Mit großen Theologen Ostern entgegen – 02.04.

Von | 2. April 2020

Dechant Hardt stellt uns auf dem Weg auf Ostern zu jeden Tag einen Impuls eines großen Theologen vor.

Donnerstag der fünften Fastenwoche

Jacques Loew

Lesung: Genesis 17, 1a.3-9
Evangelium: Johannes 8, 51-59

Mit Abraham fängt alles an: In erster Linie das Zwiegespräch, das Gott mit dem Menschen anknüpft. Gott auf der Suche nach dem Menschen…

Und wie immer es sich auch mit der Sünde oder Untreue des Menschen verhalten mag, stets tut Gott wieder den ersten Schritt und nimmt das Zwie­gespräch, das wir unterbrochen haben, wieder auf. Mit Abra­ham haben wir die Antwort eines Menschen auf das Entgegen­kommen Gottes.

Als Abraham befohlen wird: „Geh . . .“, handelt es sich nicht nur um den rein örtlichen Platzwechsel eines Nomaden, sondern um eine regelrechte Entwurzelung: Abraham macht sich auf den Weg: „Abraham ging, wie ihm der Herr befohlen hatte“; das führt zu einer doppelten Änderung: zunächst zu einem Wechsel des Wohnorts, mehr noch aber zu einer Ände­rung seiner Lebensführung.

Nicht der Ortswechsel zählt in er­ster Linie, sondern das innere Hinüberwechseln in eine von nun an vom Glauben geleitete Existenzweise. Diese bleibt für jeden Gläubigen wesentlich.

Mit unserem Glauben verhält es sich heute nicht anders. Der auferstandene Jesus ist nie Vergangenheit, er, das „Ja der Verheißungen“. Er ist mehr als irgend jemand, und er ist auch in Zukunft. „Er ist, er war, und er kommt.“ Er ist stets eine Zukunft.

So gibt es in unserem Glaubensleben keine unwandelbare Situation, keine vollendete Wirklichkeit, sondern überall ein Werden; selbst wenn wir schon Gegenwart und verwirklichte Verheißungen besitzen, spüren wir in der Entwurzelung des „Geh!“ klar, dass wir weiter fortgehen.

Abraham hat von ferne, durch das Bild seines Sohnes Isaak, durch ein lebendiges Gleichnis, den Tag Jesu, den Tag seiner Auferstehung, gesehen. Er hat ihn in einem prophetischen Ereignis gesehen, in der Geburt Isaaks, die seine Freude und sein Lachen auslöste, aber Jesus schenkt sich als die wahre Erfül­lung der diesem alten Mann gegebenen Verheißung, die wahre Ursache seiner Freude. „Abraham frohlockte, dass er meinen Tag sehen sollte“, den Tag, der der Tag Jesu ist, und „der Tag seiner Leiden und der Tag seiner Verherrlichungen“.

Wir stehen hier dem „schon“ und dem „noch nicht“ gegenüber, das die ganze christliche Haltung repräsentiert. Es stimmt: wir besitzen schon und noch nicht; und auch wir frohlocken bei dem Gedanken, den Tag Jesu zu sehen, den wir schon erleben und den wir doch erst von ferne erahnen. Zu Beginn der Heilsgeschichte harrte man des wahren Sohnes der Verheißung. Wir besitzen ihn, und wir erwarten ihn noch immer.

Alles ist schon erfüllt, und alles ist noch zu erwarten.

(Jacques Loew, 1908 – 1999, Dominikaner, franz. Arbeiterpriester)

GEBET

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,

das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

(aus dem Magnificat)