Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 02.05.

Von | 2. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Samstag der 3. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  9, 31-42
Evangelium: Johannes 6, 60-69

In der dritten Osterwoche wird uns am Donnerstag die Geschichte von der Taufe des Äthiopiers vorgelesen. Das ist wieder eine typisch lukanische Auferstehungs­geschichte. Darin will uns Lukas zeigen, wie sich das Geschehen der Auferstehung in konkreten Begegnungen zwischen Menschen verschiedenster Herkunft ereignen kann. Ein Engel des Herrn tritt auf. Es gibt in der Apostel­geschichte viele Auferstehungsengel, die den Menschen bezeugen, dass Christus lebt und der eigentliche Messias ist. „Ein Engel sagte zu Philippus: Steh auf und zieh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hin­abführt.“ (Apg 8,26)

Philippus bricht auf und wandert auf dieser einsamen Straße. Er weiß nicht, was ihn erwartet. Da befiehlt ihm der Engel des Herrn, er solle dem Wagen folgen, auf dem ein äthiopischer Hofbeamter nach Hau­se fährt. „Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“ (Apg 8,30f) Philippus steigt auf den Wagen und legt ihm die Stelle aus, in der der Prophet Jesaja vom Gottesknecht spricht, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird.

Ausgehend von dieser Stelle verkündet Philippus das Evangelium von Jesus.

Das fasziniert den Kämmerer so, dass er den Wagen an der nächsten Wasserstelle anhalten lässt und um die Taufe bittet. Kaum ist der Kämmerer getauft, wird Philippus vom Geist des Herrn entrückt, so dass ihn der Hofbeamte nicht mehr sehen kann.

Lukas beschreibt dieses Geschehen ähnlich wie die Sze­ne mit den Emmausjüngern. Aber jetzt erscheint nicht der Auferstandene selbst den enttäuschten Jüngern, son­dern Philippus begegnet als Auferstehungsbote dem Aus­länder, der eine Wallfahrt nach Jerusalem gemacht hatte. Offensichtlich war der Kämmerer ein Gottsucher. Aber er hatte den wahren Gott noch nicht gefunden. Er war noch hin- und hergerissen, ähnlich wie die Emmausjünger. Er hatte niemanden, mit dem er reden konnte. Er liest laut die Schriftrolle aus dem Propheten Jesaja. Aber weil ein Engel des Herrn ihm Philippus zur Seite stellt, werden ihm die Augen geöffnet, und er empfängt in der Taufe das neue Leben. Auferstehung geschieht also immer dann, wenn uns ein Engel des Herrn zu einem Menschen schickt, damit wir ihm die Augen öffnen. Der Weg der Verwand­lung braucht zunächst unser Mitgehen. Philippus muss dem Kämmerer folgen, und er muss genau hinhören, was ihn bewegt und was er liest. Dann kann er nachfragen, ob er das, was er liest, auch versteht. Bei uns kann diese Frage vielleicht so lauten: „Verstehst Du, was Dir wider­fahren ist? Kannst Du Dir erklären, warum Du gerade die­sen Weg gewählt hast, warum wir uns gerade jetzt tref­fen? Verstehst Du, was Dich in diesem Buch berührt und was Dich an dieser Musik fasziniert?“ Wenn wir mit unse­rer Frage den ändern treffen, dann kann ein Prozess in Gang kommen, an dessen Ende Auferstehung geschieht und gefeiert werden kann.            Zu wem will Dich heute der Auferstehungsengel senden? Wen sollst Du begleiten auf seinem Weg? Wo solltest Du genau hinhören, was Dir ein Mensch in Deiner Nähe sa­gen möchte? Wo solltest Du nachfragen, wenn Dir jemand von seinen Erlebnissen erzählt, oder von seinen Träu­men oder von dem Buch, das er gerade liest? In den Mär­chen ist es immer wichtig, die richtige Frage zu stellen. Welche Frage möchtest Du dem Menschen stellen, neben dem Du lebst und gehst? Welche Frage könnte für ihn zum Schlüssel werden, der ihm das Geheimnis seines Lebens aufschließt und ihn zur Erfahrung der Auferste­hung führt?