Impuls vom Gründonnerstag, 09.04.2020

Von | 9. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Mit der Liturgie des Gründonnerstags beginnt das sogenannte „Triduum Sacrum“, die heiligen drei Tage. Gemeint sind die liturgischen Feiern einschließlich der Osternacht, die wie ein einziges großes Hochfest gefeiert werden.
Sie können diesen Gebetsimpuls wie einen Hausgottesdienst zum Gründonnerstag feiern. Richten Sie sich dazu gerne einen kleinen „Feierort“ ein, vielleicht mit einem Kreuz, einer Kerze, der Impulskarte zum Gründonnerstag…

Lied: GL 281 – Also sprach beim Abendmahle

YouTube zum mitsingen:

1) Also sprach beim Abendmahle Jesus als sein Testament: Seid geeint und liebt euch alle, dass mich diese Welt erkennt! Wie der Vater mich gesendet, eins mit mir, wie ich mit euch, gehet hin, mein Werk vollendet, eins zu sein in meinem Reich!

2) Seht, wie ich der Herr, euch liebe, liebt der Vater euch durch mich; wie mit euch Geduld ich übe, so erbarmt der Vater sich, dass ihr alle in mir bleibet, unter euch verbunden seid, aus dem Weinstock Reben treibet, Früchte bringt zur rechten Zeit!

3) Ich bin euer Weg geworden, der allein zum Heil euch führt, schloss euch auf des Himmels Pforten und bin euch der Gute Hirt. Bleibt in dem, was ich verkündet, was euch meine Kirche weist, dass die Liebe euch verbündet, bleibt geeint in meinem Geist!

Eröffnung:

Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.

In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben.

Durch ihn sind wir erlöst und befreit.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Ehre sei Gott in der Höhe!

Gloria (Lied): GL 170 – Allein Gott in der Höh sei Ehr

YouTube zum mitsingen:

1) Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum, dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefallen Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

2) Wir loben, preisen, anbeten dich; für deine Ehr wir danken, dass du, Gott Vater, ewiglich, regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessen ist deine Macht, allzeit geschieht, was du bedacht. Wohl uns solch eines Herren!

3) O Jesu Christ, Sohn eingeborn, des allerhöchsten Vaters, Versöhner derer, die verlorn, du Stiller unsers Haders. Lamm Gottes, heiliger Herr und Gott, nimm an die Bitt aus unsrer Not. Erbarm dich unser, Amen.

Nach einer uralten liturgischen Tradition schweigen nach dem Gloria des Gründonnerstags die Orgel, die Glocken und die Klingeln der Kirche. Alles wird ruhiger und schlichter.

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 11, 23–26)

Schwestern und Brüder!

Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe:

Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 13, 1–15)

Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskáriot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Lied: GL 445 – Ubi caritas (Taizé)

YouTube zum mitsingen:

Text: Ubi caritas et amor, ubi caritas Deus ibi est

Übersetzung: Wo Güte und Liebe herrschen, da ist Gott

Impuls – Gott ist nur Liebe

Hinweis: Nehmen Sie für den Impuls gerne die Gebetskarte unserer Gebetsgemeinschaft dazu

Durch viele glückliche und gnadenreiche Umstände, darf ich Kenia meine zweite Heimat nennen. Zunächst und immer noch durch ein Waisenhaus, aber dann auch mehr und mehr durch das Leben der katholischen Kirche im Westen dieses wunderbaren aber zum Teil bitterarmen Landes habe ich eine tiefe Beziehung zu dieser besonderen Schönheit Afrikas aufbauen können.

Was leider nie so ganz geklappt hat war ein guter Zugang zur Sprache. Gott sei Dank sprechen die meisten Kenianer Englisch. Mein Kisuaheli ist trotz vieler Aufenthalte auf einem ausbaufähigen Level geblieben, bei anderen Stammesdialekten verstehe ich kein einziges Wort. So war ich nicht unbedingt erfreut, als ich mit einem befreundeten kenianischen Priester zu einer Gründonnerstagsmesse gefahren bin, und er mir auf dem Weg offenbarte, dass die Messe in Luhyo gehalten werden würde, eben einer dieser Stammesdialekte, in denen ich nicht mal „Guten Tag“ wünschen kann.

Die Kirche, die unser Ziel war, macht mir vor Ort regelmäßig zu schaffen. Vor einigen Jahren hat die Gemeinde begonnen eine Kirche zu bauen, mitten im Bau ist ihr allerdings das Geld ausgegangen. Und da eine Messe in Kenia eigentlich immer mindestens 90 Minuten dauert (und dann muss es der Priester schon sehr eilig haben) kann es einem sehr warm werden, denn ein Dach hat diese Kirche bisher nicht bekommen.

Die Aussichten auf diesen Gründonnerstag vor ein paar Jahren waren also nicht berauschend. Eine ewig lange Liturgie, in der ich kein Wort verstehe und wahrscheinlich mit einem schmerzhaften Sonnenbrand die Kirche wieder verlasse.

Und doch – ohne ein einziges Wort verstanden zu haben – war diese Messe in dieser völlig fremden Sprache eine der berührendsten Glaubenserfahrungen meines Lebens. Denn bei der Feier dieses Gründonnerstags in Kenia, in dieser staubigen und unfertigen Kirche ohne Dach, ist mir ein tiefes Geheimnis Gottes erst richtig aufgegangen. Vielleicht auch deshalb, weil es direkt und unmittelbar auf mich gewirkt hat, ohne das es in theologischen Floskeln oder komplizierte liturgische Sprache gekleidet worden wäre.

Als der Priester – wie am Gründonnerstag üblich – nach der Predigt begonnen hatte der Gemeinde die Füße zu waschen, kniete er sich in Staub und Dreck, die Füße vor ihm hatten nichts mit den gepflegten Füßen eines Mitteleuropäers im 21. Jahrhundert zu tun, Schweißperlen tropften ihm von der Stirn. Und da habe ich verstanden: Das hat sich nicht nur der Priester in Kenia angetan, das hat auch Jesus getan. Mein Glaube war wie auf den Kopf gestellt. Ja, Gott ist der Große, der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Aber wer Gott finden will, der darf nicht nur nach oben sehen, der muss nach unten sehen, in den Staub und Dreck. Der große Gott hat sich aus Liebe zu uns Menschen klein gemacht. Es geht am Gründonnerstag viel mehr als um Fußhygiene. Die Fußwaschung ist die Sprache Gottes, die Sprache, die uns sagt: Ich liebe dich, Mensch, so sehr, dass ich sogar als Gott im Dreck herumkrieche und deine Füße wasche. Gottes Sprache ist eine leise Sprache. Vor aller gesprochenen Worte, vor allen Hinweisen und allen Belehrungen, vor allem theologischen Nachdenken steht das Tun Gottes selbst an jedem Menschen, an dir und mir
– ganz einfach und verständlich.

Lied: Taizé – Gott ist nur Liebe

YouTube zum mitsingen:

Text: Gott ist nur Liebe. Wagt für die Liebe alles zu geben. Gott ist nur Liebe. Gebt euch ohne Furcht.

Gebet

Herr, Jesus Christus, du hast am Abend vor deinem Leiden von deinen Jüngern Abschied genommen und ihnen ein Vermächtnis deiner Liebe hinterlassen. Hilf uns, dass wir an deinem Wort festhalten und deinen Willen tun. Gib, dass wir dir in deiner Liebe nachfolgen und stehts verbunden mit dir bleiben. Der du in der Einheit des Heiligen Geistes mit Gott dem Vater lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.

Ölbergstunde – Wachen und Beten mit Jesus

Am Abend des Gründonnerstags kann außerdem eine Ölbergstunde gehalten werden.

Ein vorbereitetes Gebetsformular mit den Abschiedsreden Jesu und Taizé-Gesängen finden Sie unter folgendem Link.