Impuls vom Montag, 06.04.2020

Von | 6. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung:

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied: Taizé – Behüte mich Gott

YouTube zum mitsingen:

Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 42, 5a.1-7)

So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist: Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

Impuls

Kennen Sie das? Die Flamme der Kerze wird kleiner, man kann ihr zusehen, wie sie langsam ausgeht. Dann ist die Flamme weg. Aber der Docht glimmt noch leicht, bis auch er ausgeht und eine Menge Qualm verkündet: Jetzt ist die Kerze endgültig aus.

In der heutigen Lesung beeindruckt mich besonders das Bild dieses glimmenden Dochts. Es handelt sich bei der Lesung um das erste der vier sogenannten Gottesknechtslieder des Buches Jesaja. Entstanden sind diese Texte im 6. Jahrhundert vor Christus. Das Volk Israel befand sich in babylonischer Zwangsherrschaft. Die Vertreibung aus dem Heiligen Land, verbunden mit der Zerstörung des Tempels und das ungewohnte Leben als Sklaven in der Verbannung ließen eine starke Verunsicherung aufkommen. Ist dieser Gott, an den wir glauben, wirklich der starke Gott, der die Geschichte und das Wohl seines Volkes in den Händen hält? Kein Wunder, dass der Prophet das Bild des glimmenden Dochts wählt.

Er ist eben keine brennen Kerze mehr, er erinnert viel mehr an das Gefühl ausgebrannt zu sein, fertig mit der Welt zu sein. Weder Licht noch Wärme verbreitet ein glimmender Docht, stattdessen lässt er die Dunkelheit erahnen, die da kommt, wenn er ganz verloschen ist.

Und wir heute? Gibt es bei uns nicht auch genug Bilder, in denen unser Glaube eher zum glimmenden Docht als zur lodernden Flamme verkommt? Wenn Ärzte in Krankenhäusern entscheiden müssen, wer behandelt werden soll, wenn Menschen in wirtschaftliche Sorgen getrieben werden, wenn das Leben, wie wir es kennen, auf den Kopf gestellt wird.

Doch das Volk Israel erhält eine Zusage, die auch für uns heute gilt! Dieser Docht – und sei er noch so glimmend – wird nicht ausgehen! Gott wird selbst – gerade wenn der Docht nur noch glimmt – selbst in die Geschichte eingreifen. Das tut er (so werden in christlicher Tradition die Gottesknechtslieder gelesen) durch Jesus Christus! Sein Kommen, sein Tod und seine Auferstehung, sie weisen den Weg aus allen Sorgen und Zweifeln. Aber ich bin mir sicher: „Der Erwählte Gottes“ kann auch in unserem Alltag immer wieder auftauchen.

In einem freundlichen Wort, in der Unterstützung von Schwachen und Bedürftigen, im Trost der Traurigen, in der Zuneigung zueinander, in der Solidarität. Überall dort, wo wir uns an der Verheißung und Zusage Gottes orientieren, da wird die Kerze nicht ausgehen, und sei der Docht noch so glimmend.

Gebet

Herr, wir vertrauen dir. Du zeigst uns den Weg zum Leben. Dir vertrauen wir alles an:

Vater Unser im Himmel….

Segen

So segne und behüte uns alle an diesem Tag der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen.