Impuls vom Karfreitag, 10.04.2020

Von | 10. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 15:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

„Durch das heilige Ostergeschehen hat Christus der Herr die Menschen erlöst und Gott auf vollkommene Weise geehrt. Er hat durch seinen Tod unseren Tod überwunden, durch seine Auferstehung hat er das Leben neu geschaffen. Die drei Tage des Leidens und der Auferstehung des Herrn sind deshalb der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahrs.“

(Missale Romanum)

Hinweise zu Beginn des Gebetes

Der Gottesdienst am Karfreitag ist von Ernsthaftigkeit und Dichte geprägt.

Im ersten Teil dieses Gebetsimpulses stehen die Texte des Karfreitags im Mittelpunkt. Anschließend folgt die Kreuzverehrung – die sie gerne auch Zuhause mit Ihrem Kreuz nachvollziehen können. Es folgen die großen Fürbitten, die Anliegen unserer Welt, die wir vor das Kreuz bringen wollen. Zum Abschluss können Sie auch gerne Zuhause den Trierer Bistumsbrauch der Grablegung vollziehen. Vertrauensvoll schließen wir die Feier mit dem Gebet des Vater Unser. In Solidarität und Stille halten wir mit den Leidenden und Geschundenen unserer Tage vor dem Grab Jesu aus. Mit der ganzen Welt erhoffen wir gemeinsam den Ostermorgen.

Zudem gibt es zum Karfreitag eine Impulskarte, die Sie gerne ausdrucken und aufstellen können:

Eröffnung

Gedenke, Herr, der großen Taten, die dein Erbarmen gewirkt hat.

Schütze und heilige deine Diener, für die dein Sohn Jesus Christus sein Blut vergossen und das österliche Geheimnis eingesetzt hat, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 4,14–16; 5,7–9)

Schwestern und Brüder!

Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit! Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem

Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht. Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Das Leiden unseren Herrn Jesus Christus nach Johannes

An dieser Stelle schließt sich die Passionserzählung nach Johannes an. Sie können den Text der Passion über einen Klick auf folgenden Link aufrufen:

Ruf vor der Passion

Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!

Impuls – Nagelprobe

Wir haben uns – wie fast alle Christen auf der Welt – zu dieser Stunde vor einem Kreuz versammelt. Wir feiern das Leiden und Sterben Jesu Christi.

Es ist immer noch kaum vorstellbar, welche Grausamkeit sich auf diesem Hügel

Golgotha abgespielt hat. Mit Nägeln wurde Jesus durch Hände und Füße an ein Kreuz genagelt. Der Körper Jesu wurde durchnagelt, durchdrungen, zutiefst verletzt.

Die anderen Evangelien berichten, dass Menschen um das Kreuz herumstanden und spotteten. „Anderen konnte er helfen, aber sich selbst nicht?!“ Jesus ist verletzlich. Jesus ist bis auf Äußerste verletzlich. Die Nägel, die ihn durchdringen verwunden ihn nicht nur körperlich, er ist gedemütigt, verspottet, in Gänze als Mensch geschunden.

Was für ein irres Bild: Gott, der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, hängt wehrlos und verwundet an einem Kreuz. Kann das Gott sein? Gibt es Gott überhaupt, wenn solches Leid möglich ist?

Diese Fragen haben sich viele Menschen an diesem Karfreitag auf dem Hügel Golgotha gestellt. Und diese Fragen verbinden diesen Karfreitag mit den vielen Karfreitagen unserer Zeit. Denn die Karfreitage unseres Lebens, sie sind die Nagelproben unseres Glaubens. All das Unverständliche, all das Ungerechte, all das Grausame, alles was so schrecklich falsch läuft in dieser Welt, all das tut so weh. All das durchbohrt unsere Seele und unseren Glauben wie ein Nagel. Was könnten Ärzte in Italien, Spanien, New York und überall auf der Welt Gott an den Kopf werfen? Kinder und Frauen, die vergewaltigt werden, Menschen, die bei Krieg und Terror unschuldig schwer verwundet werden oder ums Leben kommen. Was könnte jeder einzelne von uns Gott vorwerfen? Wie viele Nägel wurden im Laufe unserer Biographie schon in unseren Glauben geschlagen? Nägel, die von enttäuschten Hoffnungen zeugen, von Rückschlägen und Niederlagen, von nicht verheilten Verletzungen, von zerbrochenen Beziehungen und Freundschaften; Nägel, die uns an verschiedenen Stellen im Leben aufzeigen, wie hilfslos wir manchmal sind, wie viele Chancen wir verpassen, das Richtige zu tun; Nägel, die uns gnadenlos treffen, wenn ein geliebter Mensch für immer von uns gehen muss.

Ja, die Karfreitage unseres Lebens sind die Nagelproben unseres Glaubens.

Wie viele Situationen kennen wir in unserem Leben, wie viele Situationen gibt es tagtäglich auf der Welt, wo Gott scheinbar abwesend ist, wo er schweigt.

„Das kannst du so nicht sagen!“ würde uns Paulus entgegnen. Die heutige Lesung aus dem Hebräerbrief macht es auch nochmal deutlich. Gott ist immer da – auch in jedem Leid. Er opfert seinen Sohn am Kreuz. Und zwar nicht, weil Gott dieses Opfer bräuchte, das wäre ein entsetzliches Gottesbild. Nein, er tut es, weil Menschen andere Menschen immer wieder zu Opfern machen. Er tut es, weil uns die Nägel im Leben nicht ausbleiben.

Ja, die Karfreitages unseres Lebens sind die Nagelproben unseres Glaubens.

Doch im gekreuzigten Jesus zeigt sich Gott in seiner ganzen Verletzlichkeit. Näher konnte er uns Menschen nicht kommen. Gottes wehrlose Liebe zu uns Menschen hat heute ihre Nagelprobe bestanden. Gott opfert seinen Sohn, um uns in allem Leid eine Hoffnungsperspektive zu eröffnen.

Deshalb dürfen wir alles zum Gekreuzigten tragen, was und schmerzt, all unsere Nagelproben, alle Wunden und Einstiche der Nägel des Lebens sind bei Jesus in guten Händen – in seinen aus Liebe verwundeten Händen. Denn aus Ihnen strömt Hoffnung hervor.

Lied: GL 774 – Heb dein Aug und dein Gemüte

1) „Heb dein Aug und dein Gemüte, Sünder zu dem Berge hin, schau mein Leid und meine Güte, schau, ob ich dein Heiland bin!“ Also ruft vom Kreuzesstamme dir dein Jesus sterbend zu. Ach, darum die Sünd verdamme, suche bei ihm Heil und Ruh!

2) Schau, er strecket aus die Arme, neigt zu dir sein Angesicht, dass er huldvoll dich umarme! Rührt dich diese Liebe nicht? Denn für aller Menschen Sünden sich der Herr zum Opfer bringt; dass beim Vater Gnad wir finden, Jesus mit dem Tode ringt.

Kreuzverehrung (Taizé)

Sie sind herzlich eingeladen einen Moment in Stille vor dem Kreuz zu verweilen, es vielleicht kurz zu berühren und es mit Blumen zu schmücken.

In Taizé gibt es am Freitag die Tradition, das Kreuz zu berühren, seine Stirn oder seine Hand auf das Kreuz zu legen. Verbunden ist diese Geste mit dem Ausdruck, mein Leid, meine Sorgen, meine Nagelproben des Lebens dem Herrn anzuvertrauen. Er wird sich Ihnen gerne annehmen, in seinen ausgebreiteten Armen und aus Liebe verwundeten Händen ist dafür Platz.

Zeit der Stille

Große Fürbitten

Jesus Christus, du leidender Heiland unserer Welt: Du hast für uns den Tod erlitten um uns einen Hoffnungsweg aus den Nagelproben unseres Lebens zu eröffnen. Wir rufen dich an:

1) Für alle, die sich nach dir Christen nennen, für die Kirchen in ihrer Spaltung und Trennung, und in ihrem Bemühen um Gemeinschaft und Einheit; für alle Männer und Frauen, denen ein Dienst in der Kirche aufgetragen ist; für unsere Gemeinden und Gemeinschaften, in unserem Bistum und in der Weltkirche. Für Stephan, den Bischof von Trier und für Franziskus, den Bischof von Rom.

Stille

Zieh uns alle an dich! Hilf uns zu einem Leben nach dem Evangelium und zur Einheit in dir.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

2) Für die Völker dieser Erde und ihre Regierungen, für den Europarat, die Vereinten Nationen und alle Parlamente, für die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, für alle, die unter Krieg und Kriegsfolgen leiden, für die Verfolgten und Migranten und für alle, die in Unfreiheit und Unterdrückung leben.

Stille

Gib den Menschen den Geist der Versöhnung und lenke ihre Schritte auf Wege zur Gerechtigkeit und zum Frieden.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

3) Für alle, die ihren Glauben verloren haben, und für alle, die nicht zum Glauben finden, weil wir ihnen den Blick auf dich verstellen.

Stille

Lass das Licht deines Evangeliums hell leuchten, und mache uns zu glaubhaften Zeugen deines Heils.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich….

4) Für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden

Stille

Sei mit einer Liebe, deinem Trost und deiner Kraft allen nahe, denen großen Unrecht geschehen ist und die tiefe seelische Verletzungen erlitten haben; richte sie auf, heile ihre Wunden und stärke ihren Glauben; den Schuldigen aber gib Einsicht und Reue, die Bereitschaft zur Umkehr und den festen Willen, vergangene Untaten gut zu machen.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

5) Für alle, die auf der Schattenseite des Lebens stehen: für die Kranken, für die Alten und Einsamen, für die Alleinerziehenden und für die Kinder ohne Familien, für die Arbeitslosen und für alle, die von uns missachtet, an den Rand gedrängt und ausgestoßen werden.

Stille

Sei ihnen nahe und führe Menschen zu ihnen, die ein offene Ohr und Herz haben für ihre Nöte.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

6) Für alle, die keinen Weg mehr sehen, für die Rat- und Hilflosen, für alle die von Menschen enttäuscht, ausgenutzt und verraten wurden, für alle, die sich geflüchtet haben in Herzensverhärtungen oder Sucht, die sich in Schuld verstrickt haben, die sich von Gott verlassen sehen

Stille

Nimm sie hinein in deinen Aufschrei am Kreuz und schenke ihnen Anteil an deinem neuen Leben.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

7) Für die ganze Schöpfung, die seufzt und in Wehen liegt und der Erlösung harrt. Für alle, die sich um ihre Erhaltung mühen, und für alle, die unter ihrer Zerstörung leiden.

Stille

Lass uns erfahren, dass wir nur Verwalter sind und deine gute Gabe allen gehört, den Kindern und Kindeskindern überall auf der Welt.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich….

8) Für alle Menschen, die in diesen Wochen schwer erkrankt sind; für alle, die in Angst leben und füreinander Sorge tragen, für alle, die sich in Medizin und in Pflege um kranke Menschen kümmern, für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen, und für alle, die Entscheidungen treffen müssen und im Einsatz sind für die Gesellschaft, aber auch für die vielen, die der Tod aus dem Leben gerissen hat

Stille

Steh allen bei, die von der Corona-Krise betroffen sind und stärke in uns den Glauben, dass du alle deine Menschen in deinen guten Händen hältst. Die Verstorbenen aber nimm auf in dein Reich, wo sie bei dir geborgen sind.

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

9) Für alle Sterbenden und die Toten, für alle, die uns das Leben und den Glauben weitergegeben haben, für alle, an deren Sterben wir mitschuldig sind durch Gleichgültigkeit, Hartherzigkeit und unseren Lebensstil.

Stille

Führe sie durch deinen Tod zum unverlierbaren Leben

Lasset zum Herrn uns beten: Herr erbarme dich…

Allmächtiger Gott, du erhörst, die dich anrufen, du kennst die Bitten derer, die schweigen. Wir danken wir, dass du uns durch das Leiden und Sterben deines Sohnes aus der Gottesferne in dein Volk gerufen hast. Lass uns den Glauben immer tiefer erfassen und stärke uns durch Christus, unseren Herrn, Amen.

Vater Unser

Vertrauensvoll wollen wir die Feier schließen mit dem Gebet des Herrn.

Vater Unser im Himmel…

Grablegung (Trierer Bistumsbrauch)

Wenn es Ihnen möglich ist, können Sie den Brauch der Grablegung nachvollziehen. Lesen Sie dazu den hier folgenden Schluss der Johannes-Passion, legen Sie dann ihr Kreuz hin und bedecken Sie es mit einem Tuch.

Aus der Johannes-Passion

Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodémus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloë, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Grablegung

Zeit der Stille

In Solidarität und Stille halten wir mit den Leidenden und Geschundenen unserer Tage vor dem Grab Jesu aus. Mit ihnen zusammen erhoffen wir den Ostermorgen.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, reicher Segen komme herab auf dein Volk, das den Tod deines Sohnes gefeiert hat und die Auferstehung erwartet. Schenke ihm Verzeihung und Trost, Wachstum im Glauben und die ewige Erlösung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn,

Amen.