Impuls vom Sonntag, 24.05.2020

Von | 24. Mai 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied: Taizé – Jubelt und freut euch über den Herrn

Text & Noten: https://www.taize.fr/spip.php?page=chant&song=16729&lang=de

Lesung aus der Apostelgeschichte (1,12-14)

Als Jesus in den Himmel aufgenommen worden war, kehrten die Apostel von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philíppus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelót, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Impuls

Einer der unangenehmsten Nachmittage meines Lebens spielte sich vor ein paar Jahren, genauer gesagt am 4. Semester ab. Ich hatte einem Freund zugesagt, ihm beim Umzug zu helfen. Zwei Jahre zuvor – zu Beginn seines Studiums – ist er in eine WG gezogen, die sich mehr durch Zufall gefunden hat. Alle waren sich dementsprechend fremd. Relativ schnell merkten die drei WGler, dass ihre Lebensgewohnheiten sehr unterschiedlich waren und auch die persönlichen Interessen sehr weit auseinander klaffen. Was folgte waren Monate eines immer weiter eskalierenden Streits, der am Tag des Auszugs meines Freundes seinen Gipfel fand. Ich wurde Zeuge eines furchtbar unangenehmen Auszugs, bei dem um jedes Stück in der Wohnung gestritten wurde und sich gegenseitig nur Dinge an den Kopf geworfen wurden. Gott sei Dank – so denke ich mir – wohnen die drei Jungs nicht mehr in Corona-Zeiten zusammen. Das wäre bestimmt in einer Katastrophe geendet. Viele Menschen machen ja gerade die Erfahrung, dass das Zusammenleben gerade wirklich anstrengend sein kann, auch wenn man sich liebt oder sehr gut versteht.

Mit diesen Perspektiven blicke ich gerade auf die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte. Zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten haben sich die Jünger – wie lange ist historisch nicht ganz eindeutig zu klären – zurückgezogen. In der Lesung ist von einem „Obergemach“ die Rede, in dem die Jünger ständig blieben. Das klingt nicht unbedingt nach einer großen und komfortablen Unterkunft. Und wer kam dort zusammen? Um nur ein paar zu nennen: Petrus – sehr eigenwillig und impulsiv. Dann die beiden ehrgeizigen Brüder Johannes und Jakobus, die Söhne des Zebedäus. Philippus – der Grieche, ein Ausländer. Thomas – der Intellektuelle, der Skeptiker und Zweifler. Simon der Zelot, ein Untergrundkämpfer, ein Terrorist. Aus dem Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht heraus fand er der den Weg zu Jesus. Das war sicherlich auch keine gut aufeinander abgestimmte Wohngemeinschaft. Streit war hier vorprogrammiert. Doch dazu kam es nicht. Die Apostelgeschichte schreibt eindeutig: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet.“

Wie haben sie das wohl gemacht? Sicherlich waren die Apostel und Jünger keine Idealmenschen und Fachleute darin, ihre persönlichen Eigenarten zugunsten einer gemeinsamen Idee im Zaum zu halten. Aber: Im Gegensatz zu der zerstrittenen WG, der ich bei diesem unangenehmen Umzug geholfen habe, hatten diese Leute in Jerusalem eine Mitte, die sie zusammenhielt. Das Gebet und damit die Verbindung zu Jesus Christus hat sie miteinander verbunden. So ist diese Lesung für mich – mitten zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten – schon ein kleiner Vorweggriff auf die Pfingsterzählung: Wo Jesus Christus die Mitte ist, da wird aus Individualisten und Egoisten eine Gemeinschaft. Wo Jesus Christus die Mitte ist, da eröffnen sich Horizonte weit über unsere engen menschlichen Möglichkeiten.

Lied zum Impuls: GL 847 – Wenn Glaube bei uns einzieht

1) Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt (2x)

2) Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt (2x)

3) Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt (2x)

Fürbitten

An dieser Stelle sind Sie herzlich eingeladen freie Fürbitten zu halten. Wenn Sie lieber auf formulierte Fürbitten zurückgreifen möchten, werden Sie auf dieser Seite fündig:

https://www.bistum-trier.de/no_cache/glaubespiritualitaet/gottesdienst/fuerbitten/fuerbitten-liste/fuerbitteneinzelansicht/fuerbitte/siebenter-ostersonntag/

Vater Unser

All unsere Bitten, die ausgesprochenen und unausgesprochenen, wollen wir zusammentragen im Gebet des Herrn.

Vater unser im Himmel….

Segen

So segne uns an diesem Tag und in der kommenden Woche der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen.

Lied: GL 534 – Maria breit den Mantel aus

1) Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schuld für uns daraus; lass uns darunter sicher stehn, bis alle Stürm vorübergehen. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte.

2) Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit. Er deckt die weitere, weite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte.

…und weil noch ein bisschen Platz ist

Die Religion erinnert den Menschen daran, dass er mit seiner Selbstbezogenheit, seiner Selbstsucht, seiner Anmaßung, seinerseits der Maßstab für alles andere zu sein, immer wieder in die eigene Nichtigkeit zurückgeschleudert wird und dass er, wenn er ein wirkliches Ziel, einen wirklichen Sinn in seinem Leben finden will, den Bezug über sich selbst hinaus suchen muss.

Barbara Zehnpfennig (entnommen aus: Te Deum. Das Stundengebet im Alltag. Mai 2020. S. 278)