Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 19.04.

Von | 19. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

2. Sonntag der Osterzeit

1. Lesung: Apostelgeschichte 2, 42 – 47
2. Lesung: 1. Petrusbrief 1, 3 – 9
Evangelium: Johannes 20, 19 – 31

Bei Markus und Matthäus fordert der Engel die Frauen auf, sie sollten den Jüngern sagen: „Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort wer­det ihr ihn sehen.“ (Mt 28,7) Die Jünger sollen wieder heim nach Galiläa gehen. Nicht in der heiligen Stadt Jerusalem werden sie ihm begegnen, sondern dort, wo sie daheim sind, dort, wo sie leben und arbeiten, mitten in ihrem Alltag. Galiläa war das Land, in dem Juden und Heiden gemeinsam wohnten. Galiläa steht daher nicht nur für den Alltag, sondern für das „Mischvolk“, für das Gemisch, aus dem auch unser Leben zusammengesetzt ist. Unser Leben ist Galiläa. In uns wohnen Juden und Heiden ver­mischt zusammen, in uns ist Gottesnähe und Gottesferne, Glaube und Unglaube, Liebe und Hass, Lebendigkeit und Starre, Licht und Dunkelheit nebeneinander. Und auch wir wohnen mit Menschen zusammen, die Gott suchen, und mit Menschen, die sich um Gott nicht kümmern, mit Menschen, die wir lieben, und mit ändern, mit denen wir uns schwer tun.

Mitten in diesem Gemisch unseres Galiläa werden wir den Auferstandenen schauen. So verheißt uns der Engel. Der Engel wendet sich an unsere Augen. Mit unseren Augen werden wir den Auferstandenen sehen. Es geht nicht zu­erst ums Hören, sondern ums Schauen. Es braucht neue Augen, um den Auferstandenen mitten in unserem Leben zu erkennen. Wir werden den Auferstandenen schauen, wenn wir in ein menschliches Antlitz sehen, in dem der Schmerz der Freude weicht, in dem Hoffnung und Zuver­sicht aufleuchten. Wir werden den Auferstandenen sehen, wenn wir beobachten, wie ein Konflikt sich löst, wie sich die Atmosphäre bei einem Gespräch entspannt, wie Men­schen sich miteinander versöhnen. Auferstehung will also geschaut werden, obwohl sie von den Evangelisten als et­was Unsichtbares, Nicht-Beobachtbares beschrieben wird. Auferstehung können wir sehen, wenn wir mit wachen Augen auf die Natur schauen, die im Frühling überall auf­blüht. Nicht umsonst schildern manche Osterlieder nach der Auferstehung auch das Aufblühen der Schöpfung.

Fried­rich Spee dichtet: „Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja, die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja. Der Sonnenschein jetzt kommt herein, Halleluja, Halleluja, und gibt der Welt ein’ neuen Schein. Halleluja, Halleluja.“ In der Blüte, die aufbricht, im grünenden Gras, in der Buntheit der Frühlingswiesen, da schauen wir den Auferstandenen, da wird uns sichtbar, daß das Leben stär­ker ist als der Tod. Nicht umsonst wird der Frühling auch mit der Liebe in Verbindung gebracht. Der Mai ist der Monat der Liebe. Wenn die Natur aufblüht, wenn sich die Vögel paaren und während der Paarungszeit ihre schön­sten Lieder singen, dann bricht auch im Menschen die Sehnsucht nach einer Liebe auf, die alles verzaubert. Schaue heute aufmerksam auf die aufsprießende Natur um Dich herum und erkenne darin die Kraft der Aufer­stehung! Schaue auf die Liebe, die auch in Deinem Leben aufblüht! Der Auferstandene ist auch Dir vorausgegan­gen. Er ist schon in Deinem Leben, in Deinem Galiläa. Du brauchst nur die wachen Augen, die den Auferstandenen mitten im Gemisch Deines Lebens entdecken. Wenn Du ihn siehst, dann ist Dein Galiläa verwandelt, dann ist Auferstehung mitten in Deinem Leben.