Impuls vom Mittwoch, 15.04.2020

Von | 15. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Eröffnung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied: GL 489 – Lasst uns loben, freudig loben

https://www.youtube.com/watch?v=Nq6dHikOk8

(Achtung! Vorspiel bis 02:08)

1) Lasst uns loben, freudig loben Gott den Herrn, der uns erhoben und so wunderbar erwählt; der uns aus der Schuld befreite, mit dem neuen Leben weihte, uns zu seinem Volke zählt

2) der im Glauben uns begründet, in der Liebe uns entzündet, uns in Wahrheit neu gebar, dass wir so in seinem Namen und durch ihn zum Leben kamen, unvergänglich, wunderbar.

3) dass wir allen Zeugnis geben, die da sind und doch nicht leben, sich betrügen mit dem Schein. Lasst den Blinden uns und Tauben Herz und Zunge aus dem Glauben, aus der Liebe Zeugen sein.

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 20, 11-16)

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.

Impuls

„Mein Name ist Michael Michels“. Das sorgt oft für Lacher oder skeptische Blicke. Entweder werden meine Eltern als „kreativ“ gelobt oder ich bemitleidet. Mit diesem Namen zu leben gehört zu meiner Identität; ganz zu meinem Wesen. Seit dem Herbst letzten Jahres beschäftigt mich das Thema „Name“ nochmal ganz neu. Dort habe ich mit jungen Leuten eine Fahrt nach Auschwitz gemacht, verbunden mit einem bewegenden Zeitzeugengespräch. Über 3 Stunden erzählte uns eine Frau, die als 14 Jährige für 5 Monate im Vernichtungslager Birkenau war und dann die Befreiung erlebte, über die Grausamkeiten des Lageralltags. Am Schluss stellte eine der Teilnehmerinnen ganz unverblümt die Frage: „Was war denn eigentlich das Schlimmste, was Ihnen im Lager passiert ist?“ Darauf antwortete die Zeitzeugin: „Das Schlimmste habe ich euch noch gar nicht erzählt. Das Schlimmste war, dass mir mein Name genommen wurde“. Gefangene, die nach Auschwitz kamen, bekamen ihre Häftlingsnummer auf die Haut tätowiert. Von diesem Moment an trugen sie offiziell ihren Namen nicht mehr; waren nichts anderes als eine Nummer, ein Platz auf einer Liste in einem abartigen, perversen Mordsystem. Die jüdische Gedenkstelle Yad Vashem hat auch in Auschwitz selbst eine eindrucksvolle Gedenkstätte errichtet. In einem gigantischen Buch sind alle Namen erfasst, die bisher als Opfer des Holocausts bekannt sind. Unter der biblischen Zusage „Ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird“ (Jesaja 56,5) gehört es zum Programm von Yad Vashem eine entscheidende Korrektur an diesem unmenschlichen System vorzunehmen: Den Opfern wieder Namen zu geben. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ (Jesaja 43,1) ist seit dem Besuch in Auschwitz für mich eine der schönsten Aussagen Gottes in Bezug auf die Menschen. Als Juden & Christen tragen wir einen ewigen, einen unveräußerlichen Namen, einen Namen, dessen Ausspruch viel mehr ist als eine reine Information. Vor Gott ist jeder Name, jede Identität, alles was damit verbunden ist unendlich wertvoll. Von Gott „bei seinem Namen gerufen zu werden“ eröffnet eine ganz neue Wirklichkeit des Lebens. Im Evangelium des Tages erlebt dies auch Maria. Sie ist blind vor Trauer, verzweifelt und verängstigt. Sie hält Jesus für einen Gärtner. Aber als er sie mit ihrem Namen anspricht, sie als „Maria“ ruft, da wandelt sich ihre Welt. Da wird sie sehend. Da wird sie wieder zum Menschen. Und so ist diese Botschaft für mich heute die Botschaft des Tages: „Michael!“ und „Maria!“ und „DEIN NAME„!, die / der du diesen Impuls gerade lest: „Du trägst einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen trägst du, der niemals ausgetilgt wird“

Gebet

Gott, du rufst uns beim Namen. Dir vertrauen wir alles an:

Vater unser im Himmel…

Segen

So segne und behüte uns und die ganze Welt, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist,

Amen.