Impuls zum heiligen Pfingstfest

By | 31. Mai 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Halleluja.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lesung aus der Apostelgeschichte (2,1-11)

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamíter, Bewohner von Mesopotámien, Judäa und Kappadókien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrýgien und Pamphýlien, von Ägypten und dem Gebiet Líbyens nach Kyréne hin auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselýten, Kreter und Áraber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden

Gloria – GL 170 – Allein Gott in der Höh sei Ehr

1) Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum, dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefallen Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

2) Wir loben, preisen, anbeten dich; für deine Ehr wir danken, dass du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessen ist deine Macht, allzeit geschieht, was du bedacht. Wohl uns solch eines Herren!

3) Oh Jesu Christ, Sohn eingeboren des allerhöchsten Vaters, Versöhner derer die verlorn, du Stiller unsers Haders. Lamm Gottes, heiliger Herr und Gott, nimm an die Bitt aus unserer Not. Erbarm dich unser. Amen.

Impuls

Wissen Sie, was ich überhaupt nicht kann? Tanzen! Sehr zum Leidwesen meiner Frau. Sie tanzt gut und gerne, mein Rhytmusgefühl liegt auf einer Skala von 0 bis 10 bei etwa -4. Noch schlimmer als im Umgang mit meiner Frau entpuppt sich dieses Defizit in Kenia. Es ist völlig faszinierend und unerklärlich, aber in Kenia denke ich mir oft: Die Menschen dort haben das Tanzen wirklich im Blut! In einem Waisenhaus, in dem ich mich öfter aufgehalten habe, haben wir samstags oft Musik angemacht. Meistens war es Musik von meinem Handy – Lieder, die die kenianischen Kinder im Leben noch nicht gehört haben. Und trotzdem konnten die meisten von ihnen sofort und ohne zu zögern perfekt dazu tanzen. Mehr noch. Es war nicht nur tanzen. Es war, als ob die Musik und

die Kinder in eins fallen wären, als ob die Kinder die Musik spüren würden und als ob die Musik die Kinder ganz und gar ergriffen hätte. Da stand ich dann daneben und überlegte zögerlich, was ich jetzt mit meinen Armen und Beinen wohl anstellen sollte, damit es halbwegs nach tanzen aussieht.

Ich glaube diese Erfahrung hat auch viel mit Pfingsten zu tun. Denn das Leben als Christ, es lässt sich – wie das tanzen – auch nicht einfach so „machen.“ Natürlich, man kann einen Tanzkurs besuchen und üben. Vielleicht entwickelt man so einen Zugang. Allerdings glaube ich – sowohl beim Tanzen als auch beim Leben als Christ – braucht es trotzdem noch etwas mehr als theoretisches Wissen und Übung: Es braucht eine Initialzündung! Es braucht Schwung, Dynamik, Freude, es braucht etwas, was ich mir nicht einfach selbst „antrainieren“ kann. Es muss – wie die Musik beim Tanz – über mich kommen!

Die Apostelgeschichte berichtet uns – im Vorhinein zur heutigen Lesung – von Jüngern, die nach der Himmelfahrt des Herrn sich in die Oberkammer eines Hauses zurückgezogen haben und dort ständig blieben. Sie beteten wohl, aber konnten all das Erlebte in seiner Tragweite noch nicht fassen. Es brauchte den Heiligen Geist, die so unfassbare und zugleich wunderschöne Gabe Gottes, die nicht einfach so mit einfachen Worten zu beschreiben ist. Aber – um nochmal das Bild des Tanzens aufzugreifen: Auf einmal wurden aus 12 Tänzern meines Stils 12 Tänzer kenianischen Stils. Auf einmal war sie da, die Dynamik, die Freude, der Schwung. Auf einmal konnten die Jünger hinaus gehen und Jerusalem, eine Stadt voller verschiedener Sprachen und Kulturen, von Jesus erzählen. Denn jetzt war ihre Erzählung nicht mehr theoretische Wissensvermittlung, die – wie ein Tanzkurs – zwar versuchen konnte, den Menschen etwas beizubringen, jetzt war Feuer dahinter! Jetzt brannte wohl allen das Herz (vgl. Emmaus-Geschichte) wenn vom Herrn erzählt wurde.

Was für eine wunderschöne Geschichte, diese Pfingstgeschichte! Und noch nie hatte ich zu ihr einen solchen Zugang am Pfingstfest 2020. Vielleicht auch aus folgendem Grund:

Wenn ich mein Leben in Corona-Zeiten aktuell betrachte, erinnert es mich oft an die Situation des Tanzens. Vieles ist zur Zeit verkrampft und starr, vieles geht nicht vorwärts. Ich bin mir in vielem sehr unsicher.

Und zugleich spüre ich genau darin auch immer wieder befreiende Momente. Momente, in denen ich weiß hier stimmt gerade alles, hier geht gerade alles wie von selbst. Um den Heiligen Geist zu bitten, bedeutet auch, eben um solche Momente zu bitten. Es bedeutet darum zu bitten, dass unser Leben die Freuden erhält, die wir selbst nicht machen können.

Pfingstsequenz (in moderner Vertonung)

Was der Heilige Geist ist, ist mit einfachen Worten nicht genau zu erklären. Schon im biblischen Ursprung wird er mit Bildern beschrieben. In dieser Tradition steht auch die Pfingstsequenz, ein wunderschöner und ur-alter Text, der leidenschaftlich und hingebungsvoll um den Heiligen Geist bittet.

1) Komm herab, o Heil’ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt.

2) Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.

3) Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not.

4) In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.

5) Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.

6) Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

7) Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält.

8) Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.

9) Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.

10) Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit

Vater Unser

Im Vertrauen auf den Herrn, dass er uns mit seinem Geist beschenkt, wollen wir ihm all unsere Bitten, unseren Dank, unsere Sorgen und Nöte im Gebet des Herrn ans Herz legen:

Vater unser im Himmel….

Segen

So segne uns an diesem Tag und in der kommenden Woche der barhmerzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen.