Impuls vom Karsamstag, 11.04.2020

Von | 11. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 12:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Hinweise zu Beginn des Gebetes
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, der oft auch als „liturgiefrei“ bezeichnet wird. Das ist ja auch irgendwie logisch, es gibt schließlich nichts zu feiern. Der Leichnam Jesu ist begraben, das Grab verschlossen, von seiner Auferstehung wissen selbst die Jünger noch nichts. Sie wissen nur, dass all ihr Glaube und all ihre Hoffnung an einem schäbigen Kreuz auf dem Hügel Golgotha geendet ist. Nun geht es ihnen so, wie es am Totenbett eines lieben Menschen oft erlebt wird: Es ist, als ob die Zeit still stünde.
Vielleicht gibt es deswegen heute viele Schwierigkeiten mit dem Karsamstag.
Halten wir es aus, dass die Zeit still stehen darf? Oder muss es ganz schnell Ostern werden?
Ich lade Sie herzlich ein, die Stille auszuhalten. Den Karsamstag auch mal Karsamstag sein zu lassen. Ein Tag der Stille, des Mitleidens, der Solidarität mit allem Leid und Tod dieser Welt, mit all den Nagelproben unserer Zeit.

Eröffnung

„Denn die Karfreitage unseres Lebens, sie sind die Nagelproben unseres Glaubens. All das Unverständliche, all das Ungerechte, all das Grausame, alles was so schrecklich falsch läuft in dieser Welt, all das tut so weh. All das durchbohrt unsere Seele und unseren Glauben wie ein Nagel.“

(Auszug aus dem Impuls zum Karfreitag)

Warten, Aushalten, Mitleiden, Warten, Beten…das ist die Motivik des Karsamstags. Auch diesen Tag wollen wir unter das Zeichen des Kreuzes stellen und beginnen unser Gebet:

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Zwischen Tod und Leben – Karsamstag

Totenklage um Jesus

Diese Totenklage stammt aus der orthodoxen Laudes des Karsamstags. Sie steckt – wie in den Kirchen des Ostens üblich – voller eindrucksvoller Bilder und besteht aus drei Strophen

Herr mein Erlöser, eine Totenhymne will ich dir singen, dir, der durch sein Grab mir den Zugang zum Leben eröffnet und durch den Tod den Tod getötet hat.

I

Christus, das Leben, wird dem Grab übergeben. Des Todes Reich vernichtest du, die Toten richtest du auf.

Wir preisen dich, Jesus, l König. Wir verehren dein Grab, deine Leiden, durch die du uns vom Verderben errettet hast.

Einst hast du der Erde ihre Weite gegeben, heute wohnst du in der Enge des Grabes, Jesus, Allherrscher, und erweckst aus den Grüften die Toten.

Christus, das Leben, wird dem Grab übergeben. Durch deinen Tod hast du den Tod vernichtet und der Welt geöffnet die Quelle des Lebens.

Mit den Verbrechern wurdest du, Christus, für einen Verbrecher gehalten, du, der uns alle von der alten Bosheit des Feindes zur Gerechtigkeit trug.

Der du freiwillig starbst und dich in die Erde legen ließest, mein Jesus, Lebensspender, neu erwarbst du mir das Leben, mir, der an bitterer Stünde starb.

Als Sterblicher stirbst du freiwillig, o Heiland, als Gott hast du die Toten erweckt aus den Grüften, aus dem Abgrund der Sünden.

Christus, das Leben, hat den Tod gekostet und die Sterblichen vom Tod befreit und schenkt jetzt allen das Leben.

Wir besingen in Hymnen, Jesus, dich, den Gott aller, mit dem Vater und dem Geist, preisen dein heiliges Grab.

Wir preisen glückselig dich, heilige Gottesmutter, und das Grab, aus dem dein Sohn, unser Gott, am dritten Tag erstanden, verehren wir gläubig.

II

Würdig ist es, dich, den Spender des Lebens, zu preisen, der am Kreuz die Hände ausstreckte und die Macht des Feindes brach.

Würdig ist es, dich, den Schöpfer aller, zu preisen. Denn durch dein Leiden sind wir erlöst vom Verderben.

Im Grab vernichtest du das Reich des Todes, Christus. Im Tode tötest du den Tod, befreist vom Verderben die Menschen.

Ein großes Geheimnis schauen wir jetzt. Er, der das Leben ist, nahm willig den Tod auf dich und erweckte zum Leben die Menschen, die aus Erde gebildet.

Mit Hymnen, Christus, verherrlichen wir alle jetzt dein Kreuz und dein Grab, denn dadurch sind wir vom Tode befreit.

Würdig ist es, dich, den Spender des Lebens zu preisen.

III

Alle Geschlechter bringen eine Hymne deinem Grabe, mein Christus!

Vom Kreuz nimmt Josef von Arimathäa dich herab und bestattet dich in einem neuen Grab.

Auf, alle Schöpfung, lasst Totenhymnen uns bringen dem Schöpfer!

Lebensspender, Erretter, Preis sei seiner Macht. Denn du hast den Tod vernichtet.

Frieden schenk der Kirche und Heil deinem Volke durch deine Auferstehung

Vater Unser

Gott hört unsere Klagen und bleibt bei uns im Leid. Wir dürfen immer zu ihm rufen: Vater unser im Himmel…

Segen

Gott, segne uns mit der Ruhe, in der sich neues Leben regt. Segne uns mit der Geduld, in der das Neue wachsen kann. Segne uns mit der hoffnung, dass das neue Leben aufbricht, Amen.

Satz für den Tag

Alles an diesem Tag kommt mir echt vor….Keine Dramatisierung irgendeines Leides und keine Verklärung irgendeines Sieges, sondern die Tatsächlichkeit meiner Gegenwart zwischen Sterben und Auferstehung

Bernadrin Schellenberger (*1944; katholischer Theologe)