Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 21.04.

Von | 21. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Dienstag der 2. Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 7, 51 – 8, 1a
Evangelium: Johannes 6, 30 – 35

Die schönste Ostergeschichte erzählt uns Lukas. Er be­schreibt, wie zwei Jünger sich enttäuscht von Jerusalem abwenden. Sie gehen weg vom Ort ihrer Enttäuschung.

Sie möchten mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Aber sie sprechen noch miteinander. Sie tauschen sich über das aus, was sich ereignet hat. Sie möchten im Gespräch erforschen, warum das alles so geschehen ist und welche Bedeutung es wohl für sie haben könnte. Weil sie nicht einfach verstummt sind und die Augen nicht vor dem verschließen, was geschehen ist, kann Jesus in ihr Gespräch eingreifen und es in eine andere Richtung führen. Aber Jesus hat es nicht leicht mit ihnen.

Lukas beschreibt uns den Zustand dieser Jünger. Sie sind zwar nicht blind, aber dennoch sind ihre Augen gehalten. Sie erkennen Jesus nicht. Sie glauben auch den Frauen nicht, die sich auf eine Engelserscheinung berufen. Jesus wirft ihnen vor, sie seien unverständig und in ihrem Herzen langsam. Weil sie ohne Verstand sind, verstehen sie nicht, was in Jerusalem geschehen ist.

Langsam im Herzen sein, das meint wohl, dass ihr Herz träge ist, dass es sich keine anderen Lösungen vorstellen kann als die gewohnten. Sie sind schwerfällig und begreifen das Neue und Ungewöhn­liche der Auferstehung nicht.

Jesus verwandelt diese langsamen und unverständigen Jünger, indem er sie erst einmal erzählen lässt. Er fordert sie heraus, dass sie ihre Sicht der Dinge darlegen.

Sie be­ginnen mit einem Vorwurf an Jesus, ob er der einzige sei, der jetzt zu Ostern als Gast in Jerusalem war und nicht mitbekommen hat, was da geschehen sei.

Die Kreuzigung Jesu, so meinen sie, sei doch Stadtgespräch gewesen. Und dann erzählen sie ihre Sichtweise. Sie hatten auf Jesus all ihre Hoffnung gesetzt.

Denn er war ein Prophet, mäch­tig in Werk und Wort. Sie hatten gehofft, dass er Israel erlösen werde. Aber jetzt ist schon der dritte Tag seit seinem Tod. Am dritten Tag löst sich die Seele vom Leib. Also ist keine Hoffnung mehr, dass er aus den Fesseln des Todes entrissen werden könnte. Jesus lässt sie erzählen, wie sie alles erlebt haben und wie sie die Sache sehen. Aber dann fängt er zu reden an. Er nimmt ihre Informa­tionen und ihre Gefühle ernst. Aber er konfrontiert sie mit den Worten der Schrift.

Und von da her kann er ihnen eine andere Sichtweise vermitteln. Er deutet ihnen das Schicksal Jesu als schriftgemäß. Es war notwendig, dass Jesus leiden musste.

Aber es war nur der Durchgang zu seiner Auferstehung. Die Jünger hören zu, anfangs un­gläubig. Aber die Worte Jesu treffen sie ins Herz. Sie bit­ten ihn, bei ihnen zu bleiben.

Hier wird ein wichtiges Motiv der lukanischen Auf­erstehungserzählung sichtbar.

Der Auferstandene geht unsere Wege mit. Wenn wir auf dem Weg sind, wenn wir nicht einfach stehen bleiben, dann ist der Auferstandene an unserer Seite. Und wir können zu ihm sprechen. Wir können ihm alles sagen, was wir in unserem Leben nicht verstehen. Er wird es uns deuten und uns von der Schrift her eine neue Sichtweise vermitteln. Der Auferstandene lässt sich bitten, bei uns zu bleiben, wenn es für uns Abend wird, wenn es in uns und um uns herum dunkel wird. Er geht mit uns dort hinein, wo wir einkehren, um mit uns zu sein. Das ist wohl die tröstliche Botschaft in dieser Erzählung: „Er ging mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.“ (Lk 24,29)

Stelle Dir vor, dass der Auferstandene heute alle Deine Wege mitgeht, dass er neben Dir ist, wenn Du zur Arbeit gehst, dass er Dich auf Deinem Spaziergang begleitet, dass er an Deiner Seite ist, wo Du auch bist! Wenn Du Dein Leben nicht verstehst, dann frage ihn, was das alles be­deuten soll! Halte ihm Deine Enttäuschungen hin! Viel­leicht entdeckst Du dann auch einen tieferen Sinn in all dem, was mit Dir und um Dich herum geschieht.