Mit großen Theologen Ostern entgegen – 07.04.

Von | 7. April 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Dienstag in der Karwoche

Hans Urs von Balthasar

Lesung: Jesaja 49, 1-6
Evangelium: Johannes 13, 21-33.36-38

„Allmorgendlich erweckt er mein Ohr, wie ein Jünger zu hören. .. Ich aber habe nicht widerstrebt, bin nicht zurückge­wichen“ (Jes 50, 4).

Das vollkommene Geschehenlassen zu Gott hin wird von selbst zum vollkommenen Geschehenlas­sen zu den Menschen hin, der Nichtwiderstand ist nach beiden Seiten der gleiche (weil er vollkommen ist), und in der Identi­tät dieser Haltung kann sich der Heilswille Gottes inkarnieren. Es ist nicht nur Hören eines begrenzten Wortes Gottes, bis zu einem gewissen Grad der Aufnahme, des Verständnis­ses, der Weitergabe, sondern es ist das ganze Dasein als Ohr, Eingehen des ganzen Liebeswillens des Bundesherrn in die ganze Existenz des Bundesvolkes.

In diesem Nichtwiderstand, in diesem Gehorsam und einzig in ihm kommt also das Un­vereinbare endgültig zusammen: die ewige Liebe und der zeit­liche Hass, die ewige Treue und die zeitliche Untreue, Gott und der Mensch.

In diesem Nichtwiderstand, in diesem Ge­horsam und einzig in ihm kreuzen sich die beiden Wege: der Weg Gottes zum sündigen Menschen und der Weg des sündi­gen Menschen zu Gott.

Zum Gottesknecht hin konvergieren alle Gehorsamstaten des Alten Bundes: von der Opferung Isaaks auf Moria zum voll stellvertretenden Gehorsam Moses‘ im Deuteronomium.

Es ist Existenz, die nicht nach menschlichen Gesetzen und gestimmtheiten gelebt wird, sondern Schauplatz innergöttlichen Lebens geworden ist.

(Hans Urs von Balthasar, 1905 – 1988, Priester, Kulturphilosoph)

GEBET

Du bist mein Gott,

in deiner Hand liegt mein Geschick.

Herr, ich suche Zuflucht bei dir.

Lass mich doch niemals scheitern; rette mich in deiner Gerechtigkeit!

Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet.

Denn du bist mein Fels und meine Burg;

um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

(aus Psalm 31)