Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 16.04.

Von | 16. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Donnerstag in der Osterwoche

Lesung:                          Apostelgeschichte 5, 27 -33
Evangelium:                  Johannes 3, 31 – 36

Auferstehung hat etwas zu tun mit Aufstehen. Viele blei­ben lieber im Grab ihrer Angst und Resignation, ihrer Enttäuschungen und Verletzungen liegen. Sie haben sich im Grab eingerichtet, weil sie Angst vor dem Leben ha­lten. Aufstehen heißt immer auch, dass ich verletzt wer­den kann.

Wenn ich aufstehe, muss ich mich dem Leben stellen. Aber davor haben viele Angst. So bleiben sie lieber liegen.

Das griechische Wort für „Aufstehen = egeiren“ wird sowohl für die Auferstehung Jesu gebraucht als auch für die vielen Heilungsgeschichten, in denen Jesus die Kranken auffordert, aufzustehen und herumzugehen.

In diesen Heilungsgeschichten geschieht auch Auferstehung. Da bekommen Menschen Mut, sich von den Fesseln ihrer Angst zu lösen, sich von ihren Hemmungen und Blocka­den nicht mehr ans Bett fesseln zu lassen, sondern auf­zustehen, das Bett unter den Arm zu nehmen und her­umzugehen. (Vgl. Joh 5,1-10) Lukas berichtet nicht nur die Heilungsgeschichten Jesu, sondern auch die der Apo­stel. In ihnen setzt sich das Geheimnis der Auferstehung in den Jüngern fort.

Lukas will uns zeigen, dass die Aufer­stehung nicht ein einmaliges Ereignis war, sondern dass wir im Glauben an die Auferstehung Jesu selbst immer wieder Auferstehung an uns erleben und andere zum Leben wecken dürfen.

In Apg 3 erzählt Lukas, wie Petrus und Johannes um die neunte Stunde, also die Todesstunde Jesu, in den Tem­pel zum Beten gehen. „Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war.“ (Apg 3,2) Als dieser Mann auch die Apostel um Almosen anbettelt, sagt Petrus zu ihm: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher! Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher.“ (Apg 3,6-8)

In der Kraft Jesu vermögen die Jünger den von Geburt an Gelähmten aufzurichten. Der Reichtum, den die Jünger verschenken können, ist der Glaube an den Auferstandenen. Und dieser Glaube kann auch ande­re zur Auferstehung führen. Er ermutigt sie, ihre Hem­mungen loszulassen und der Kraft zu trauen, die Gott ihnen geschenkt hat. Bei dem Gelähmten drückt es sich darin aus, dass er nun im Tempel umherspringt und Gott lobt. Es entsteht ein Auflauf. Und nun ereignet sich auch in Petrus Auferstehung. Er traut sich, vor allem Volk eine Rede zu halten. Dieser ungelehrte Mensch verkündet den Umstehenden die Frohe Botschaft von der Auferstehung: „Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.“ (Apg 3,15) Jesus ist der Urheber des Lebens. Wer an ihn glaubt, der findet in ihm das wahre Leben. Petrus schließt seine Predigt mit den Worten: „Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.“ (Apg 3,26) Das Ziel der Auferstehung Jesu ist, dass die Menschen durch ihn gesegnet werden und einen neuen Weg gehen, den Weg des Lebens und nicht mehr den alten Weg der Bosheit.

Die Erfahrung der Auferstehung geht weiter. Petrus und Johannes werden von der Tempelwache festgenommen und ins Gefängnis geworfen. Am nächsten Tag werden sie vernommen. Petrus ist ohne Angst. Man spürt seinen Worten an, dass er voller Freude ist über die Auferste­hung, die er nicht nur an Jesus, sondern auch an dem Gelähmten und an sich selbst erfahren durfte. Er lässt sich von den Sadduzäern nicht einschüchtern.

Die merken den Freimut aus seinen Worten, die innere Freiheit, die die Heilung im Namen des gekreuzigten und auferstandenen Herrn in ihm bewirkt hat. Die Führer des Volkes wollen ihm jede Predigt verbieten. Aber Petrus antwortet mit der gleichen Freiheit, mit der er von der Auferstehung Jesu gesprochen hat: „Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst. Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apg 4,19f) Die Erfahrung der Auferste­hung lässt sich nicht durch Drohungen verbieten.

Trau der Kraft der Auferstehung! Schüttle Deine Lähmungen und Hemmungen ab! Steh auf und geh Deinen Weg, ohne Angst, was Menschen über Dich denken könnten!

Wenn Du vor einer Aufgabe Angst hast, sage Dir das Wort Jesu: „Steh auf, nimm Dein Bett und geh!“ Nimm Deine Angst unter den Arm, und geh auf das Problem zu! Nimm es in die Hand! Dann wirst Du Auferstehung erleben. Du kannst gehen. Die Kraft der Auferstehung ist in Dir. Du brauchst Dich nicht anzustrengen, aufzustehen. Du musst nur der Auferstehung trauen, die Christus auch in Dir bewirken möchte.