Mit großen Theologen Ostern entgegen – 08.04.

Von | 8. April 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Mittwoch in der Karwoche

Romano Guardini

Lesung: Jesaja 50, 4-9a
Evangelium: Matthäus 26, 14-25

In Judas ist mit nackter Schrecklichkeit herausgekommen, was überall um Jesus herum als Möglichkeit lebte. Im Grunde hat keiner von ihnen viel Ursache, sich über Judas zu erheben.

Auch wir haben keine. Wir wollen uns das sehr eindringlich klar machen.

Der Verrat an Gott ist uns allen furchtbar nahe.

Der Gott, an Den wir glauben, ist der kommende Gott, der bei uns eintritt und sich in die Gewalt unseres Geistes und Herzens gibt.

Seine Wahrheit verzichtet auf die zwingende Gewalt. Gott kommt wehrlos in die Welt.

Er ist ein schwei­gender, geduldiger Gott.

Gibt es aber viele Tage in unserem Leben, an denen wir Ihn, unser bestes Wissen, unser heiligstes Gefühl, unsere Pflicht, unsere Liebe nicht für eine Eitelkeit, für eine Sinnlichkeit, für einen Gewinn, für eine Sicherheit, für einen Hass für eine Rache preisgegeben haben? Ist das mehr als dreißig Silberstücke?

Wir haben wenig Veranlassung, über den „Verräter“ zu sprechen, als über etwas, was drüben steht, vielleicht noch mit Entrüstung.

Uns selbst enthüllt Judas. In dem Maße versteht man ihn christlich, als man ihn aus den bösen Möglichkeiten des eigenen Herzens heraus versteht, und Gott bittet, Er möge den Verrat, in den wir immer wieder gleiten, nicht sich verfestigen lassen.

(Romano Guardini, 1885 – 1968, Priester, Religionsphilosoph)

GEBET

Herr, du hast mich erforscht, und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir.

Von fern erkennst du meine Gedanken.

Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.

Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, und leite mich auf dem altbewährten Weg!

(aus Psalm 139)