Impuls zum Hochfest Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Von | 21. Mai 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lesung aus der Apostelgeschichte (1,1-11)

Im ersten Buch, lieber Theóphilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Lied: Taizé – Singt dem Herrn ein neues Lied

Text & Noten: https://www.taize.fr/spip.php?page=chant&song=495&lang=de

Impuls

Als Kind hab ich mich für die unterschiedlichsten Dinge in Natur & Technik interessiert. So weiß ich zum Beispiel bis heute zwei Zahlen: 11.034 und 384.400. Was es mit diesen Zahlen auf sich hat? 11.034 Meter unter Normal null liegt der tiefste Punkt der Erde im sogenannten Mariannengraben. 384.400 Kilometer ist die mittlere Distanz von der Erde zum Mond. Beide Distanzen wurden von uns Menschen schon überwunden. Wir waren auf dem Mond und sind auch an den tiefsten Punkt der Erde getaucht. So beindruckend diese Leistungen für die Menschheitsgeschichte auch waren, ganz nüchtern betrachtet gab es auf dem Mond nicht mehr zu sehen als eine gigantische Wüste aus Mondsand und im Mariannengraben nicht viel mehr zu bestaunen als Dunkelheit und Wasserdruck.

Was aber beide Orte vereint: Man findet eine physikalisch erklärbare Wirklichkeit vor. Da steht doch die Frage im Raum: Passt das eigentlich, was wir da jeden Sonntag im Glaubensbekenntnis beten (hinabgestiegen in das Reich des Todes und aufgefahren in den Himmel) und was wir heute an Christi Himmelfahrt besonders feiern? Denn auf dem Weg zum Mariannengraben hat man weder das Totenreich, noch auf dem Weg zum Mond das Himmelreich entdeckt.

Wie ist dieses Fest also zu verstehen? Klar ist: Ein dreistöckiges Weltbild mit Totenreich, Erdenreich und Himmelreich ist für uns längst überwunden, es ist mythisch. Unsere Welt besitzt keine Stockwerke. Vielleicht geht es aber auch um etwas ganz anderes als ein Weltbild. Vielleicht ist das entscheidende, Christi Himmelfahrt nicht irgendwie lokal und physikalisch zu denken, sondern ganz und gar menschlich: Dort, wo der Mensch isoliert und für sich lebt, nur an sich denkt, sich der Welt nur noch verweigert und unbarmherzig ist, dort ist er unerreichbar für die Liebe Gottes in der Welt. Aus dem Glauben heraus gesprochen können wir eindeutig sagen: Dort fehlt es an Leben, an Leben mit Gott, an gutem Leben in dieser Welt. Dort ist der Mensch wohl im Reich des Todes. Die Höllenfahrt ist keine Fahrt in die letzte Tiefe und das Dunkel der Erde. Sie ist eine Fahrt in die letzte Tiefe und das Dunkel der menschlichen Existenz.

Die Himmelfahrt Christi wiederum verweist auf das andere, nach oben ausgerichtete Ende unserer menschlichen Existenz. Als Gegenpol zur radikalen Vereinsamung, zum Lossagen von Gott und seiner Liebe steht der Himmel als der Ort da, wo Mensch und Gott zueinander finden. Dort wo der Mensch Gemeinschaft lebt, mitfühlt, sich anrühren lässt und mit barmherzigen Augen durch die Welt geht, da treten Gott und Mensch ineinander. Dieser Gedanke wird auch im biblischen Text deutlich. Die Himmelfahrt Jesu, der Abschied des Herrn von seinen Jüngern bedeutet keineswegs, dass die Jünger die Füße hochlegen können. Zwei Gesandte Gottes fragen die Jünger: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Vielleicht steht diese Szene mit den Jüngern am Ende exemplarisch für ein Verständnisproblem mit Christi Himmelfahrt: Wir stehen so oft – wie die Jünger- auf der Erde und schauen in den Himmel. Was wir aber brauchen, das ist etwas mehr Himmel auf der Erde. Was ist brauchen ist Himmelfahrt, das ineinander tauchen von Himmel und Erde, von Gott und Mensch. Wie genau das aussehen kann, das ist sicher bei jedem Menschen anders. Und doch: Einen guten Tipp gibt ein bekanntes moderneres Kirchenlied.

Lied zum Impuls: GL 852 – Wo Menschen sich vergessen

1) Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu…
Kv) …da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns (2x)
2) Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu…
Kv) …da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns (2x)
3) Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu…
Kv) …da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns (2x)

Fürbitten

Wir Christen stehen zwischen Himmel und Erde. Wir wollen dich, Vater im Himmel bitten, für alles, was uns auf der Erde in diesen Tagen beschäftigt

  • A: Herr, sende uns deinen Geist
  • Für uns Christinnen und Christen im Gebiet der Pfarrei der Zukunft Idar-Oberstein, denen – wie allen Menschen – schwere Prüfungen abverlangt werden
  • Für unserer Geschwister und Partner in Kenia und Bolivien, die die Corona-Pandemie in ihren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen noch viel härter trifft als uns
  • Für alle, die sich für Arme, Ausgegrenzte und Isolierte Menschen einsetzen
  • Für die Politiker/innen, die zur Zeit schwere Entscheidungen treffen müssen
  • Für die Menschen, die diese Erde verlassen haben, um Aufnahme in dein himmlisches Reich

Vater Unser

All unsere Bitten, die ausgesprochenen und unausgesprochenen, wollen wir zusammentragen im Gebet des Herrn.

Vater unser im Himmel….

Segen

So segne uns an diesem Tag der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen.