Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 09.05.

Von | 9. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Samstag der 4. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  13, 44-52
Evangelium: Johannes 14, 7-14

In der Apostelgeschichte erzählt uns Lukas, wie der Glau­be, der nicht sieht und doch glaubt, aussehen kann und wie wir Auferstehung gerade dort erfahren können, wo nicht damit zu rechnen ist. Herodes hatte Jakobus hin­richten lassen. Als er merkte, dass die Juden damit ein­verstanden waren, ließ er auch Petrus gefangennehmen.

Es schien für ihn keine Chance zu geben. „Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott.“ (Apg 12,5) Sie glaub­te, obwohl sie nichts sah, was für die Rettung des Petrus sprach. Herodes war ein brutaler Herrscher. Mit der Er­mordung des Jakobus hatte er sich beim Volk beliebt ge­macht. Also wollte er diese Politik fortsetzen, indem er auch Petrus dem Tod auslieferte. Doch die Gemeinde, die glaubte, obwohl sie nicht sah, bekam Recht.

„In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten; vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker. Plötzlich trat ein Engel des Herrn ein, und ein helles Licht strahlte in den Raum. Er stieß Petrus in die Seite, weckte ihn und sagte: Schnell, steh auf! Da fielen die Ketten von seinen Händen.“ (Apg 12,6f) Der Engel führte den Petrus aus dem Gefängnis. „Petrus folgte ihm, ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; es kam ihm vor, als habe er eine Vision.“ (Apg 12,9) Erst als der Engel ihn in einer Gasse verließ, kam Petrus zu sich und sagte zu sich: „Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat und all dem, was das Volk der Juden er­hofft hat.“ (Apg 12,11)

Als er an die Türe des Hauses klopf­te, in dem er viele aus der Gemeinde versammelt wusste, erkannte die Magd seine Stimme. Aber die andern glaub­ten ihr nicht.

Sie sagten zu ihr: „Du bist nicht bei Sin­nen.“ (Apg 12,15) Obwohl sie um die Rettung des Petrus gebetet hatten, glaubten sie nicht, als sie geschehen war. Erst als Petrus ihnen erzählt, wie ein Engel des Herrn ihn aus dem Gefängnis herausgeführt hat, glauben sie.

Die Situation des Petrus ist aussichtslos. Mit zwei Ketten gefesselt zwischen zwei Soldaten hat er keine Chance. Aber Gott kann das Unmögliche möglich machen. Lukas will mit dieser Erzählung den Christen Mut machen, dass Auferstehung auch für sie möglich ist, mitten in der Ver­folgung, auch in hoffnungsloser Gefangenschaft. Der Evangelist will auch uns heute ermutigen, zu glauben, wenn alles ausweglos erscheint. Auch wenn wir kein Licht in unserem Gefängnis sehen, auch wenn die Fesseln un­serer Angst zu stark sind, auch wenn wir keine Chance zu haben scheinen, aus unseren Bindungen und Abhän­gigkeiten auszubrechen, kann Gott doch in jede Situati­on seinen Engel schicken, um uns zu befreien. Wir soll­ten die Hoffnung nie aufgeben. Wir sollten an die Aufer­stehung glauben, auch wenn wir sie an uns noch nie erlebt und auch nicht an unseren Brüdern und Schwestern erfahren haben. Sie ist trotzdem möglich. Gott kann sei­nen Engel senden. Und dann lösen sich die Fesseln von selbst. Und die Soldaten verlieren ihre Macht. Sie machen uns keine Angst mehr. Wir können frei zwischen ihnen hindurchgehen.

Der Engel des Herrn tritt heute auch in Dein Gefängnis. Er stößt Dich an, wenn Du Dich gefangen fühlst, gefes­selt, gehemmt, blockiert, wenn Du zwischen den Solda­ten bist, wenn Du von den Stimmen Deines Über-Ichs in die Mangel genommen wirst. Sage Dir die Worte vor, die der Engel dem Petrus zusprach: „Schnell, steh auf! Gürte dich! Folge mir!“

Trau dem Engel, der Dich in die Freiheit führen möchte! Und sei offen dafür, dass Gott Dich als Engel ins Gefängnis anderer schicken möchte! Stoße den Bruder oder die Schwester an und mache ihnen Mut, auf­zustehen und den Weg der Freiheit zu gehen! Die Türen werden sich öffnen und die Macht des Herodes fällt in sich zusammen. Lukas erzählt, wie der mächtige Hero­des von Würmern befallen wird und stirbt. Wenn wir dem Engel folgen, der uns anstößt und in die Freiheit führt, dann werden die mächtigen Stimmen des Über-Ichs zu­nichte. Sie lösen sich auf. Wir sind frei, den eigenen Weg zu gehen, den Weg der Auferstehung.