Mit großen Theologen Ostern entgegen – 09.04.

Von | 9. April 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Gründonnerstag

Peter Hünermann

1. Lesung: Exodus 12, 1-8.11-14
2. Lesung: 1. Korintherbrief 11, 23-26
Evangelium: Johannes 13, 1-15, 66

In der Geste des Fußwaschens geschieht Unausdenkliches.

Die Fußwaschung Jesu ist nicht nur ein Freundschaftsdienst. Hier wird geoffenbart der Weg Gottes und der Weg des Men­schen und damit, wer Gott ist und wer der Mensch ist. Denn am Weg, am Lebensweg, den jemand geht, erkennt man, wer er ist. Gott, der Hohe, kommt zu uns auf diesem Weg der Niedrigkeit, auf dem Weg der alles aushaltenden, sich unter al­les stellenden Liebe. Das ist Sein Weg.

So hält er die Welt zu­sammen, so verbindet er die zerrissene und zerstrittene Ge­schichte, so versöhnt er die einander befehlenden und ausein­andertreibenden Menschen.

Darin ist die Welt eine, die Welt, die gegeneinander kämpft und auseinanderläuft in alle Rich­tungen. Das ist zugleich der Weg von uns Menschen: der Weg, wie wir zueinander finden; der Weg, wie wir zu uns finden, der Weg, auf dem wir zu Gott unterwegs sind. „Du kannst es ja noch nicht verstehen. Du wirst es aber verstehen.“

Wir wollen den Herrn bitten, dass er uns durch seinen hinge­benden Dienst den Mut und die Freiheit gibt, ganz auf diesen Dienst zu setzen. Das ist, wenn wir in unser Leben schauen, unsere einzige Hoffnung.

Wir können nicht darauf bauen, dass wir das, was er uns vorgemacht hat, einfach nachmachen.

Wir bauen vielmehr darauf, dass das, was er uns in dieser Stunde an­tut, immer wieder über unsere widerstrebenden Herzen Ge­walt gewinnt.

Wir setzen darauf, dass die Übermacht dieser Liebe uns überwältigt, so dass wir gegen unseren widerständi­gen Willen hineingelangen in das gottmenschliche Geheimnis.

(Peter Hünermann, geb. 1929, Prof. für Dogmatik, Tübingen)

GEBET  

Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan?

Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn.

Ich will ein Opfer des Dankes bringen und anrufen den Namen des Herrn.

(aus Psalm 115)