Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 03.05.

Von | 3. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

4. Sonntag der Osterzeit

1. Lesung: Apostelgeschichte 2, 14a.36-41
2. Lesung: 1. Petrusbrief 2, 20b-25
Evangelium: Johannes 10, 1-10

„Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19) Der Auferstandene geht durch die verschlossenen Türen.

Ihn kann die Angst der Jünger nicht abhalten, durch die verriegelten Türen zu ihnen zu kommen und ihnen den Frieden zu wünschen.

Das ist ein wunderschönes Bild für die Auferstehung. Wir haben oft genug unsere Türen ändern gegenüber verschlossen. Wir lassen keinen bei uns eintreten.

Wir verstecken uns hinter einem Panzer aus Angst. Auferstehung heißt, dass kein Schloss und kein Riegel den Auferstandenen davon abhalten kann, unser Herz zu erreichen und bei uns ein­zutreten. Und keine christliche Gemeinschaft, die sich ändern gegenüber abschottet, kann es verhindern, dass der Auferstandene selbst in ihre Mitte tritt und ihr Mit­einander verwandelt.

Die Tür ist in vielen Märchen und Legenden ein wichti­ges Symbol menschlicher Selbstwerdung. Jesus selbst sagt von sich im Evangelium, das am Guten-Hirten-Sonntag gelesen wird: „Ich bin die Tür; wer durch mich hinein­geht, wird gerettet werden. Er wird ein und aus gehen und Weide finden.“ (Joh 10,9)

Jesus tritt nicht nur durch unsere verschlossenen Türen, sondern er ist selbst die Tür, durch die wir zum Leben kommen können. Die Tür ist Sinnbild für den Übergang von einem Bereich in den ändern, z. B. vom Diesseits ins Jenseits, vom profanen in den sakralen Bereich.

Im Mittelalter hat man die Tore zu den Kathedralen immer mit dem thronenden Christus geschmückt. Da wusste man noch, dass man nur durch Christus eintreten kann in den Bereich des wahren Le­bens. Wenn wir die Worte Jesu ernst nehmen, dann wird unser Leben erst ganz und heil, dann kommen wir erst zu unserem wahren Selbst, wenn wir durch die Tür tre­ten, die er selbst ist.

In zwei Bildern hat er ausgeschmückt, was dieses Leben bedeutet: Wir werden ein und aus ge­hen und Weide finden. Das Leben wird in uns hin- und herströmen.

Wir werden nicht mehr introvertiert nur um uns kreisen. Wir werden aber auch nicht nur an der Ober­fläche leben.

Im Traum finden wir manchmal die Tür nicht mehr, die in unser Haus führt. Das ist immer ein Bild dafür, dass wir keinen Zugang zu unserem Herzen, zu unserem Selbst haben, dass wir nur außen herumlaufen, ohne Verbindung mit unserer Seele.

Wenn wir durch die Tür eintreten, die Christus ist, dann werden wir ein und aus gehen, dann werden wir in Beziehung zu unserem Herzen sein und zugleich diese Welt gestalten. Und wir werden Weide finden. Wir werden die Speise finden, die uns wahrhaft nährt.

Christus als die wahre Tür, das ist ein schönes Bild für die Auferstehung. Wir können unsere Türen noch so ver­riegeln, Christus als die Tür zum Leben wird unsere ver­schlossenen Türen aufbrechen und durchschreiten. Wenn er zu uns durch unsere verschlossene Tür kommt, dann bekommen auch wir wieder Zugang zu uns selbst.

Nimm heute bewusst die Türen wahr, durch die Du schrei­test! Da gibt es Türen, die kunstvoll gestaltet sind. Türen führen ins Freie. Du kannst die stickige Luft Deines Bü­ros hinter Dir lassen. Andere Türen eröffnen Räume, in denen Du Dich wohl fühlst, große und schöne Räume, hell, vom Licht durchflutet, geschmackvoll gestaltet.  Nimm diese Räume als Bild für die Zimmer Deines eige­nen Lebenshauses! Und stell Dir vor, dass Du den Aufer­standenen durch alle Räume Deines Hauses führst, da­mit alles Verschlossene aufgeschlossen und alles Abge­stellte und Verdrängte wieder zum Leben kommen kann! Erinnerst Du Dich an Träume, in denen Türen eine wich­tige Rollen spielen? Welche Tür solltest Du durchschrei­ten, damit sich Dein Leben weitet, damit Du in den Raum gelangst, der jetzt für Dich angemessen ist?                             Wo ist die Tür, die darauf wartet, dass Du sie öffnest?