Mit großen Theologen Ostern entgegen – 06.04.

Von | 6. April 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Montag in der Karwoche

Hl. Augustinus

Lesung: Jesaja 42, 5a.1-7
Evangelium: Johannes 12, 1-11

Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und doch ewig neu!

Spät habe ich dich geliebt!

Sieh, du warst in meinem Innern und ich draußen; und draußen suchte ich dich.

In mei­ner Hässlichkeit stürzte ich mich auf die schönen Gebilde, die du geschaffen. Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir.

Weit weg von dir zog mich, was doch gar nicht wäre, wenn es nicht in dir wäre.

Du riefst mich laut und zerrissest meine Taubheit; du blitzest und strahlest und verscheuchtest meine Blindheit.

Du wehtest mir süßen Duft zu, und ich sog ihn ein, und nun seufze ich nach dir.

Ich habe dich gekostet, und nun hungere und dürste ich nach dir.

Du berührtest mich, und nun glühe ich vor Sehnsucht nach deinem Frieden.

Wenn ich dir erst einmal mit meinem ganzen Wesen anhan­gen werde, dann wird mich kein Schmerz, keine Mühsal, mehr bedrücken und mein Leben, ganz vor dir erfüllt, wird dann erst wahres Leben sein.

Da du aber nur den aufrichtest, den du erfüllst, so bin ich mir vorläufig noch zur Last, da ich deiner noch nicht ganz voll bin.

Noch streiten in mir traurige Freuden mit froher Trauer, und ich weiß nicht, wer den Sieg gewinnen wird.

Ach, Herr, erbarme dich meiner!

Böse, üble Kümmernisse streiten noch in mir mit guten Freuden, und ich weiß nicht, wer den Sieg gewinnen wird.

Ach, Herr, erbarme dich meiner!

Ach, sieh doch, meine Wunden verberge ich nicht vor dir.

Du bist der Arzt, und ich bin krank; du bist barmherzig und ich erbarmungswürdig.

Ist nicht „Versuchung des Menschen Le­ben auf Erden“?

(Hl. Augustinus, 354 – 430, Bischof von Hippo)