Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 20.04.

Von | 20. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Montag der 2. Osterwoche

1. Lesung: Apostelgeschichte 6, 8 – 15
Evangelium: Johannes 6, 22 – 29

Die beiden Männer in leuchtenden Gewändern, die den Frauen im Lukas-evangelium am Grab begegnen, stellen die provozierende Frage: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstan­den.“ (Lk 24,5f)

Es ist ein Sprichwort, das die beiden himm­lischen Gestalten den Frauen Vorhalten. Lukas schildert im 24. Kapitel seines Evangeliums, wie der Osterglaube der Jünger langsam wächst und wie auch unser Glaube an die Auferstehung wachsen kann. Auch wir beginnen vermutlich wie die Frauen damit, dass wir den Auferstan­denen dort suchen, wo wir ihn zuletzt gesehen haben, in seinem Grab.

Während die Frauen zum Grab gehen, zum Ort des Schreckens, wenden sich die Emmausjünger ab. Sie fliehen vom Ort ihrer Enttäuschung. Die Frauen wie auch die Emmausjünger kehren um und treffen sich in Jerusalem. Während sie noch reden, erscheint ihnen der Auferstandene leibhaft. Er isst mit ihnen und er spricht zu ihnen.

Er führt sie hinaus in die Nähe von Betanien und wird vor ihren Augen in den Himmel erhoben. Jetzt erst sind die Jünger wirklich zum Glauben gekommen. Und jetzt singen sie in großer Freude das Lob Gottes.

Man spürt, wie feinfühlig Lukas das Wachsen des Oster­glaubens beschreibt. Am Anfang steht die Suche nach dem Leichnam. Das ist verständlich, aber es führt nicht zur Erfahrung des Auferstandenen.

Wir suchen das Leben oft bei den Toten. Wir wollen es finden in den toten Buchstaben des Gesetzes. Wir meinen, es sei Leben, wenn wir alle Gebote erfüllen, wenn wir alles richtig machen. Ich kenne eine Frau, die seit ihrer Kindheit immer nur fragt: „Mache ich es auch richtig? Ist das richtig so?“ Aber mit dieser Frage nach dem Richtigsein kommt sie nicht zum Leben. Sie sucht den Lebenden bei den Toten. Andere suchen das Leben im Bereich des Geldes und Besitzes.

Aber das sind nur lauter tote Dinge. Jesus fordert den jungen Mann, der ihm nachfolgen möchte, auf: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ (Lk 9,60)

Geld, Besitz, Macht, Anse­hen, das ist alles tot. Das sollen wir begraben, es tot sein lassen. Wir sollen uns dem Leben zuwenden, dem Reich Gottes. Leben wird erst zum wirklichen Leben, wenn Gott darin vorkommt, wenn Gott darin herrscht, wenn Gottes Licht und Liebe sich darin ausdrücken.

Tot ist auch der junge Mann, der sein Erbe verschleudert und ein zügelloses Leben führt, der seinen Hunger mit Futterschoten stillt, mit billigem Zeug, das nicht wirk­lich nährt. Äußeres Vergnügen, ohne Zucht leben, sich gehen lassen, sich den Launen überlassen, das ist für Lukas alles tot. Dort können wir das Leben nicht finden. Erst als der Sohn umkehrt und in das Haus zurückkehrt, in dem er wirklich zu Hause ist, da wird er wieder leben­dig. Der Vater lässt ein Fest des Lebens feiern: „Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“ (Lk 15,24)

Im Bereich des To­des finden wir das Leben nicht.

Die beiden himmlischen Boten zeigen den Frauen einen Weg, wie sie den Leben­den finden können. Sie verweisen sie auf die Worte Jesu: „Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Sündern aus­geliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auf­erstehen.“ (Lk 24,6f)

Die Erinnerung an die Worte Jesu lässt die Frauen an die Auferstehung glauben.

In den Wor­ten Jesu finden sie das Leben. Wenn sie sich seiner Worte erinnern, oder wie das lateinische „recordamini“ es aus­drückt, wenn sie die Worte im Herzen erwägen, sie ins Herz zurückbringen, dann geht ihnen das Geheimnis der Auferstehung auf.

Wo suchst Du den Lebenden bei den Toten? Was solltest Du begraben, weil es längst tot ist? Vielleicht fallen Dir vergangene Konflikte ein, Verletzungen, die immer noch kränken, Enttäuschungen, die Dich verbittern. Schreibe alles auf, was tot ist in Dir und vergrabe es im Garten oder in einem Blumentopf.
Säe darauf Blumensamen, damit auf dem Grab Deiner Verletzungen neues Leben aufblühen kann. Die Blumen wollen Dich daran erinnern, dass Du nicht immer neu im Grab Deiner verwundeten Lebensgeschich­te wühlen sollst. Sonst könnte nie etwas auf dem Grab Deiner Vergangenheit zum Blühen kommen.