Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit – 15.04.

Von | 15. April 2020

Dechant Hardt stellt uns in seiner Serie „Meditationen zu den Eucharistiefeiern in der Osterzeit“ jeden Tag einen neun Impuls vor, angelehnt an die Schrifttexte des Tages und Betrachtungen des Benediktinermönchs Anselm Grün.

Ostermittwoch

Lesung: Apostelgeschichte 5, 17 -26
Evangelium: Johannes 3, 16 – 21

In der Auferstehungsgeschichte des Matthäus bewachen römische Soldaten das Grab Jesu. Die Hohenpriester und Pharisäer haben Angst, dass das Wort Jesu von seiner Auf­erstehung wahr werden könne. So wollen sie sich absi­chern und bitten Pilatus, dass er das Grab bewache. Pilatus antwortet ihnen: „Ihr sollt eine Wache haben. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt. Darauf gingen sie, um das Grab zu sichern. Sie versiegelten den Eingang und lie­ßen die Wachen dort.“ (Mt 2 7,65f) Doch als der Engel des Herrn vom Himmel herabsteigt und den Stein wegwälzt, da beginnen die Wächter „vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden“. (Mt 28,4) Gegen Gott kann man sich nicht absichern. Da kann man das Grab noch so sehr ver- siegeln und bewachen. Wenn Gott in unser Leben eingreift, dann fallen die Wächter des Todes zu Boden. Gott lässt sich nicht einschließen in ein Grab.

Die Wächter, die den Toten bewachen, damit er nicht zum I eben kommt, fallen wie tot zu Boden, während der Tote zum Leben aufersteht. Das ist das Paradox der Auferste­hung. Wir kennen in uns solche Todeswächter. Sie achten darauf, dass alles beim alten bleibt, dass an unseren Grund­sätzen nicht gerüttelt wird. Die Wächter wachen über unsere Prinzipien. Was wir uns in den Kopf gesetzt ha­ben, das muss so sein. So haben die Pharisäer gedacht. Aber sie haben nicht mit Gott gerechnet. Sie haben of­fensichtlich Angst davor, dass ihre Vorstellungen doch nicht der Realität entsprechen. So wollen sie mit aller Gewalt ihre Ideen durchsetzen. Sie brauchen Soldaten, um ihre Macht zu festigen. Angst führt immer dazu, Wäch­ter aufzustellen und Soldaten für sich kämpfen zu las­sen.

Auch in uns gibt es diese Angst. Wir haben oft Angst vor dem Leben, so wie es ist. Wir wollen das Leben in die Muster pressen, die uns passen. Wir haben Angst vor Gott, dass er ganz anders handelt, als wir uns das wünschen. So setzen wir auch in unserem religiösen Leben Wächter vor unsere Glaubensgrundsätze. An ihnen darf nicht ge­rüttelt werden. Wir sichern uns gegen Gott ab. Aber der Gott der Auferstehung verwirft all unsere Grundsätze. Wenn Gott in unser Leben einbricht, dann entsteht ein Erdbeben. Dann fallen die Todeswächter zu Boden.

Diese Todeswächter sind aber nicht nur in uns. Es gibt sie in der Welt zur Genüge. Es sind immer die, die ihre Macht zementieren wollen, die sie durchsetzen wollen, koste es, was es wolle. Die Pharisäer benutzen die Lüge, um an der Macht zu bleiben. Als die Wächter die Aufer­stehung Jesu nicht verhindern können, da werden sie von den Hohenpriestern bestochen, dass sie die Wahrheit nicht weiter sagen. Sie sollen falsche Gerüchte ausstreuen, nur damit nicht an der Macht und an der Überzeugung der Hohenpriester gerüttelt wird. So gibt es viele Tyrannen, die die Wahrheit verdrehen und das Grab ihrer Völker bewachen lassen, damit kein Prophet aufsteht, um diese Macht in Frage zu stellen. Die Grabeswächter stehen für die politische Dimension der Auferstehung. Auch wenn politische Parteien, wenn Tyrannen, wenn machtbeses­sene Führer das Grab ihrer Länder noch so sehr bewa­chen, es wird ihnen nicht gelingen. Gottes Macht ist stär­ker. Sie wird das Leben auferwecken. Sie wird wie ein Erdbeben einbrechen in die zementierte Menschenmacht und wird keinen Stein auf dem ändern lassen. Dann ha­ben die Todeswächter keine Chance. Sie können nicht ver­hindern, dass das Leben siegt, dass die Wahrheit aufersteht. Wo sind Deine Todeswächter? Warum willst Du manche Gedanken nicht zulassen? Warum versteckst Du Dich hin­ter Normen und Prinzipien? Halte Deine Todeswächter in das Licht des Auferstehungsengels! Er wird sie zu Boden werfen, damit Du auferstehen kannst.