Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 23.04.

Von | 23. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Donnerstag der 2. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 5, 27 – 33
Evangelium: Johannes 3, 31 – 36

 Jesus geht mit den Jüngern „hinein, um bei ihnen zu blei­ben“. (Lk 24,29)

Das ist der Sinn der Auferstehung nach Lukas, dass Jesus überall dort, wo wir wandern, mit uns wandert und dass er überall dort, wo wir einkehren, mit uns Mahl hält. Und für Lukas ist gerade die Eucharistie der Ort, an dem wir dem Auferstandenen begegnen. Das schildert er eindrucksvoll: „Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.“ (Lk 24,30f)

Jesus ist Gast bei den Jüngern. Aber er han­delt hier als Hausvater, indem er selbst das Brot nimmt, den Tischsegen spricht, das Brot bricht und es austeilt. An der Art, wie Jesus das tut, erkennen die Jünger offen­sichtlich den Auferstandenen.

Und künftig ist für sie das tägliche Brotbrechen der Ort, an dem sie den Auferstan­denen unter sich wissen.

In jedem Brotbrechen, in jeder Eucharistie ist es der auferstandene Jesus selbst, der den Jüngern das Brot bricht und der ihnen seine Liebe er­weist. Und die Jünger reagieren auf die Gegenwart Jesu immer mit Ereude: „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hiel­ten miteinander Mahl in Ereude und Einfalt des Herzens.“ (Apg 2,46)

Kein anderer Evangelist hat von so vielen Mahlzeiten be­richtet wie Lukas.

Immer wieder hält Jesus Mahl mit den Jüngern, mit den Pharisäern, mit den Sündern und Zöll­nern. Die Eucharistie ist für Lukas Fortsetzung der vielen Mahlzeiten, die Jesus mit den Menschen gehalten und bei denen er ihnen Gottes Güte und Menschenfreundlich­keit sichtbar gemacht hat. Eucharistie heißt, dass Chri­stus selbst wieder unter uns ist. Er spricht zu uns und deutet uns unser Leben. Wir dürfen die Gemeinschaft mit ihm erfahren und uns daran freuen.

Aber wir sehen ihn nicht. Lukas beschreibt die Unsichtbarkeit Jesu mit ei­nem typisch griechischen Ausdruck: „Er wurde vor ihnen unsichtbar“. (Lk 24,31)

Gott erscheint uns und zugleich entzieht er sich unseren Augen. Den Jüngern gehen die Augen auf. Sie erkennen in dem Mann, der ihnen das Brot bricht, Jesus selbst. Und zugleich sehen sie ihn nicht mehr. Sie sehen ihn mit inneren Augen.

Eucharistie heißt, dass wir mit diesen inneren Augen schauen. Dann werden wir im Mahl, das wir halten, in dem Brot, das wir einan­der brechen, den Auferstandenen selbst unter uns sehen.

Wenn Du heute Gelegenheit hast, eine Eucharistiefeier zu besuchen, dann stelle Dir vor, dass Jesus, der Aufer­standene, selbst gegenwärtig ist. Er selbst bricht das Brot. Er spricht Worte der Liebe zu Dir. Öffne diesen Worten Dein Herz, damit es genauso zu brennen beginnt wie das Herz der Emmausjünger.

Und wenn der Priester das ge­brochene Brot bei der Kommunion in Deine Hand legt, stelle Dir vor, dass es Dir der Auferstandene reicht, um all das Gebrochene und Zerbrochene in Dir zu heilen und zu verbinden, um die Brüche in Deiner Lebensgeschichte zu einer Spur der Lebendigkeit umzuformen.

Ich wün­sche Dir, dass Dir die Augen aufgehen und Du Jesus selbst erkennst, der sich Dir im Zeichen des Brotes schenkt, um sein Leben mit Dir zu teilen und Dein Herz durch Seine Liebe zum Brennen zu bringen.