Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 01.05.

Von | 1. Mai 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Freitag der 3. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  9, 1-20
Evangelium: Johannes 6, 52-59

Jesus gibt Maria von Magdala einen Auftrag an die Jün­ger: „Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17) Sie soll das Geheimnis der Auferstehung, so wie Johannes es versteht, den Jüngern verkünden.

Eine Frau wird zur eigentlichen Verkünderin der Auferstehungsbotschaft. Das ist eine mutige Aussage des Johannesevangeliums.

Und das hat der frühen Kirche Eindruck gemacht. Augustinus nennt von daher Maria von Magdala „apostola apostolorum – die Apostolin der Apostel“. Dass eine Frau zur Verkünderin der Auferstehung wird, ist schon eine Zumutung für den Männerkreis der Apostel. Aber dass es ausgerechnet die Sünderin war und die Frau, aus der Jesus sieben Dämo­nen ausgetrieben hat, das ist wohl eine noch größere Herausforderung an die Männerkirche.

Die frühe Kirche hat in Maria von Magdala ein Bild für die vielen Frauen gesehen, die bei der Ausbreitung des Glaubens eine be­deutende Rolle spielten. Und sie hat in ihr das Geheim­nis der Botschaft Jesu erkannt, dass Jesus gerade die Sünder berufen hat, ihm nachzufolgen und ihn vor aller Welt zu bezeugen.

Maria von Magdala verkündet den Aposteln nicht nur, was Jesus ihr aufgetragen hat. Sie fügt ihr eigenes Zeugnis hinzu: „Ich habe den Herrn gesehen.“ (Joh 20,18) Sie hat nicht nur die Worte des Auferstandenen gehört. Sie hat ihn gesehen und erfahren.

Sie ist ihm begegnet. Ihr ist in der Begegnung mit Jesus das Geheimnis ihres Lebens aufgegangen. Sie sagt weiter, was sie selbst erlebt hat. Sie geht von ihrer subjektiven Erfahrung aus und nicht von objektiven Sätzen. Damit gibt sie uns eine klare Rich­tung an, wie auch wir über die Auferstehung sprechen sollen. Es genügt nicht, nachzusprechen, was andere über die Auferstehung sagen. Wir sollen von uns und unseren Erfahrungen ausgehen. Theologie ist kein abstraktes Ge­dankengebäude, sondern Auslegung der subjektiven Er­fahrung, die jeder von uns mit sich und mit Gott macht. Wenn wir unser Leben betrachten, können wir auch be­zeugen, dass wir den Herrn gesehen haben. Wir sehen den Herrn in den Armen und Kranken, in den Notleidenden und Fremden. Wir sehen den Auferstandenen in dem Menschen, der uns in der Tiefe unseres Herzens anspricht und berührt. Wir sehen den Auferstandenen in den Er­lebnissen unseres Lebens, in scheinbaren Zufällen, in denen sich das Zerbrochene wieder zusammenfügt, in denen das Unwahrscheinliche Wirklichkeit wird. Wir se­hen den Auferstandenen überall dort, wo Gottes Herr­lichkeit aufleuchtet, in der Liturgie, in der Schönheit der Natur, in der Musik, die das Unerhörte zum Klingen bringt, und in der Malerei, die das Unsichtbare sichtbar macht. Wir begegnen dem Auferstandenen dort, wo in einem Menschen Gottes Licht aufleuchtet, wo in einer Blume das Geheimnis Gottes erstrahlt.

Wir können nicht anders zu Zeugen der Auferstehung werden als Maria Magdalena. Wir müssen von uns selbst berichten, von unseren Auferstehungserfahrungen. Wenn wir die Geschichte der Maria aus Magdala meditieren, werden wir auch in unserem Leben genügend Erfahrun­gen ausfindig machen, bei denen wir sagen können: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Gehe heute einmal mit diesem Wort durch den Tag: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Du wirst die Menschen mit neuen Augen anschauen. Du wirst einen ändern Blick für die Ereignisse dieses Tages bekommen. Und vielleicht wirst Du erkennen, dass Dein Alltag nicht nur geprägt ist durch Pflicht und Leistung, durch Mühe und Überforde­rung. Mitten im Alltag ist immer auch Auferstehung er­fahrbar, Aufbruch von etwas Neuem, Einbruch Gottes in Deine Welt. Wenn Gott einbricht in Dein Leben, dann wird es mitten in den Turbulenzen Deines Alltags heil und ganz, dann ist mitten im Tod Auferstehung da.