Impuls vom Freitag, 08.05.2020

Von | 8. Mai 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 14, 1-6)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Impuls

Nach dem Abitur hat es meine ehemaligen Klassenkameraden in unterschiedlichste Richtungen verschlagen. Eine damalige Mitschülerin arbeitet heute als „Life-Coach“ in einer größeren Agentur. Sie fährt mit einem Auto durch die Gegend, auf dem in fetten Buchstaben geschrieben steht: „Und wann nimmst du dein Leben in die Hand? Glück ist planbar! Und deine Karriere sowieso!“ – ein merkwürdig anmutender Werbeslogan, vielleicht sogar voller Hohn in Zeiten von Corona. Er intendiert, dass man sein Leben – ganz fern von äußeren Einflüssen – selbst in der Hand hat. Noch mehr: Dieser Spruch intendiert, dass ich ganz alleine meines Glückes Schmied bin. Wie gesagt, selten war dieser Satz auf einem Auto wohl unpassender als in Zeiten von Corona. Wie viele Menschen sind gerade geplagt von wirtschaftlichen Sorgen und spüren, dass sie ihr Leben und ihre Karriere keineswegs einfach nur selbst in der Hand haben und frei gestalten können. Und besonders heute, am 08. Mai, denke ich auch wieder: Wie viele Menschen mussten in der Vergangenheit spüren, dass widerwärtige Kriege und Ideologien die Träume und Lebenskonzepte von Millionen von Menschen zerstört haben. Sie merken, ich bin etwas skeptisch bei solchen Werbeslogans – „Und wann nimmst du dein Leben in die Hand? Glück ist planbar! Und deine Karriere sowieso!“ Muss man aber nicht fairerweise fragen: Hat Jesus im heutigen Evangelium nicht auch einen ziemlich platten Werbeslogan rausgehauen? „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Ganz schön starke Ansage! Ist das nicht auch eine ziemlich hochgegriffene Aussage, mit der man gerade in Krisenzeiten auch nur wenig anfangen kann? (Zumindest) ich glaube nicht! Meine Oma hat ein Repertoire von etwa 10 verschiedenen Sprichwörtern, mit denen sie ganze Gespräche füllen kann. Eines dieser Sprichworte lautet: „Gott schreibt auch auf krummen Wegen gerade.“ Und das heißt für mich gerade nicht, dass Gott einfach alles spielerisch gerade biegt, wie krumm der Lebensweg auch sein mag. Nein. Gott geht jeden Weg mit. Auch die ganz krummen und schrägen Lebenswege, auch die Ehrenrunden, auch in die tiefsten Sackgassen. Er ist Weg und Ziel zugleich. Die Bibel ist voll von Menschen, in deren Leben nicht alles glatt lief. Die Kleingläubigen Jünger, auch im heutigen Evangelium, sind ein gutes Beispiel dafür. Aber die Bibel zeigt auch immer wieder, gerade dort, wo das Leben nicht flach und geradeaus läuft, dort geht Gott die Wege mit, dort gibt er Zuspruch, Beistand und Trost. Mit dem heutigen Impuls endet zumindest die tägliche Reihe unserer Gebetsimpulse. Ich hoffe sehr, dass diese Impulse Ihnen genau das ab und an einmal vermitteln konnten. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – Und auf all unseren Wegen ist die Wahrheit und das Leben dabei, egal wie krumm sie auch manchmal sein mögen.

Lied: GL 828 – Wäre Gesanges voll unser Mund

Text & Noten: http://www.habakukmusik.de/pdf/Waere_Gesanges_voll_unser_Mund.pdf

Zum Abschluss der täglichen Reihe habe ich dieses Lied noch einmal ausgesucht. Es ist mein Lieblingslied im Gotteslob, auch mit einer wunderbaren Entstehungsgeschichte. Die ist bei Interesse hier nochmal nachzulesen: https://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=23493

Gebet

Gott, all unsere Lebenswege gehst du mit. Du bist der Gott, der uns Weg, Wahrheit und Leben ist, auf all unseren Lebenswegen. Dir vertrauen wir alles an:

Vater unser im Himmel…

Segen

So segne uns und die ganze Welt, der liebende Gott, der Vater, der Sohn und der

Heilige Geist, Amen.