Ostern in Argentinien

Von | 5. April 2020

Benigna hatte die Gelegenheit, 2018 im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in Argentinien Ostern zu feiern.

Die Karwoche und die Ostertage werden in Argentinien auf ganz besondere Weise gefeiert. An Palmsonntag ziehen die Menschen ganz ähnlich wie in Deutschland in einer Prozession durch den Ort und gedenken singend und teils tanzend Christi Einzug in Jerusalem. Sie wedeln mit Palmzweigen, die kunstvoll gefaltet und geflochten sind, und mit den Zweigen der vor Ort wachsenden Olivenbäume. Am Hauptplatz angekommen, wird dann mit viel Gesang Messe gefeiert.

Die ganze Karwoche über findet vormittags für die Jugendlichen ein besonderes Programm zu ausgewählten Themen der Passionszeit statt. So haben wir letztes Jahr an Gründonnerstag über die Bedeutung der Fußwaschung gesprochen und diese symbolisch durchgeführt. An einem anderen Tag fand stille Anbetung statt, und zwar wurden die Jugendlichen in Gruppen eingeteilt, die dann jeweils eine Stunde vor der Monstranz gebetet haben.

An mehreren Abenden der Karwoche führen verschiedene Gruppen der Gemeinde, wie zum Beispiel die Pfadfinder oder kirchliche Jugendgruppen, den Kreuzweg Christi, via crucis genannt, szenisch auf. Sie spielen den Kreuzweg Christi wie ein Theaterstück nach und werden von den Zuschauern von Station zu Station begleitet. Der Höhenpunkt ist dann die Kreuzigung Christi. Tatsächlich wird der Schauspieler an ein Kreuz gefesselt und dann aufgerichtet, was einer echten Kreuzigung sehr ähnlich sieht. Das scheint aus deutscher Perspektive etwas befremdlich, aber die Argentinier sind daran gewöhnt und leben ihren Glauben viel bildlicher aus, sie leiden richtig mit.

An Karfreitag wird Jesus vom Kreuz abgenommen. Das heißt, die Jesusfigur wird tatsächlich vom Holzkreuz, das in der Kirche steht, abgenommen und in eine Art Sarg gelegt. Von dort aus geht eine riesige Lichterprozession mit der Jesusfigur und einer Marienfigur durch den ganzen Ort bis hin zum Krankenhaus. Dort werden die Heiligenfiguren aufgestellt und die Menschen beten und bleiben die ganze Nacht bei ihnen.

Die Osternacht beginnt mit dem Osterfeuer, um das sich die Pfadfinder kümmern, vor der Kirche. Die Messe läuft dann ganz ähnlich wie hier in Deutschland ab. Danach versammelt sich die Gemeinde und feiert gemeinsam die Auferstehung Christi, man isst und trinkt gemeinsam bis spät in die Nacht.