Impuls vom Freitag, 24.04.2020

Von | 24. April 2020

Gebetsgemeinschaft in der PDZ Idar-Oberstein in Zeiten der Corona-Krise

Gebetsimpuls von: Pastoralassistent Michael Michels

Gedenktag des heiligen Rocks

Sie sind eingeladen, das Gebet im Laufe des Tages zu beten. Ich werde das Gebet um 18:00 Uhr beten, gerne können Sie sich auch dieser Uhrzeit anschließen.

Am Freitag der zweiten Osterwoche wird im Trier Dom das Fest des Heiligen Rocks begangen. Damit wird nicht nur der Heilige-Rock, die wertvollste Reliquie im Bistum Trier gefeiert, sondern auch die Heilig-Rock-Tage, das große Bistumsfest, eröffnet. Seit der Wallfahrt im Jahre 1959 ist mit dem Heiligen Rock das Pilgergebet – übrigens auf Vorschlag von Papst Johannes XXIII. – mit den markanten Schlussworten „und führe zusammen was getrennt ist“ verbunden. Während diese Worte normalerweise vor allen Dingen ökumenischen Anklang finden und das ungeteilte Gewand Christi als Bild und Gleichnis der einen Kirche verstanden wird, bekommt dieses Schlagwort in diesem Jahr eine ganz andere Deutung: In Zeiten von Versammlungsverboten und Kontaktbeschränkungen muss auch das große Bistumsfest ausfallen. Umso mehr möchte ich Sie einladen, dass wir uns heute – an diesem besonderen Tag – mit dem ganzen Bistum Trier verbinden und den Gebetsimpuls zum Gedenktag des Heiligen Rocks mitzubeten.

Eröffnung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Lied: GL 808 – Freu dich du Christenheit (Pilgerhymne der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012)

(Vorspiel bis 02:00)

1) Freu dich, du Christenheit, und singe deinem Herrn. Bekenne ihn und nenne seinen Namen laut.

Kv) Herr Jesus Christ, erbarme dich und führ zusammen, was getrennt.

2) Dank ihm, du Christenheit: Zum Heil der ganzen Welt gab er den Geist, der Menschen stärkt, verbindet, versöhnt.

Kv) Herr Jesus Christ, erbarme dich und führ zusammen, was getrennt.

3) Trau ihm du Christenheit, auch wenn in schwerer Zeit der Zweifel kommt und kalte Angst dich überfällt.

Kv) Herr Jesus Christ, erbarme dich und führ zusammen, was getrennt.

4) Bedenke, Christenheit, dein Jesus, Gottes Sohn, ließ dir zurück sein letztes Hemd wie ein Gebet.

Kv) Herr Jesus Christ, erbarme dich und führ zusammen, was getrennt.

5) Wach auf, du Christenheit, und schau auf Jesu Kleid: der Einheit Bild, das unsrer Sehnsucht Hoffnung verleiht.

Kv) Herr Jesus Christ, erbarme dich und führ zusammen, was getrennt.

Lesung aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 19, 23-24)

Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten.

Impuls

Eine Krise, wie die, die wir zur Zeit erleben, irritiert und verwirrt einzelne Personen wie Institutionen massiv. Doch genau da, wo nichts sicher scheint, wo alles anders ist, als man es gewohnt ist, legen sich oft auch wertvolle Lernerfahrungen frei. Seit Jahren ringen wir als Kirche um unsere gesellschaftliche Bedeutung. Während – so glaube ich – viele von uns immer noch glauben, dass die Kirche große gesellschaftliche Relevanz besitzt, macht diese Krise doch auch eines deutlich: Für den großen Teil der Gesellschaft sind wir bedeutungslos. Der Großteil der Bevölkerung schert sich nicht um uns. Selbst in der „größten gesellschaftlichen Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“ (Angela Merkel) rennen uns die Menschen nicht die Türen ein, auch viele Telefone bleiben stumm. Meine Oma hat früher immer gesagt, es müsse nur wieder eine Not kommen, dann sind die Kirchen wieder voll. „Not lehrt beten“. Pustekuchen, zumindest für den großen Teil der Gesellschaft. Auch in Corona-Zeiten bewegen wir uns vor allem „im eigenen Saft“. Aber woran liegt das? Ich glaube es liegt sicher nicht an der Botschaft selbst. Ich glaube es liegt viel mehr an der Kirche, an uns und an mir, die wir diese Botschaft in die Welt tragen sollen. Wir sprechen als Kirche – wenn wir uns dieses Problems annehmen wollen – gerne davon, dass wir „an die Ränder“ gehen müssen. Raus aus unserer eigenen Komfortzone, raus aus unserer eigenen Sprache, hin zu den Menschen, die eben genau diese Botschaft für ihr Leben besonders brauchen. Das klingt gut und richtig, aber mit diesem Bild des „an die Ränder gehen“ ist für mich allerdings ein großes Problem verbunden. Wer ist denn eigentlich der Rand? Und wer ist die Mitte? Sind wir noch die Mitte, wie es dieses Bild intendiert? Ich glaube nicht. Die Zeit, in der die Kirche die Mitte der Gesellschaft darstellt und dementsprechend auch prägen sollte, ist längst vorbei. Vielleicht muss man sich aber auch ehrlich eingestehen, dass es eine solche Zeit niemals wirklich zum Evangelium gepasst hat. Mit dem Gedenktag des Heiligen Rocks packt die kirchliche Leseordnung nochmals einen Ausschnitt aus der Passionserzählung aus. Und damit werden wir – auch in der Zeit der österlichen Freude – nochmal zurückgeführt an den Geburtsort und die Geburtsstunde der Kirche. Der Ort des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu ist nicht der Tempel, ist nicht im Kreise der gesellschaftlichen Schichten dieser Zeit, ist nicht im Herzen der Stadt. Nein! Das alles passiert draußen vor den Toren der Stadt, auf dem verschmähten Hügel Golgotha. Bischof Bätzing sagte über diesen Ort einmal: „Da hat Gott der Welt eine neue Mitte geschenkt. Nicht als Ort – sondern in Person: Jesus, die gekreuzigte und auferstandene Liebe Gottes zu uns Menschen. Um sie zu finden und sich ihr anzuschließen, muss man sich heraus rufen lassen aus der inneren Stadt festgefügter Ansichten und Überzeugungen; aus dem Sog des Zeitgeistes, von dem wir alle viel stärker geprägt sind, als wir gern eingestehen; und auch aus gewohnten Bahnen kirchlicher Prägungen, die vielen von uns noch Sicherheit und Heimatgefühl geben – und die doch keine wirkliche Kraft mehr besitzen“ Ich habe jetzt noch keine fertige Antwort auf meine Überlegungen. Aber vielleicht ist das ein guter Beginn. Nicht immer direkt Antworten zu haben, sondern sich auf die Suche zu machen.

Gebet

Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt, gedenke deiner Christenheit und führe zusammen was getrennt ist.

Vater Unser im Himmel….

Zeit der Stille

Lied: Taizé – Jubelt und freut euch