Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 28.04.

Von | 28. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Dienstag der 3. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 7, 51 – 8, 1a
Evangelium: Johannes 6, 30 – 35

Meisterhaft schildert Johannes, wie sich die Trauer der Maria Magdalena in Freude wandelt. Während Petrus und Johannes nach Hause zurückkehren, bleibt Maria beim Grab. Weinend möchte sie in der Nähe des Ortes bleiben, an dem ihr geliebter Herr begraben wurde. „Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leich­nams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ (Joh 20,11-13)

In ihrer Trauer wagt sie sich in die Grabkammer hinein. Aber sie ist so in ihrer Trauer ge­fangen, dass selbst die beiden Engel in leuchtenden Ge­wändern sie nicht daraus befreien können. Die Engel fra­gen sie liebevoll nach dem Grund ihrer Trauer. Aber sie wiederholt nur, was sie auch den Jüngern schon gesagt hat: „Man hat meinen Herrn weggenommen.“ Sie spricht von ihrem Herrn, als ob er ihr gehöre. Wenigstens der Leich­nam, so meint sie, sollte ihr gehören, wenn sie schon den Lebenden nicht besitzen konnte. Sie trauert darum, dass ihr nicht einmal der Leichnam Jesu als Erinnerung an den Geliebten bleibt. Weil sie der Trauer nicht ausweicht, wird sie von ihr zu ihrem geliebten Herrn geführt.

Als sie den Engeln ihr Leid geklagt hat, dreht sie sich um, nach rückwärts, wie es der griechische Text umständlich sagt. Die Begegnung mit den Engeln hat sie umgedreht, umgewendet. Sie hat in sich selbst eine Kehre erlebt. Sie kehrt um. Weil sie Umkehr und Verwandlung in sich zu­lässt, sieht sie nun Jesus dastehen. Aber sie erkennt ihn nicht. Jesus fragt ähnlich liebevoll wie die beiden Engel: „Frau, warum weinst du?“ (Joh 20,15) Und wieder klagt sie dem vermeintlichen Gärtner ihr Leid. Sie möchte den Leichnam Jesu sehen, ihn berühren, ihn beweinen. Aber nicht einmal das ist ihr vergönnt: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.“ (Joh 20,15) Sie ist so fixiert auf den Leichnam Jesu, dass sie den Lebenden nicht wahrnimmt. Erst als Jesus sie mit ihrem Namen anspricht, da erkennt sie ihn und antwortet ihm mit dem vertrauten: „Rabbuni“. Sie nennt ihn „meinen Meister“. Das Angesprochenwerden mit ihrem eigenen Namen schafft eine neue Beziehung. Jesus ist nicht mehr nur der Meister aller, sondern ihr Meister, an den sie sich in ihrer Liebe gebunden weiß.

In diesen zwei Worten: „Maria – Mein Meister“ geschieht das Geheimnis der Auferstehung. Da wird ihre Trauer ver­wandelt, da tun sich ihre Augen auf, und sie erkennt den, dem ihre ganze Liebe gilt und von dem sie sich im Inner­sten verstanden und geliebt weiß. Jesus hat sie offen­sichtlich in der Tiefe ihres Herzens angesprochen. Sein Wort der Liebe hat sie berührt und sie zum Glauben befä­higt, dass die Liebe stärker ist als der Tod, dass der Gelieb­te, dem sie ihr Leben verdankt, auch durch den Tod nicht überwunden werden kann.

Anselm von Canterbury hat diese Begegnung Jesu mit Maria Magdalena mit bewegten Worten in einem Gebet ausgedrückt: „Indes, die gütige Liebe kann es nicht län­ger dulden, dass jene seufzt und sie selber verborgen bleibt. Die Süße des Liebenden bricht hervor, damit nicht länger die Bitternis der Weinenden ausbreche.

Der Herr spricht den vertrauten Namen der Magd aus, und die Magd erkennt die gewohnte Stimme des Herrn. Ich glaube, nein, ich bin sicher: sie spürte die alte Wonne wie früher, als sie gerufen wurde: Maria. 0 Stimme der Freude, wie schmeichelnd, wie lieb zu kosten! Kürzer und rascher hät­te man nicht ausdrücken können: Ich weiß, wer Du bist und was Du willst; schau her, ich bin es. Weine nicht, schau. Ich bin’s, den Du suchst! Und schon sind es andre Tränen. Sie versiegten ja wohl nicht gleich: vielmehr, was das betrübte Herz vorher unter Qualen auspresste, das strömt jetzt das freudige Herz in Jubel.“ (Anselm 102)

Die Betrachtung der Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena entzündet in Anselm die Liebe zu Chri­stus. Und er möchte mit seinem Gebet auch in vielen Menschen die Liebe zum Auferstandenen wecken. Er kennt keine bessere Meditation als die Betrachtung die­ser Osterbegegnung, um uns mit der Liebe in Berührung zu bringen, die stärker ist als der Tod.

Meditiere heute diese wunderbare Szene und lass Dich von ihr in das Geheimnis der Liebe einführen! Stelle Dir vor, wie Jesus, der Dich in seinem Tod am Kreuz bis zur Vollendung geliebt hat, Dich jetzt mit dieser unbegreifli­chen Liebe anspricht, wie Er Dich beim Namen ruft, wie Er Dich persönlich meint! Du bist für ihn wichtig. Dich liebt Er bis zur Vollendung, ohne Vorbehalte, ohne Be­dingung. Dein Name ist eingezeichnet in Seine Hand.

Viel­leicht kann die Meditation dieser österlichen Begegnung Deine tiefsitzenden Zweifel an Dir und Deinem Wert aus­räumen. Wenn Du Dich wie Maria von Magdala ganz und gar geliebt weißt, dann hast Du es nicht mehr nötig, überall um Anerkennung zu buhlen. Die Erfahrung der bedin­gungslosen Liebe Jesu, die auch den Tod noch überdau­ert, kann Dich mit einem tiefen inneren Frieden erfüllen.

In Seiner Liebe kommt Deine Sehnsucht zur Ruhe.