Abendgebet für Freitag, den 08.05.2020

Von | 8. Mai 2020

Guten Abend, meine Lieben.
In der Zeit des sog. Homeoffice, sind wir SeelsorgerInnen des Bistums Trier zur Arbeit von Daheim verpflichtet. (Was in der derzeitigen Situation mehr als Sinn macht!)
Ich selbst halte schon seit fast 7 Wochen mit den Menschen in unserer Pfarreiengemeinschaft Bad Sobernheim/Nahe, telefonischen Kontakt. Diese für mich besondere Form der Seelsorge wurde und wird gut angenommen. Nicht nur ich rufe Menschen an, sondern auch umgekehrt. Viele wählen meine Telefonnummer, um einfach zu erzählen. Ich höre gespannt zu.
Einige Menschen haben einen hohen Gesprächsbedarf. Bei diesen Anrufern komme ich fast nicht zu Wort. Aber am Ende des Gespräches höre ich dann: Danke dass wir uns so gut unterhalten haben….
Manchmal denke ich, ja es ist so wichtig, dass die Menschen erzählen, sonst läuft ihr „Fass über“. Ich höre auch sehr gerne zu.
Aber auf der anderen Seite kommen mir dann Gedanken in den Sinn, wo ich denke, mensch, jetzt würde es dem einen oder anderen doch auch gut tun, etwas stiller zu werden.


Und das ist nun mein Gebetsimpuls für den heutigen Freitag. Eine kleine Meditation mit dem Titel:

Lasst uns still werden, jeden Tag.

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns still werden jeden Tag
Lasst uns still werden jeden Tag…
Lasst uns still werden,
wenigstens einmal jeden Tag
so still, dass wir unseren Atem wieder hören;
lasst uns ruhig werden,
wenigstens einmal jeden Tag
so ruhig,
dass wir unseren Puls wieder spüren;
lasst uns sanft werden,
so sanft,
dass wir wieder Liebe fühlen –
und aus der Stille, der Ruhe, der Sanftheit heraus
lasst uns stark werden,
jeden Tag so stark,
dass wir Vertrauen schenken können;
lasst uns mutig werden,
alle Augenblicke so mutig,
dass wir uns gewaltfrei behaupten können;
lasst uns zielstrebig werden,
dass uns jeder Schritt unserem Ziel näher bringt –
und aus der Stärke, dem Mut, der Zielstrebigkeit heraus
lasst uns leben,
lasst uns wachsen,
lasst uns wirken,
damit immer mehr Menschen wirken können,
wie wir gelebt haben werden –
weiße, schwarze, gelbe, braune, rote –
alle.
Auch wenn ich bete, komme ich zur Ruhe, zu Stille.
Lasst uns, mit leisen Tönen gemeinsam beten:
Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde,
was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, dass Beten nicht nur Schweigen ist, sondern Hören.
So ist es:
Beten heißt nicht sich selbst reden hören,
Beten heißt still werden
und still sein
und warten, bis der Betende Gott hört.


Ich habe es an dieser Stelle schon öfter erwähnt, dass ich die irischen Gebete und auch die Segensgebet sehr schätze und oft auch in meine Gottesdienste einbaue. So habe ich für den heutigen Abend ein solches irisches Segensgebet ausgesucht:

Geh voran! Mögen die Sonnenstrahlen dich zart locken, möge der Wind dich sanft vorantreiben; mögen Regentropfen leicht auf dein Haupt fallen. /

Ich blicke dir nach! Möge der Sonnenschein dein Herz erleuchten. Möge der Windhauch die Lasten der Vergangenheit hinwegwehen. /

Ich begleite dich mit meinen Segenswünschen. Mögen ein Engel Gottes dich empfangen. Mögen Engelscharen ein Willkommenslied anstimmen, möge Gott dich hüllen in den Mantel seiner Liebe. /

Geh voran! Ich blicke dir nach! Ich bleibe bei dir mit meinen Segenswünschen.

So segne uns und alle Menschen die uns wichtig sind, aber auch die Menschen, die in unseren Herzen weiterleben, der Gott, der immer an unserer Seite steht: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.


Auch heute war es ein so schöner Maitag mit viel Maisonne. Ich hoffe viele von Ihnen und euch haben den tag genossen und wenn es auch nur für kurze Zeit war. Wenn nicht, so genießen Sie bitte den Abend. Er läutet das Wochenende ein.

Euer / Ihr Diakon Höhn.