Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 24.04.

Von | 24. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Freitag der 2. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 5, 34 – 42
Evangelium: Johannes 6, 1 – 15

Weil Jesus das Herz der Emmausjünger entzündet hat, brechen sie noch in der gleichen Stunde auf, um nach Jerusalem zurückzukehren. Sie müssen ihren Freunden unbedingt erzählen, was sie gehört und gesehen haben. Sie können ihre Begeisterung nicht für sich behalten. Als sie noch spät am Abend in Jerusalem ankommen, finden sie die Elf und die ändern Jünger versammelt. „Diese sag­ten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Si­mon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unter­wegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.“ (Lk 24,34f)

Die Daheimgebliebenen und die von auswärts Kommenden erzählen einander, was sie erlebt haben. Und ihre Erzählung wird zu einem Bekennt­nis: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden.“ In zwei Worten wird das Wesentliche der Erfahrung ausgedrückt: „Er wurde gesehen und er wurde erkannt.“

Simon hat den Auferstandenen gesehen und die Emmausjünger haben ihn erkannt, als er das Brot brach. Sehen allein genügt nicht. Man muss auch verstehen, was man sieht. Dann kann Auferstehung auch für uns geschehen. Als die Jünger sich einander erzählten, was sie erlebt hatten, trat der Aufer­standene selbst in ihre Mitte und wünschte ihnen den Friedensgruß.

Die Erzählgemeinschaft der Jünger ist ein schönes Bild für die Kirche. Kirche ist die Gemeinschaft von Menschen, die einander erzählen, was sie erlebt, was sie gesehen und erkannt haben.

Die einen erzählen, was sie selbst erlebt haben, die andern berufen sich auf die Erfahrun­gen Dritter, so wie die Jünger in Jerusalem, die von der Erscheinung des Auferstandenen berichten, die dem Si­mon widerfahren ist.

Auf unserem Weg machen wir alle unsere Erfahrungen. Wenn es Erfahrungen sind, die die Augen öffnen und das Herz brennen machen, dann be­gegnet uns darin der Auferstandene. Auferstehung ge­schieht für Lukas immer dort, wo unser Herz im Inner­sten berührt wird, oder, wie es Paul Tillich ausdrückt, wo uns etwas „unbedingt angeht“.

Es sind alltägliche Er­fahrungen: Gespräche, Begegnungen, Mahlzeiten, Brot­brechen, Spaziergänge, gemeinsame Unternehmungen. Wir sprechen viel miteinander und treffen immer wieder Menschen. Aber oft bleibt das Gespräch bloßes Gerede und das Treffen bloßer Kontakt.

Wo wirklich ein Gespräch entsteht, wo einer dem ändern die Augen öffnet, wo beim Gespräch das Herz zu brennen beginnt, da geschieht Auf­erstehung, da begegnen wir letztlich dem Auferstande­nen selbst, der uns in der Gestalt eines Mitwanderers er­scheint.

Heute erzählen manche allzu plakativ von ihren Gottes­erfahrungen. Da wird man an geistliche Prostitution er­innert.

Die Jünger berichten einander auf andere Weise. Es sind sehr verhaltene Worte.

Sie sprechen von Gesche­henem. Und das Geschehene ist ganz nüchtern. Aber sie deuten das Geschehen aus dem Glauben heraus, weil sie in dem, was sie erlebt haben, Christus selbst erkannt haben. Sie drängen einander ihre Erfahrungen nicht auf. Aber sie bekennen, dass der Herr wirklich auferstanden ist. Sie stehen zu ihren Erfahrungen. Dadurch können auch die ändern daran teilnehmen. So entsteht wirkliche Ge­meinschaft von Glaubenden, von Menschen, die Gott er­fahren haben.

Wenn Menschen ehrlich und zugleich be­hutsam und achtsam von dem erzählen, was sie auf ih­rem Weg erlebt und wie sie es für sich gedeutet und ver­standen haben, steht auf einmal der Auferstandene selbst in ihrer Mitte. Dann wird das Gespräch zur Erfahrung von Auferstehung. Es entsteht eine Dichte, in der wir das Ei­gentliche berühren, in der Gottes Gegenwart greifbar er­scheint.

Augustinus berichtet so vom Gespräch mit sei­ner Mutter Monika. Auf einmal stand die Zeit still und sie berührten Gott.

Lukas steht in der Tradition der großen griechischen Erzähler. Er kann so erzählen, dass unsere Augen sich öffnen und unser Herz warm wird. Was möchtest Du den Menschen erzählen, die Dir lieb geworden sind? Hast Du Dir in Deinem Herzen schon oft überlegt, was Du Deinem Freund oder Deiner Freundin sagen möchtest, und hast es doch immer wieder zurück­gestellt?

Auferstehung würde bedeuten, dass Du zu dem inneren Impuls stehst, der Dich drängt, mit dem ändern zu sprechen. Wenn Du es wagst, das zu sagen, was sich in Deinem Herzen schon seit langem geformt hat, wirst Du erfahren, wie eine neue Beziehung entsteht, wie die Herzen zu brennen beginnen, wie der Auferstandene selbst in Dir spricht.