Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 07.05.

Von | 7. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Donnerstag der 4. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  13, 13-25
Evangelium: Johannes 13, 16-20

Thomas antwortet auf das Angebot Jesu, seine Wunden zu berühren, mit dem Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28) Es ist das klarste Bekenntnis zur Gott­heit Jesu im Johannesevangelium. Johannes hat im er­sten Kapitel bei der Berufung der Jünger kunstvoll dar­gestellt, wie die Jünger eine immer klarere Einsicht in das Geheimnis Jesu bekommen. Die ersten beiden Jün­ger sprechen ihn an mit: „Rabbi – wo wohnst du?“ (Joh 1,38) Andreas sagt zu Simon: „Wir haben den Messias gefunden.“ (Joh 1,41) Natanael, der zuerst – ähnlich wie Thomas – zweifelt, ob denn aus Nazaret etwas Gutes kom­men kann, bekennt schließlich, nachdem Jesus offenbar seine Gedanken gelesen hatte: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!“ (Joh 1,49)

Im Auf­erstehungskapitel greift Johannes die Bekenntnisse der Berufungsgeschichte wieder auf. Auch hier nimmt er ein­zelne heraus, zuerst Maria Magdalena aus dem Kreis der Frauen und dann Thomas aus dem Kreis der Jünger. Nicht die Gemeinschaft als solches kann glauben. Glaube ist immer Sache des einzelnen, der einsehen muss, wer Gott ist und wer dieser Jesus von Nazaret ist.

Die Steigerung im Bekenntnis zu Jesus am Ende des Jo­hannesevangeliums kommt in dem „mein“ zum Ausdruck. Während die ersten Jünger Jesus mit Rabbi ansprechen, sagt Maria aus Magdala: „Rabbuni – mein Meister“. Jesus ist nicht nur irgendein Rabbi, einer, der die anderen über­ragt, sondern es ist ihr Rabbi. Er hat sich in seinen Wor­ten, Wundern und in seinem Sterben als der Rabbi erwie­sen, zu dem sie „mein Meister“ sagen kann. In diesem „mein“ ist eine tiefe Beziehung ausgedrückt, eine Bezie­hung zärtlicher Liebe, eine Beziehung, die gewachsen ist durch Erfahrungen, durch Begegnungen, durch Worte und Taten der Liebe. Ähnlich greift Thomas das Bekenntnis des Natanael auf: „Du bist der Sohn Gottes.“ Aber auch er fügt das „mein“ hinzu: „Mein Herr und mein Gott!“ Es ist keine theologische Aussage, die nur die Glaubenswahrheit der Kirche richtig wiedergibt. Es ist ein persönliches Be­kenntnis, das aus der Erfahrung heraus kommt. Und auch hier ist es die Erfahrung der Liebe, die Thomas zu dieser Aussage drängt. Dass Jesus auf die allzu forsche Forde­rung des Thomas nach Berührung seiner Hände und sei­ner Seite liebevoll eingegangen ist, das ist für ihn Zei­chen einer Liebe, die selbst den zweifelnden und ungläu­bigen Menschen noch zu verwandeln vermag.

Schreibe heute einmal Dein persönliches Glaubensbe­kenntnis auf! Begnüge Dich nicht damit, das zu schrei­ben, was im Katechismus steht oder was Du von ändern gelernt hast! Versuche auszudrücken, was Dir persönlich Gott bedeutet, was Dir Jesus Christus sagt, wie Du die Auferstehung verstehst! Welche Bilder und Namen fallen Dir ein, wenn Du an Jesus denkst? Spreche diese Namen laut aus und setze immer das „mein“ dazu! Höre mit dem Herzen, was Du sagst und was diese Worte in Dir hervor­rufen: „Mein Hirte, mein Herr, mein Bruder, mein Freund, mein Arzt, mein Fels, meine Zuflucht, mein Gott.“ Wenn Du mit Thomas langsam aussprichst: „Mein Herr und mein Gott“, erahnst Du vielleicht, wie in diesen Worten alle Gegensätze dieser Welt zusammenfallen. Dann fallen Nähe und Distanz zusammen, Liebe und Ehrfurcht, Glau­be und Unglaube, Zweifel und Gewissheit, Gott und Mensch, Erfahrung und Nicht-Erfahrung, Berührung und Nicht-Berührung. Der ferne Gott wird Dein Gott, der unbegreifbare Gott wird für Dich greifbar, der unfassbare Gott lässt sich von Dir anfassen. Da fällt in der Liebe die Distanz zwischen Gott und Dir zusammen und Du wirst in Christus eins mit Gott.