Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 30.04.

Von | 30. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Donnerstag der 3. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte  8, 26-40
Evangelium: Johannes 6, 44-51

Der Grund, warum Maria von Magdala Jesus nicht festhalten soll, ist, dass er noch nicht zum Vater hinaufge­gangen ist. Auferstehung versteht Johannes als Aufstieg zum Vater. Die Menschwerdung war ein Hinabsteigen zu uns Menschen.

Am Kreuz wird Jesus vom Vater erhöht und verherrlicht. In der Auferstehung steigt er auf zum Vater. Vom Vater her wird er sich dann als der Gekreuzig­te, Auferstandene und Erhöhte offenbaren. Die Frage ist, was uns das johanneische Konzept der Auferstehung sa­gen möchte. Ist das nur eine theologische Konstruktion oder können wir daraus leben?

In der Osterzeit wird an den Werktagen das Evangelium oft aus den Abschiedsreden genommen. (Joh 14-17) Dort spricht Jesus immer wieder davon, dass er zum Vater ge­hen werde, um uns eine Wohnung zu bereiten. „Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich heb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“ (Joh 14,28f) Jesus geht in der Auferstehung zum Vater. Das sollte für die Jünger ein Grund zur Freude sein.

Denn der, mit dem sie zusammen gelebt haben, den sie berührt und betastet haben, er ist jetzt in der Herrlich­keit des Vaters. In ihm haben wir einen Fürsprecher beim Vater. In ihm ist ein Teil von uns schon bei Gott. Wir sind mit Jesus Christus bereits in den Himmel gehoben. Und in ihm sind wir eingetaucht in die Liebe zwischen Vater und Sohn. Es ist ein beständiges Thema der Abschiedsre­den, dass der Vater den Sohn liebt und der Sohn den Vater und dass wir an dieser Liebe teilhaben dürfen. Jesus bit­tet im Hohenpriesterlichen Gebet darum, dass die Liebe, mit der der Vater ihn geliebt hat, auch in uns ist und daß Christus selber in uns ist. (Joh 17,26)

Auferstehung heißt für Johannes, dass wir aufgenommen sind in die Herrlichkeit des Vaters, dass wir in Christus aufgestiegen sind zum Himmel und dass wir in die Liebe zwischen Vater und Sohn hineingenommen worden sind. Auferstehung ist also nicht nur eine Aussage über Jesus Christus, sondern über uns Christen. Auferstehung er­möglicht uns Christen eine andere Seinsweise, eine neue Art zu leben. Wirkliches Leben, das den Namen verdient, wird nach dem Johannesevangelium erst dort möglich, wo göttliches Leben in den Menschen einströmt. Göttli­ches Leben ist für Johannes aber immer auch göttliche Liebe. Weil die göttliche Liebe in uns fließt, vermögen wir einander zu lieben. Und nur die Liebe macht das Le­ben lebenswert.

Schaue Dir Deine Liebe an, die Du zu Menschen spürst! Wie fühlt sich diese Liebe an? Was macht sie mit Dir? Stelle Dir vor, dass die Liebe, die in Dir strömt, nicht be­schränkt ist auf diesen oder jenen Menschen, sondern dass in Deiner Liebe Gottes Liebe in Dir fließt, dass Dich Deine Liebe in Gott hineinführt und Dich aufnimmt in die ewige Liebe zwischen Vater und Sohn. Vielleicht er­ahnst Du dann, was Johannes meint, wenn er schreibt: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.“ (1 Joh 4,16) Die Liebe ist der Ort, an dem wir Gott erfahren und uns selbst auf neue Weise erleben. In ihr spüren wir das Geheimnis un­seres Lebens. Durch sie wird unser Leben lebenswert. In ihr sind wir aufgenommen in Gottes Liebe, hinein­genommen in Sein Herz.