Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 17.04.

Von | 17. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Freitag in der Osterwoche

Lesung: Apostelgeschichte 5, 34 -42
Evangelium: Johannes 6, 1 – 15

Das Neue Testament hat als Lieblingswort für die Aufer­stehung das griechische „egeiren“ oder „egerte“. Es bedeu­tet: „aufwecken, aufrichten, aber auch aufstehen, sich aufrichten“.

Das Griechische kennt noch ein anderes Wort für Auferstehung: „anastasis“.
Es meint mehr das aktive Auf­stehen, während im Wort „egeiren“ das Handeln Gottes im Mittelpunkt steht. Gott hat Jesus vom Tode auferweckt.
In den Predigten der Apostelgeschichte sprechen Petrus und Paulus immer wieder davon, dass Gott Jesus nicht der Ver­wesung preisgegeben, sondern ihn auferweckt hat von den Toten: „Ihr habt Jesus durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.“ (Apg 2,23f)

Auferstehung ist aktives Handeln Gottes an seinem Sohn Jesus Christus.
Weil Gott zu seinem Sohn steht, dar­um befreit er ihn aus der Macht des Todes.
Weil Jesus auch im Tod in Gottes Hand ist, entreißt ihn die gütige Hand des Vaters aus den Fesseln des Todes.
Gott, der Jesus vom Tode erweckt hat, wird auch uns auferwecken. Auch von uns gilt, dass wir im Leben und im Tod in Gottes Hand sind.
Jesus, der gute Hirte, ver­heißt uns, dass niemand uns der Hand seines Vaters ent­reißen kann. (Joh 10,29) Der Tod hat keine letzte Macht mehr über uns. Die Hand des Vaters ist stärker.

Aber den­noch ist Jesus gestorben, und auch wir werden sterben.
Aber der Tod ist nichts Endgültiges. Gott wird uns aus dem Schlaf des Todes erwecken, damit wir gemeinsam mit Christus auferstehen zum ewigen Leben.
Wir werden nicht aus eigener Kraft auferstehen, sondern weil der Va­ter uns auferweckt, weil Gott selbst liebevoll an uns han­deln wird.
Aber das Auferwecktwerden bezieht sich nicht nur auf den Tod am Ende unseres Lebens. Wir fallen schon hier immer wieder in den Schlaf des Todes. Viele Menschen leben wie im Schlaf. Sie leben in einer Welt voller Illusio­nen. Sie machen sich etwas vor. Sie sind nicht in Berüh­rung mit der Wirklichkeit.

Der indische Jesuit de Mello meint, Mystik sei Aufwachen zur Wirklichkeit. Wer Gott erfährt, der wird wach. Die Mystik spricht nicht nur von den Erleuchteten, die ganz und gar von Gottes Licht durchdrungen wurden, sondern auch von den Erweck­ten, Erwachten, von Menschen, die durch ihren spirituel­len Weg frei geworden sind von den Illusionen, die sie sich über ihr Leben gemacht haben.
Weil sie Gott begeg­net sind, sind sie wach geworden. Gott selbst hat sie auf­geweckt, wach gerüttelt.
Manchmal ist dieser Prozess des Erwachens schmerzlich. Auch morgens wehren wir uns ja oft dagegen, aufzuwachen und aufzustehen. Es wäre noch viel schöner, weiter zu dösen, weiter in den Traumbildern zu leben.

Romano Guardini erzählt von seiner Jugendzeit, dass er da gleichsam unter einer Decke gelebt hat. Er lebte in einer eigenen Welt ohne wirklichen Bezug zur Realität. Erst während des Studiums wachte er auf und stellte sich der Wirklichkeit.
Es gibt viele Menschen, die solche Pha­sen durchlaufen, in denen sie nicht wirklich leben, son­dern in einer Traumwelt wandeln, in einer unwirklichen Welt ohne Beziehung zur realen Welt.

An die Auferweckung Jesu glauben heißt, Gott darum zu bitten, dass er uns aufwecken möge aus unserem Schlaf, dass er uns die Augen öffnen möge, damit wir die Wirklichkeit erkennen. Es gibt viele Arten von Schlaf, aus denen Gott uns auf­weckt.
Da ist der Schlaf der Sicherheit. Wir wiegen uns in Sicherheit. Wir machen uns etwas vor und sehen nicht, dass wir in Gottes Hand sind und nicht in unserer eige­nen.
Da ist der Schlaf als Flucht vor der Realität. Es gibt Menschen, die immer dann, wenn es für sie unangenehm wird, einschlafen. Sie sind ständig müde und flüchten sich in den Schlaf. Sie können die Wirklichkeit nicht aushalten. Eine Lehrerin musste ihren Beruf aufgeben, weil sie morgens einfach nicht aus dem Bett kam. Das Über­hören des Weckers war offensichtlich eine unbewusste Flucht vor der harten Realität, Widerstand gegen das, was das Leben von ihr verlangte.
Versuche heute, wach durch den Tag zu gehen! Beobach­te Dich, wo Du Dich in Illusionen flüchtest, wo Du Dich in den Schlaf zurückziehst! Mach die Augen auf! Schau die Wirklichkeit an, wie sie ist! Wache auf und stehe auf!

Lebe achtsam, aufrecht, auferstanden!