verbindet, dass Himmel und Erde sich einander berüh­ren.

Die sieben Jünger scheinen mehr oder weniger zu­fällig zusammen gewesen zu sein. Aber durch die Begeg­nung mit dem Auferstandenen werden sie eine heilige Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, in der Jesus selbst die geheimnisvolle Mitte wird. Da entsteht auf einmal ein Mit­einander, eine Atmosphäre, in der der Himmel über ih­nen offen steht.

Doch anfangs ist das Miteinander eher umsonst. Sie lei­den an der Vergeblichkeit allen Tuns. Das ist eine Erfah­rung, die heute vielen weh tut. Sie haben das Gefühl, al­les sei vergeblich, umsonst. Sie sind frustriert, enttäuscht. Es hat doch alles keinen Zweck. Warum sich noch anstren­gen? Es kommt doch nichts dabei heraus. Warum noch an sich selbst arbeiten? Wir fallen doch immer wieder in die gleichen Fehler.

Das Gefühl von Vergeblichkeit raubt uns die Energie, die wir zum Leben brauchen, und macht uns krank. Vergeblichkeit ist eine Erfahrung, von der die Bibel an vielen Stellen spricht. Hiob hat die Erfahrung der Vergeblichkeit gemacht. Er klagt darüber, dass er sich umsonst müht. (Hiob 9,29) Und der Trost seiner Freunde geht ins Leere. Sie trösten ihn mit Nichtigem. (Hiob 21,34)

Der Beter von Psalm 73 macht die Erfahrung, dass er um­sonst sein Herz rein hielt. (Ps 73,13) Sein ganzes Ringen um Gottes Willen war vergebens. Den Frevlern geht es trotzdem besser. Warum also sollte sich der Psalmist noch alle Tage plagen? Alles ist umsonst. Alle großen Reden, alle ruhmvollen Taten versanden im Nichts: „Nur wie ein Schatten geht der Mensch einher, um ein Nichts macht er Lärm.“ (Ps 39,7)

Bei der Vergeblichkeit unseres Tuns hilft es uns auch nicht weiter, wenn wir wie die Jünger ihrem Anführer Petrus so bereitwillig folgen. Mit Euphorie allein lässt sich da nichts machen.

Als Petrus den Jüngern sagt, er gehe fi­schen, da antworten sie voller Begeisterung: „Wir kom­men auch mit.“ (Joh 21,3) Sie hoffen, dass dieser Petrus ihnen zeigen könnte, wie ihr Leben gelingt. Viele hören heute auf einen selbsternannten Guru, der genau weiß, wo es lang geht. Fasziniert von seiner Ausstrahlung stei­gen sie in sein Boot ein, in der Hoffnung, dass von nun an alles besser wird. Aber wie die Jünger müssen sie die Erfahrung machen, dass alles umsonst ist. „Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“ (Joh 21,3) Alles ist vergeblich. Und es ist Nacht. Sie blicken nicht durch. Es ist in ihnen dunkel, sinnlos. Das gemeinsame Boot führt sie nur noch tiefer in die Nacht hinaus.

In diesen grauen Morgen der Vergeblichkeit und Trostlo­sigkeit tritt Jesus. „Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.“ (Joh 21,4) Wer in der Nacht an der Ver­geblichkeit all seiner Bemühungen leidet, der sehnt den Morgen herbei. Aber nicht jeder Morgen bringt Trost. Es gibt auch den grauen Morgen, den trostlosen Morgen, an dem man gar nicht aufstehen möchte, weil man keinen Sinn darin sieht, diesen Tag zu erleben. Doch am Ufer steht Jesus. Die Jünger sind noch im Boot auf dem Meer. Sie sind noch in der Welt des Unbewussten, in der Welt ihrer Alpträume.

Jesus tritt aus einer anderen Welt in ihr Leben. Die Jünger erkennen ihn nicht. Doch Jesus nimmt Beziehung zu ihnen auf. Er fragt sie: „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Jesus nennt sie „Kinder“. Sie sind noch unwissend. Obwohl es doch erfahrene Fischer sind, verstehen sie nicht, worauf es eigentlich im Leben ankommt. Und so zeigt er ihnen einen Weg. Er nimmt sie in seine Schule. Ihre Anstrengung ist wirklich umsonst. Sie mühen sich um nichts. Damit ihr Leben wahrhaft ge­lingt, bedarf es anderer Wege. Doch sie werden diese neu­en Wege erst lernen können, wenn sie zugeben, dass sie Kinder sind, dass all ihre Fähigkeiten nichts nützen, wenn es um das Wesentliche geht.

Wo erfährst Du in Deinem Leben Vergeblichkeit? Wo hast Du das Gefühl, dass alles keinen Zweck hat, dass alles umsonst ist? Vielleicht hast Du Dir umsonst soviel Mühe um Deine Kinder gemacht. Sie gehen ganz andere Wege. Ihre Wege erscheinen Dir als Irrwege. Vielleicht ist Deine Arbeit umsonst. Du siehst keinen Erfolg. Du mühst Dich vergebens, ein anderer Mensch zu werden. Du fällst im­mer wieder zurück. Halte in Deine Vergeblichkeit das Wort Jesu: „Kind, hast Du nichts zu essen?“ Hast Du nichts, was Dich wirklich nährt? Jesus tritt an das Ufer Deines grauen Morgens. Er spricht Dich an, damit Dein Leben heute nicht vergebens ist, dass Dir heute Dein Leben ge­lingt, dass es nicht in die Leere geht, sondern heil wird und ganz.