Impuls vom Samstag, 04.04.2020

Von | 4. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung:

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied: Taizé – Il Signore ti ristora

YouTube zum Mitsingen:

Hinweis: Bei diesem Lied handelt es sich wieder um einen Taizé-Gesang. Das Charakteristikum dieser Gesänge ist die oftmalige, meditative Wiederholung

Übersetzung: Der Herr gibt dir neue Kraft. Gott verstößt dich nicht. Der Herr kommt, um bei dir zu sein.

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes:

Da beriefen die Hohenpriester und die Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates ein. Sie sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen. Einer von ihnen, Kajaphas, der Hohepriester jenes Jahres, sagte zu ihnen: Ihr versteht überhaupt nichts. Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. Das sagte er nicht aus sich selbst; sondern weil er der Hohepriester jenes Jahres war, sagte er aus prophetischer Eingebung, dass Jesus für das Volk sterben werde. Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten.

Impuls

Jetzt ist es passiert. Das Lebensbuch Jesu auf dieser Erde, mit diesem Gespräch ist es geschlossen worden. Die Leseordnung der Kirche präsentiert uns an diesem Samstag das Todesurteil Jesu. Was dieses Evangelium nicht liefert ist eine gute Begründung für seinen Tod. Die gibt es nämlich nicht. Lieber der unschuldige Jesus stirbt, damit sich seine Bewegung nicht weiter ausbreitet, als dass die geliebte Ordnung im Land durcheinanderkommt. Jesus wurde geopfert. Er wurde machtpolitischem Kalkül geopfert, wie ein x-beliebiges krankes Rind aus einem x-beliebigen Stall, das man nun leider um der Gesamtgesundheit willen notschlachten muss.

Was haben sich diese Leute bloß geirrt! Nur mit einem Verdacht hatte Kajaphas recht. Die Sache Jesu ließ sich nicht mehr aufhalten, sie hat die ganze bis dahin bekannte Welt verändert. Auch wenn das Lebensbuch zugeschlagen wurde, es sind unzählige Geschichten aus dieser Geschichte entstanden. Gott hat dieses Opfer zugelassen, um so vieler neuer Lebensgeschichten willen, die nur aus Jesu Lebensbuch entstehen konnten.

Szenenwechsel

Mit einer Gruppe Jugendlicher gehe ich schweigend von Baracke zu Baracke. Wir sind in Auschwitz, in der Austellung im Konzentrationslager I. Viele Nationalitäten haben mittlerweile eigene Gedenkorte in der großen Ausstellung geschaffen, so auch Italien. Wir haben schon unfassbar viel und unfassbar Unverständliches gesehen. Aber in die italienische Ausstellung gehen wir noch rein. Dort hängt ein Foto, das Soldaten bei der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau gemacht haben. In eines der

bekannten Holzbetten hat wohl ein italienischer Gefangener – eines der millionen unschuldiger Opfer – folgenden Satz mit einem scharfen Gegenstand eingeritzt: „Il Signore ti ristora. Dio non alontana. Il Signore viene ad in contrati. Viene ad in contrati. (Der Herr gibt dir neue Kraft. Gott verstößt dich nicht. Der Herr kommt, um bei dir zu sein“

Zeit der Stille

Gebet (Das „Credo aus der Gefangenschaft“ von Dietrich Bonhoeffer)

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. in solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Vater Unser im Himmel….

Segen

† Der Herr segne und behüte uns,

er lasse sein Angesicht über uns leuchten und er führe und geleite uns durch die

Widrigkeiten und inneren Widerstände dieser Tage.

Amen