Mit großen Theologen Ostern entgegen – 10.04.

Von | 10. April 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Karfreitag

Karl Rahner

1. Lesung: Jesaja 52,13 – 53,12
2. Lesung: Hebräerbrief 4,14–16; 5, 7-9
Passion: Johannes 18, 1 – 19,42

Hat Jesus am Kreuz mich geliebt?

Konnte er von mir in mei­ner konkreten, einmaligen Existenz wissen?

Konnte er um mich wissen in der gottverlassenen Finsternis und schreck­lichen Ohnmacht seines Todes?

War in diesem sterbenden Jesus Platz für mich?

Und erreicht diese Liebe mich über Räu­me und Zeiten hinweg, da wo ich leben und sterben muss?

Wir müssen auf diese Frage erschüttert ein glaubendes Ja sagen, auch wenn uns dunkel bleibt, wie solche Liebe im Herzen eines endlichen Menschen und in der Finsternis des Todes möglich ist.

Die Schrift bezeugt es aus ihrer lebendigen Erfah­rung des Geistes Jesu: er hat mich geliebt und sich für mich dahingegeben.

Der Blick der Liebe geht auf den Gekreuzigten, und der Christ weiß so: ich bin von einer ewigen Liebe umfangen mit­ten in der Leere meiner Enttäuschungen, meines Elendes, mei­ner Todgeweihtheit und meiner Schuld.

Und der Christ weiß: ich selber bin durch diese mich umfangende Liebe befreit zur Möglichkeit, den Menschen und Gott lieben zu können.

(Karl Rahner, 1904 – 1984, Jesuit, Prof. für Dogmatik, Münster)

GEBET  

Dein Kreuz, o Herr, verehren wir,

und deine heilige Auferstehung preisen und rühmen wir.

Denn siehe, durch das Holz des Kreuzes

kam Freude in alle Welt.