Impuls vom Palmsonntag, 05.04.2020

Von | 5. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung:

Hosanna dem Sohne Davids!

Gepriesen, der kommt im Namen des Herrn, der König von Israel. Hosanna in der Höhe!

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Heute begehen wir als Gebetsgemeinschaft mit der Christenheit in der ganzen Welt den Eintritt in die Feier der österlichen Geheimnisse.

Christus ist in seine Stadt Jerusalem eingezogen; dort wollte er Leiden und Tod auf sich nehmen, dort sollte er auch auferstehen. Wir folgen als Gebetsgemeinschaft dem Herrn in dieser Heiligen Woche auf seinem Leidensweg und nehmen teil an seinem Kreuz, damit wir auch Anteil

erhalten an seiner Auferstehung und seinem Leben.

(eventuell Palmsegnung)

Wenn Sie noch ungesegnete Palmzweige zuhause haben, können Sie diese gerne an dieser Stelle segnen.

Allmächtiger, ewiger Gott,

segne + diese (grünen) Zweige, die Zeichen des Lebens und des Sieges,

mit denen wir Christus, unserem König, huldigen.

Mit Lobgesängen begleiten wir ihn

in seine heilige Stadt;

gib, dass wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,

der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Evangelium vom Einzug Jesu nach Jerusalem Mt 21, 1-11)

Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir.

Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des

Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

Lied: GL 280 – Singt dem König Freudenpsalmen

YouTube zum mitsingen:

Vorspiel bis 01:08

1) Singt dem König Freudenpsalmen, Völker ebnet seine Bahn. Zion, streu ihm deine Palmen, sieh dein König naht heran. Der aus Davids Stamm geboren, Gottes Sohn von Ewigkeit, uns zum Heiland auserkoren: Er sei hoch gebenedeit.

2) David sah im Geist entzücket den Messias schon von fern, der die ganze Welt beglücket, den Gesalbten, unsern Herrn. Tochter Zion, streu ihm Palmen, breite deine Kleider aus, sing ihm Lieder, sing ihm Palmen, heut beglücket er dein Haus.

3) Sieh Jerusalem dein König, sieh, voll Sanftmut kommt er an! Völker, seid ihm untertänig, er hat allen wohlgetan! Den die Himmel hochverehren, dem der Chor der Engel singt, dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt!

Nach der Feier des Einzugs in Jerusalem gedenkt die Kirche am Palmsonntag schon der Passion. Dies wird in der folgenden Lesung und dem Evangelium des Palmsonntags deutlich.

Lesung aus dem Philipperbrief 2,6-11

Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus

Hier wird – wie angekündigt – in der Kirche die Passion nach Matthäus gelesen. Wenn Sie die Passion an dieser Stelle auch lesen möchten, klicken Sie bitte auf folgenden Link, der Sie zum Text führt:

Impuls

Ich glaube, ich habe mich noch nie so mickrig, schwach und ausgeliefert gefühlt, wie in der gegenwärtigen Krise. Ich fühle mich so hilflos und versklavt an einen Virus, der nicht einmal die lächerliche Größe eines Stecknadelkopfes hat. Mir hat es in diesen Tagen Mut aber gemacht, dass es nicht nur mir, so geht. Jeder ist im Moment in irgendeiner Weise von den Folgen der Corona-Krise betroffen. Wir sitzen alle in einem Boot. Wir alle sind gerade mickrig, schwach und ausgeliefert. Anschaulich wurde dies für mich besonders durch das Auftreten von Papst Franziskus vor ein paar Tagen auf dem leeren Petersplatz. Ein so viel gefeierter und verehrter Mann, der auf der ganzen Welt bekannt ist und das Amt inne hat, die Christenheit durch die Zeit zu führen ist doch auch nur einer von uns.

Mickrig, demütig und ausgeliefert stand er stellvertretend für uns alle auf diesem dunklen, leergefegten Platz. Stumm und demütig sieht er zu dem Gekreuzigten auf dem Pestkreuz auf. Sein Blick schreit nach Hilfe. Als ich diese Szenen im Fernsehen verfolgt habe, habe ich mir nicht die Frage gestellt, ob der Gekreuzigte den flehentlichen Blick des Papstes, den der Menschen, überhaupt sieht, sondern nur die danach, was das Sehen Gottes für uns nun bedeutet. Denn der Blick auf den Gekreuzigten am Pestkreuz zeigt doch noch einmal eindrücklich, was der Philipperbrief formuliert: Gott kennt unsere Kleinheit und

Armseligkeit nicht nur, er hat sie auch in Jesus Christus wahrhaft angenommen. Gott ist Mensch geworden, er „hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein“ (Phil 2,6). Mensch zu werden bedeutet für Gott, sich im Menschen Jesus wie alle anderen ohnmächtig, unfähig und unzulänglich zu fühlen und versklavt zu werden, ja, es bedeutet, die Schwachheit und Armseligkeit des Menschen bis zum widerwärtigsten Ende am Kreuz durchzubuchstabieren. Die Geschichte vom Kreuz Jesu wird ausführlich an diesem Sonntag, am Palmsonntag erzählt. Sie ist zweigeteilt und beginnt mit dem glorreichen Einzug Jesu in Jerusalem. Schon hier erleben wir Jesus als einen Menschen, der dem Hochmut trotzt, indem er seine Ohnmacht betont. Alles um ihn herum ist in Aufruhr und Aufregung. Die Menschen verehren ihn, winken oder rufen ihm zu. Der Weg wird mit weichen Palmzweigen und Kleidern ausgelegt. In all diesem Gedränge und Gemenge vertritt dieser so heiß verehrte Jesus aber keine pompöse Haltung. Sein Auftritt ist schwach, verletzlich, sanftmütig und so friedfertig wie das Fohlen, das neben der Eselin, auf der Jesus reitet, dahinstolpert. Jesus zeigt uns damit: Gott ist in ihm wirklich Mensch geworden, er ist schwach, wie wir! Er trägt unsere Angst und unsere Schwäche mit uns und der Blick auf die Passionsgeschichte zeigt, dass es gerade die Ohnmacht und die Armut ist, die der Herr durchleidet, um uns zu retten und zu erlösen!

Jesus erlebt die größten Tiefen von menschlichem Leid, erntet die größte Verachtung und den mächtigsten Hass, den es auf Erden gibt. Er wird gefangengenommen, verhört, gefoltert, geschlagen, verspottet, mit dem Kreuz auf dem Rücken auf den Berg Golgotha gejagt und dort schließlich ans Kreuz geschlagen, um – bevor man ihm dem qualvollen Tod überlässt – noch zu verhöhnen. Wer, wenn nicht er, hat die hässlichste und erbärmlichste Seite menschlichen Lebens erlebt? Wer, wenn nicht er, weiß, was menschliche Schwäche und Ohnmacht bedeutet? Ja, Jesus geht unsere Armseligkeit mit uns mit und gerade darin, in diesem Tun, erlöst er uns davon. Vom Kreuz aus ruft er uns zu: DAS, was ich hier ertrage und was auch ihr überall auf der Welt ertragen und erleben müsst, hat nicht das letzte Wort! DAS war noch nicht alles! Denn wenn wir schon an diesem Palmsonntag aufmerksam hinschauen, dann wartet hinter dem Gekreuzigten schon das Osterfest am Horizont auf uns.

Lied: GL 773 – Der am Kreuz ist meine Liebe

YouTube zum mitsingen:

(Vorspiel bis 00:58)

1) Der am Kreuz ist meine Liebe, meine Lieb ist Jesus Christ. Weicht von mir, der Sünde Triebe, alles, was nicht ewig ist! Was ihr gebt ist nicht von Gott, und womit ihr lohnt, ist Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu sein mich übe.

2) Der am Kreuz ist meine Liebe. Wovor soll ich fürchten mich! Gottes Sohn, die höchste Liebe, Jesus opfert sich für mich. Schaue, wie er blutend ringt, mit der Sünd und sie bezwingt! Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu sein mich übe.

Fürbitten

Herr, Jesus Christus, wir wollen uns mit unseren Bitten nun an dich wenden und im Vertrauen darauf, dass du uns ganz nahe bist, beten.

1) Mit diesem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Lass uns in den kommenden Tagen die Verbundenheit in dieser besonderen Situation in der geistigen Gemeinschaft mit dir und unseren Mitchristen erfahren und stärke uns damit.

2) Herr, überall auf der Welt erleiden Menschen unwahrscheinliche Schmerzen und Leid. Sie schreien zu dir und hoffen auf Rettung. Schenke besonders diesen Menschen Trost und lass sie deine Gegenwart in ihrer schwierigen Situation spüren.

3) An vielen Stellen kommen mühsam erarbeitete wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen ins Wanken. Viele menschliche Existenzen sind bedroht. Lass uns heute und in der kommenden Zeit eng zusammenrücken, damit wir uns gegenseitig auf vielfältige Weise unterstützen und uns durch diese Krise und ihre Folgen helfen.

4) In Zeiten der Krise lastet ein gewaltiger Druck auf Politikern und anderen

Entscheidungsträgern. Wir wollen dafür beten, dass sie Entscheidungen treffen, die zum Wohl des Menschen beitragen und in der Bekämpfung des Virus effektiv sind.

5) Auch die bereits an Corona oder anderen Krankheiten Verstorbenen wollen wir dir anempfehlen. Führe sie zu dir in deine Ewigkeit und lass sie ruhen in Frieden.

Gebet

Herr, durch dich wissen wir, wie wir zu dir beten können. In diesem Gebet wollen wir dir alles übergeben, was uns bedrückt und Sorgen bereitet.

Vater Unser im Himmel…

Segen

Ganz gleich, wo wir gerade sind, was wir denken und fühlen und wie wir

leben. Wir tun es vor Gottes Angesicht. Er segne und behüte uns im Namen des

Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied – Gott segne dich

YouTube zum mitsingen:

Ich wünsch dir Gottes Segen, ich wünsch dir seine Nähe, seine Kraft, ein reich erfülltes Leben, über dem die Hand des Höchsten wacht, Liebe und Wärme, Gelassenheit in allem, was du tust, dass du auch in Stürmen sicher und im Frieden mit dir ruhst. Ich wünsch dir diesen Segen! Ich wünsch dir Gottes Segen, Geborgenheit in Vater, Sohn und Geist, Glaube wie ein Feuer, das wärmt, und nicht in den Augen beißt, Sehnsucht und Hoffnung, Menschen, die dich in die Weite führen, Freunde, die dich tragen, Gedanken, die die Seele

inspirieren. Ich wünsch dir diesen Segen!

Gott segne dich, behüte dich, erfülle dich mit Geist und Licht.

Gott segne dich! Erhebe dich und fürchte nichts, denn du lebst vor seinem Angesicht, Gott segne dich! Ich wünsch dir Gottes Segen, entfalte alles, was du in dir spürst, die Dinge, die dir liegen, auch wenn du mal gewinnst und mal verlierst. Wag neue Wege, probier dich einfach immer wieder aus, lass dich nicht verbiegen, lebe mutig, offen, geradeaus. Ich wünsch dir diesen Segen! Gott segne dich, behüte dich, erfülle dich mit Geist und Licht.

Gott segne dich! Erhebe dich und fürchte nichts, denn du lebst vor seinem Angesicht, Gott segne dich! Manchmal ist die Hand vor unseren Augen gar nicht mehr zu sehen, und wir hoffen nur noch, dieses Dunkel irgendwie zu überstehen. Doch kein Schatten, den wir spüren, kann das Licht in uns zerstören!

Gott segne dich, behüte dich, erfülle dich mit Geist und Licht.

Gott segne dich! Erhebe dich und fürchte nichts, denn du lebst vor seinem Angesicht, Gott segne dich!