Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 25.04.

Von | 25. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Samstag der 2. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 6, 1 – 7
Evangelium: Johannes 6, 16 – 21

Der Ostertag schließt im Lukasevangelium mit der Erschei­nung Jesu vor allen Jüngern. Soeben hatten die Jünger einander erzählt, was sie erlebt hatten, und sie hatten einander bekannt, dass der Herr wahrhaft auferstanden ist. Aber nun, als der Auferstandene leibhaft unter ihnen ist, da erschrecken sie und bekommen Angst.

Sie mei­nen, es sei ein Phantasiebild, eine bloße Einbildung. Of­fensichtlich tun sie sich doch noch schwer, an die Aufer­stehung zu glauben. Jesus versucht, ihren Zweifel in drei Schritten zu entkräften.

Zunächst spricht er sie an. Er ist kein Phantasiegebilde. Er ist wirklich da. Er spricht zu ihnen genauso wie zu seinen Lebzeiten. Jesus durch­schaut die Gedanken der Jünger. Er spürt, dass es eines zweiten Schrittes bedarf, um ihre Zweifel an seiner Iden­tität auszuräumen. So lädt er sie ein: „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ (Lk 24,39) Und dann zeigt er ihnen seine Hände und Füße.

Sie können die Identität des Auferstan­denen mit dem Meister, dem sie nachgefolgt sind, fest­stellen. Jesus ist keine bloße Erscheinung. Er ist mit Leib und Seele auferstanden.

Lukas wendet sich mit dieser Erzählung gegen die Vorstellung von einem Scheinleib, die offensichtlich in der frühen Kirche verbreitet war. Er will den Christen sagen, dass Jesus wirklich auferstanden ist und nicht nur in den Köpfen der Jünger. Er ist sicht­bar geworden, greifbar, berührbar.

Die Jünger reagieren auf die Worte Jesu und auf das Beta­sten seiner Hände und Füße mit Staunen und Freude. Sie werden von Freude überwältigt. Sie sind fassungslos vor Freude. Aber es ist eine Freude, die noch ohne Glauben ist. Sie ist offensichtlich nur im Gefühl. Sie ist Begeiste­rung. Aber sie kann nicht durchtragen. Es ist eine Freu­de, die sich wundert, die aber nicht zum Glauben vor­stößt. Der Glaube hat immer auch mit Erkennen und Be­kennen zu tun. Damit die Jünger vom bloßen Gefühl der Freude zum Glauben gelangen können, sagt Jesus zu ih­nen: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ (Lk 24,41) Sie geben ihm ein Stück gebratenen Fisch. „Er nahm es und aß es vor ihren Augen.“ (Lk 24,43). Ein Geist kann nicht essen. Der Auferstandene ist ein Mensch mit Fleisch und Blut. Er kann sprechen und er kann essen. Und man kann ihn berühren. Jesus muss die Jünger langsam dazu führen, dass sie wirklich an die Auferstehung glauben.

Vielleicht kennst Du die gleichen Zweifel wie die Jünger, Zweifel an der Auferstehung, Zweifel an der Identität des Auferstandenen mit dem Gekreuzigten und Zweifel an der leibhaften Realität des Auferstandenen.
Lukas möch­te auch Deine Zweifel in Glauben verwandeln. Deine Zwei­fel dürfen sein. Sie wollen Dich dazu treiben, Deinen Glau­ben zu vertiefen und ihn von Projektionen und Illusio­nen zu befreien. Der Auferstandene begegnet Deinen Zweifeln, indem er Dir Seine Hände und Füße zeigt. Sei­ne Handwunden und Fußwunden sind verklärt. Du kannst Auferstehung erfahren, wenn Du auch in Deinen Wunden die Verwandlung wahrnimmst. Deine Handwunden wei­sen Dich hin auf all die Schläge, die Du bekommen hast, auf den harten Zugriff Deines Vaters oder Deiner Mutter, auf die zurückgezogenen und verweigerten Hände.

An Deinen Füßen wurdest Du verwundet, wenn Dir jemand auf die Füße getreten ist, nicht zu Dir gestanden, nicht mit Dir gegangen ist. In der Kommunion legt sich der Auferstandene in Deine verwundeten Hände, damit das Licht Seiner Liebe in Deinen Wunden aufstrahlt.

Ich wünsche Dir, dass der Auferstandene Deine Zweifel auflöst und Dich zum Glauben und zur Freude führt, da­mit Du mit ganzem Herzen sprechen kannst: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Er ist auch für mich auferstan­den. Er steht in mir auf. Er lebt leibhaft in mir und ver­wandelt auch meine Hand- und Fußwunden, damit in meinen Wunden die Herrlichkeit Gottes aufleuchtet.“